+
Blick in die Zukunft: Zwei geplante Mehrfamilienhäuser (vorne l.) in Roggersdorf sorgen für Unmut bei den Anwohnern. Die Animation ist ein erster Entwurf, die genaue Außengestaltung ist hier noch nicht zu sehen. 

„Das Dorf wird im Kern zerstört“

Roggersdorf: Protest gegen Bebauung verschärft sich

  • schließen

Ein Bauvorhaben in Roggersdorf kommt nicht zur Ruhe: Der Investor wehrt sich gegen die Kritik der Anwohner, und ein Bürger verfasst einen offenen Brief an den Bürgermeister. 

Roggersdorf – Detlef Korus wohnt in der Kohlstattstraße in Holzkirchen, geht gerne im benachbarten Roggersdorf spazieren. Was in diesem schönen Ortsteil nun passiert, bringt ihn in Rage: „Das monströse Bauvorhaben zur Errichtung von 13 Wohneinheiten und 26 Stellplätzen mit einem Tiefgaragenmaul direkt vor’m Weiher und dem Feuerwehrhäusl ist dazu angetan, ein gewachsenes Kulturensemble in einem der ältesten Orte der Region zu zerstören“, schimpft er. Der Bauausschuss habe das Bauvorhaben mit „beispielloser Kaltschnäuzigkeit“ durchgewunken. Seinem Ärger macht er nun in einem offenen Brief an Bürgermeister Olaf von Löwis Luft.

Wie berichtet, gab der Bauausschuss grünes Licht für zwei Mehrfamilienhäuser mit 13 Wohneinheiten zwischen 55 und 110 Quadratmetern am Holzhäuslerweg in Roggersdorf. Einigen Anwohnern missfällt das Bauvorhaben. Martin Sappl hatte 40 Unterschriften gesammelt, um die Gemeinde zu einem nachträglichen Straßenausbau zu überreden. Ferner sei die Ausfahrt an der Tiefgarage „an der engsten Stelle“ geplant.

Korus greift in seinem Brief Löwis – den er in dem Schreiben duzt, weil er im Ausschuss ebenfalls geduzt worden sei – und die Gemeinderatsmitglieder provokant an: „Das Dorf wird im Kern zerstört“, wettert er. Das „schönste Ende der Welt“ sei am Ende. Die Schotten hätten ihr Loch Ness. „Die Roggersdorfer bekommen ein Loch zum Parken.“ Dass der Bebauungsplan gar keinen anderen Beschluss zulasse, will Korus so nicht gelten lassen. Schließlich hätte man auch weniger Wohneinheiten genehmigen können, meint er. Zu guter Letzt findet er, dass hier Bürgerbeteiligung nur vorgespielt wurde. Denn die Ortsbegehung wäre ohne das Protestschreiben der Roggersdorfer gar nicht zustande gekommen, sagt er.

Bürgermeister Löwis, der den Brief selbst noch gar nicht kennt, widerspricht. Laut Bebauungsplan – der viel Spielraum lasse und im Grunde auf das Einfügegebot verweise – sei das Bauvorhaben zulässig. Das Landratsamt habe vorab signalisiert, notfalls das verweigerte Einvernehmen der Kommune zu ersetzen. 13 Wohnungen seien vielleicht etwas viel – aber das sei noch lange kein Grund für eine Ablehnung. Ortsbegehungen seien in solchen sensiblen Fällen üblich und stünden nicht im Zusammenhang mit dem Protestbrief der Bürger. Sie dienten hauptsächlich den Gemeinderäten, Bürger dürften kommen, würden aber nicht explizit eingeladen.

Auch Bauherr Hans Köstler, der das Anwesen von privat gekauft hatte, wehrt sich gegen die Kritik der Anwohner. Vor allem das gefürchtete Wort „Erlkamisierung“, das in dem Zusammenhang gefallen war, stößt ihm auf. Er hat sich extra den Ortsteil Erlkam angesehen – und den könne man ja gar nicht mit seiner Planung in Roggersdorf vergleichen. In Erlkam gebe es „schmucklose Mehrspänner“ mit „handtuchähnlichen, sauber mit Maschendraht eingezäunten Gartenparzellen“ – seine Wohnanlage hingegen umrahme eine naturnahe Außengestaltung mit geschwungenen Wegen, einem Kommunikationsbereich und einem Spielplatz. In Erlkam würden „Garagengebäude und Carports mit massiven Satteldächern“ das Ortsbild prägen, seine Planung jedoch sehe eine Tiefgarage vor. Außerdem: „Die ebenfalls viel diskutierte Einfahrt in die Tiefgarage gegenüber dem Feuerwehrhäusl stellt sich in der Realität später als relativ kleines Garagengebäude dar, welches kaum wahrgenommen wird“, sagt Köstler. Einen Großteil der Wohnungen will er verkaufen, den Rest vermieten. Es gebe bereits Interessenten.

Die Marktgemeinde befinde sich in der Metropolregion München, sagt Löwis. „Wir können keine Käseglocke über die Dörfer stülpen.“ Sein Appell: „Die Leute sollten auch anderen Bürgern die Chance geben, dieses Idyll erleben zu dürfen.“ Trotz allem möchte die Gemeinde nun prinzipiell Bebauungspläne mit viel Spielraum – wie in Erlkam und Roggersdorf der Fall – überprüfen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Namensproblem bei AfD-Kandidat: Stimmzettel bleiben gültig
Liegt im Fall um den Namen des AfD-Kandidaten Constantin Prinz von Anhalt ein strabares Verhalten vor? Vermutlich noch vor der Bundestagswahl soll das geklärt sein. Bis …
Namensproblem bei AfD-Kandidat: Stimmzettel bleiben gültig
Unbekannter reißt Dachrinne ab 
Wo rohe Kräfte sinnlos walten: Ein Unbekannter riss am Holzkirchner Bahnhof in der Nacht zu Mittwoch die Dachrinne eines Buswartehäuschens ab.
Unbekannter reißt Dachrinne ab 
Eidechsen müssen umziehen
Eine beachtliche Population von Eidechsen tummelt sich entlang der Teufelsgraben-Bahntrasse zwischen Holzkirchen und Otterfing. Die gute Nachricht: Sobald die Eidechsen …
Eidechsen müssen umziehen
Namens-Wirrwarr um den AfD-Prinzen - Staatsanwalt ermittelt
Die Sache mit Adelstiteln ist kompliziert. Die Weitergabe ist manchmal intransparent. Genau deswegen hat der AfD-Direktkandidat Constantin Leopold Prinz von Anhalt nun …
Namens-Wirrwarr um den AfD-Prinzen - Staatsanwalt ermittelt

Kommentare