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Ein Mann und sein Weißbier: Django Asül nimmt das Publikum im Oberbräu mit auf eine humoristisch-böse Reise durch die vergangenen zwölf Monate.

„Rückspiegel 2017“

Django Asül blickt auf das Jahr zurück - und jeder bekommt sein Fett weg

Was Angela Merkel mit Heidi Klum zu tun hat? Und warum die CSU Carlo Ancelotti entlassen hat? All diese Fragen beantwortete Django Asül bei seinem Jahresrückblick. Wir waren vor Ort.

Holzkirchen – Sein Rückblick hat Tradition, seit er vor sieben Jahren auf Wunsch des Bayerischen Fernsehens erstmals die Ereignisse eines Jahres als satirisches Programm zusammenfasste. Dass er damit in Holzkirchen auftritt, war neu für Django Asül, der mit seinem „Rückspiegel 2017“ schon weit im Vorfeld für ein ausverkauftes Haus im Oberbräu-Festsaal sorgte.

„Es spricht für ihren Sachverstand, dass sie hier sind“, begrüßt er die Gäste und amüsiert sich über den Vorab-Applaus, als er über die Treppe auf die Bühne kommt: „Schaffen andere das nicht?“ Eine Szene, wie sie typisch ist für diesen höchst kurzweiligen Abend, an dem der Niederbayer immer wieder Reaktionen aus dem Saal aufnimmt.

Das zu Boden fallende Glas genau in dem Moment, als Asül durch aktuelle Debatten verunsicherten Männern die Feinheiten sexueller Belästigung so erklärt, dass man einer Frau zwar Komplimente für ihre Frisur machen, ihr dabei aber keinesfalls an den Busen greifen dürfe, nimmt er augenzwinkernd als Beispiel für ein misslungenes Kompliment. Auch Handy-Bilder solle man doch lieber nachher direkt mit ihm machen. Er würde draußen auch für ein „externes Selfie“ zur Verfügung stehen, einen Trend, den er seit einem Jahr ausmache.

Als Klammer um den Abend setzt er die Zitate des „großen Philosophen Lothar Matthäus“ und geht mit „wäre, wäre, Fahrradkette“ in medias res. Dabei beginnt er den Rückblick am Berliner Flughafen, den der TÜV wegen systemischer Mängel als fertig bezeichnete. Nein, nicht im Sinne von betriebsbereit. Angela Merkel vergleicht er mit Heidi Klum und deren Modelcasting: „Sie bringt naive Männer in die CDU und macht sie zum Affen.“

Ein erster Höhepunkt des Abends ist Django Asüls Visualisierung der Jamaika-Koalition: „Horst Seehofer in Neoprenlederhose auf dem Surfbrett, Angela Merkel daneben im Bikini, Cem Özdemir im Burkini und Christian Lindner mit Schwimmflügerl.“ Bundes- und Weltpolitik geben genug Steilpässe vom ebenso rasanten Auf- wie Abstieg Martin Schultz’ über die Rolle von Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz und der Berliner Polizei beim G-20-Gipfel und Markus Söder, der persönlich Telefonkabel mit dem Hammer auf Breitband klopft, bis zu Donald Trump, der seit Angela Merkels folgenschwerem Gespräch mit der „Brigitte“ diese „politische Zeitschrift“ abonniert habe, „allerdings mehr wegen der Frisurentipps“.

Ex-Bayern-Trainer Carlo Ancelotti sieht er als Bauernopfer der CSU nach dem Wahlschock („Ein typischer CSU-Reflex Ausländer weghauen, das beruhigt.“) und den Videobeweis in der Bundesliga als probates Mittel, um Schiedsrichtern zu helfen „wie totale Deppen da zu stehen“.

Das Programm endet, wie es begonnen hat: mit dem „großen Philosophen Lothar Matthäus“. Mit einem „hätte, hätte Fahrradständer“ spielt er auf Ilse Aigners Rolle angesichts des – „nur nach einer Flasche Glyphosat möglichen Drehbuchs“ – im Franko-Western zwischen Finanzminister Söder und Innenminister Herrmann an, nimmt den letzten Zug Weißbier und bleibt gleich auf der Bühne stehen.

Wollte er sinnlos umeinander laufen, würde er Mesut Özil heißen, sagt Asül, und gibt anschließend eine launige Zugabe. Dann ist aber wirklich Schuss. Asül verlässt unter donnerndem Applaus die Bühne, um schnurstracks zum Tisch mit dem Autogrammkarten-Stapel zu marschieren, wo er noch lange im Gespräch mit Zuhörern anzutreffen ist. Heidi Siefert


Die Zuschauerkritik:

 

Christian Steeb (51) aus Wolfratshausen: „Es war toll mit einem Super-Jahresrückblick. So ein Abend, an dem man begeistert nach Hause geht. Ich bin extra aus Wolfratshausen gekommen, weil ich ein großer Django-Asül-Fan bin. Ich liebe Kabarett und finde Comedy aus dem Grund auch eher langweilig. Kabarett muss provozieren, man muss etwas zum Nachdenken haben. Das hat mir bei dem Programm sehr gut gefallen. Django Asül habe ich schon öfter live erlebt. Das ist etwas ganz anderes als im Fernsehen, auch wie er an so einem Abend auf das Publikum eingeht.“

Sabine Stienen (56) aus Holzkirchen: „Bin ich ohne bayerisches Abitur überhaupt qualifiziert, etwas zu sagen? Mir hat es gut gefallen. Django Asül hat kein Thema ausgelassen, manchmal war er sehr böse, aber trotzdem immer wieder herzlich. Der Bogen, den er gespannt hat, war groß – von Heidi Klum bis Frau Merkel. Am Anfang hatte ich den Eindruck, er hat etwas Respekt vor dem Oberbräusaal. Bisher kannte ich Django Asül nur aus dem Radio mit kurzen Episoden, jetzt war das geballt. Das muss man erst mal verdauen. Jedenfalls bin ich jetzt auf dem Laufenden, was 2017 alles passiert ist.“

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