Zweimal täglich auf Stippvisite in Holzkirchen: Die neuen Elektrobusse des RVO (Stückpreis: 500 000 Euro) sind seit Ostern auch auf der Linie 9553 Bad Tölz-Holzkirchen unterwegs.
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Zweimal täglich auf Stippvisite in Holzkirchen: Die neuen Elektrobusse des RVO (Stückpreis: 500 000 Euro) sind seit Ostern auch auf der Linie 9553 Bad Tölz-Holzkirchen unterwegs.

Elektromobilität im ÖPNV

Rote Riesen ohne Auspuff: RVO schickt neue E-Busse auch nach Holzkirchen

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
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Äußerlich ist der Unterschied fast unmerklich. Nur geübte Augen erkennen, dass dieser rote Riese dem Klima nicht so schadet wie seine Artgenossen: Der Regionalverkehr Oberbayern (RVO) setzt seine kürzlich in Dienst gestellten Elektrobusse auch auf einer Holzkirchner Linie ein.

Holzkirchen - Angeschafft wurden die bulligen Stromer vordringlich für den Stadtverkehr in Bad Tölz und den Linienbetrieb im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. „Zweimal täglich steuern die Elektrobusse aber auch Holzkirchen an“, sagt Peter Bartl von der RVO-Niederlassung Tegernsee / Bad Tölz. Einmal am Tag taucht ein Bus zudem in Gmund auf.

Insgesamt vier fabrikneue Busse mit reinem Elektro-Antrieb verstärken seit Ostern die RVO-Busflotte. Es handelt sich um Modelle von Ebusco, einem Hersteller aus den Niederlanden. Stolze 500 000 Euro kostet ein Bus, „das Dreifache einer Diesel-Variante“, sagt Bartl. Die Finanzierung trägt nicht der RVO allein: 80 Prozent der Mehrkosten gegenüber Verbrenner-Modellen deckt ein auf zwölf Jahre ausgelegtes Förderprogramm des Bundesumwelt-Ministeriums ab. Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen schießt jährlich 20 000 Euro zu, die Stadt Bad 10 000 Euro. Kommunen aus dem Landkreis Miesbach sind nicht beteiligt.

Der Akku lädt sich auch beim Bremsen

„Mit einer Ladung schaffen wir bis zu 400 Kilometer“, sagt Bartl. Der Akku lädt sogar während der Fahrt bei Bremsvorgängen (Rekuperation). Ob die Reichweite auch im Winter für größere Schleifen genügt, wenn mehr Heizung und Beleuchtung gebraucht wird, müsse man abwarten, sagt Bartl.

Nach zweimonatigem Einsatz habe man insgesamt gute Erfahrungen gemacht. Allerdings gebe es noch Kinderkrankheiten zu heilen, etwa beim Betanken, wenn sich der Akku nicht zu 100 Prozent laden lasse. „Ein Techniker der Herstellerfirma ist während der Einführungsphase vor vor Ort am Depot in Bad Tölz und kümmert sich“, sagt Bartl. Geladen wird mit Wasserkraft- und Solarstrom, den die Stadtwerke Tölz liefern.

Zweimal täglich kommt der RVO-Stromer nach Holzkirchen

Wer das Fahrgefühl eines E-Busses testen will, wählt die Linie 9553, die von Montag bis Freitag die Verbindung Bad Tölz-Holzkirchen und retour bedient. Der erste Elektro-Riese trifft um 12.54 Uhr am Holzkirchner Bahnhof ein (Rückfahrt in Richtung Tölz: 13.20 Uhr), der zweite um 15.19 Uhr (Rückfahrt: 15.35 Uhr). Weitere Haltestellen außerhalb Holzkirchens gibt es in Großhartpenning, am Abzweig Pelletsmühl und Babenberg. In Gmund hält einer der E-Busse werktäglich um 12.53 Uhr und klappert dann die Strecke zurück nach Tölz ab (Linie 9557). „Unsere Gäste sagen, im E-Bus ist es ein ruhigeres Fahren“, berichtet Bartl.

Die vier Stromer verstärken die 27 angestammten Diesel-Kollegen der RVO-Niederlassung. „Sie kamen on top drauf“, sagt Bartl. Man wolle erst mal sehen, wie der Betrieb laufe, deswegen sei vorsorglich kein Verbrenner ausrangiert worden. Ein Ausbau der kleinen E-Flotte sei noch nicht konkret geplant, „aber mittelfristig werden vermutlich ein bis zwei Busse dazukommen“, kündigt Bartl an.

Dann vielleicht verstärkt im Landkreis Miesbach? Bisher profitiert der Landkreis davon, dass die „Tölzer Flotte“ ab und an über den Tellerrand hinausfährt. „Gespräche mit Gemeinden oder dem Landkreis gab es diesbezüglich noch nicht“, sagt Bartl. Mögliche Stützpunkte könnten Holzkirchen oder Tegernsee sein. „Wir bräuchten auf jeden Fall leistungskräftige Ladestationen“, sagt Bartl.

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