Nicht mehr nur Bahnhofsradl: Wer am Holzkirchner Bahnhof für die „letzte Meile“ aufs Fahrrad umsteigen will, soll künftig auch MVG Rad nutzen können.
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Nicht mehr nur Bahnhofsradl: Wer am Holzkirchner Bahnhof für die „letzte Meile“ aufs Fahrrad umsteigen will, soll künftig auch MVG Rad nutzen können.

Entscheidung im Gemeinderat

Rückenwind für MVG Rad: Holzkirchen will das Mietrad-System einführen

Die Einführung des Mietrad-Systems MVG Rad im Nordlandkreis bekommt Rückenwind: Holzkirchen als größte Gemeinde ist dabei. Das hat der Gemeinderat am Dienstagabend beschlossen.

Holzkirchen – Otterfing und Weyarn sind dabei, Waakirchen und Warngau nicht. Nun hatte sich der Holzkirchner Gemeinderat mit der Frage befasst, ob die Marktgemeinde das Mietrad-System der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) einführen soll. Die Ergebnis der Diskussion: Mietrad ja, aber nur mit Beteiligung großer Unternehmen wie Bosch oder Hexal. Denn deren einpendelnde Mitarbeiter würden am meisten vom Bike-Sharing profitieren. Die Gemeinde will fünf Stationen mit einer Flottengröße von insgesamt rund 60 Fahrrädern abdecken.

Seit 2019 sind die Mieträder der MVG nicht nur in der Stadt, sondern auch im Landkreis München verfügbar. 21 Gemeinden nehmen teil und stellen 162 Stationen bereit. Finanziert wird die Einrichtung der Stationen dort mit 80 Prozent durch staatliche Fördermittel und je zehn Prozent durch den Landkreis und die Gemeinde. Etwaige Verluste aus dem laufenden Betrieb teilen sich Kommune und Landkreis. Auch der Landkreis Miesbach prüfte bereits, ob sich das Mietrad-System übernehmen lässt, bislang ohne Ergebnis. Nun starteten die Bürgermeister der Gemeinden im nördlichen Landkreis einen neuen Anlauf. Ein „regionales Leuchtturmprojekt“, mit dem die Strukturen des Nahverkehrs gestärkt werden sollen, wie es in der Beschlussvorlage für den Holzkirchner Gemeinderat hieß.

Für die Einführung sprächen gute Gründe, erläuterte Mobilitätsmanagerin Jana Heese: Leihräder bedeuteten mehr Radverkehr und mehr Klimaschutz. Man könnte durch das Mietsystem der MVG eine direkte Anbindung an den Nahverkehr im Großraum München schaffen und die „erste und letzte Meile“ überbrücken, also etwa den Weg zum und vom Bahnhof.

Fünf Standorte mit knapp 60 Rädern in Holzkirchen vorgesehen

Im Projekt „Sauber unterwegs in Holzkirchen“ kristallisierten sich fünf Standorte für die Radstationen heraus: an den beiden Bahnhofseingängen (25 Räder), am Rathaus (acht Räder) sowie bei den Firmen Bosch (15 Räder) und Hexal (zehn Räder). Laut Kostenschätzung müssten 156 500 Euro investiert werden. Der laufende Betrieb würde demnach 49 000 Euro an Kosten verursachen.

Die Firmen Bosch und Hexal hätten in ersten Gesprächen Interesse gezeigt, berichtete Standortförderin Eva-Maria Schmitz. Doch bloße Interessensbekundung reichte einigen Gemeinderäten nicht. Ulrike Küster (Grüne) begrüßte zwar das Mietrad-Angebot, forderte aber von den Unternehmen, sich daran zu beteiligen. Josef Sappl sen. (CSU) fragte sich gar, ob der Gemeinderat der richtige Ansprechpartner sei. Seiner Meinung nach sollten die Betriebe das Mietrad-System für pendelnde Mitarbeiter bereitstellen, dann werde das auch angenommen. Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) betonte, dass man zunächst etwas präsentieren müsste, um danach Beteiligung einzufordern. „Wenn wir als Gemeinde sagen, wir können uns das vorstellen, dann können wir mit breiterer Brust auftreten.“

Hubert Müller (FWG) fand, man komme gar nicht umhin, MVG Rad auszuprobieren, schließlich wolle man mit dem Bahnhof ja eine Mobilitätsdrehscheibe. Eine spürbare Veränderung im Kfz-Verkehr werde es dadurch allerdings auch nicht geben, prognostizierte er. Elisabeth Dasch und Kathrin Simmel (beide SPD) zeigten sich indes überzeugt vom MVG-System: „Ich finde es lobenswert, wenn es käme“, sagte Simmel. Auch für Michael Wohlschläger (CSU) schafft das System Flexibilität.

Unter dem Vorbehalt einer finanziellen Beteiligung der großen Firmen und des Landkreises und gegen Stimmen aus CSU und FWG sprach sich die Mehrheit des Gremiums dafür aus, MVG-Rad schrittweise einzuführen.

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Andreas Wolkenstein

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