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Schwierige Verbindung: Der Halbstunden-Takt der BOB nach Bayrischzell lässt weiter auf sich warten (hier der Bahnhof Aurach). 

BOB-Chef klärt auf - Bürgermeister sauer - Landrat lernt Neues

Runder Tisch: Wann kommt die BOB im 30-Minuten-Takt?

Landkreis – Um die Straßen zu entlasten, soll die Bayerische Oberlandbahn schlagkräftiger werden. Ein Runder Tisch in Holzkirchen zeigte dazu einen Weg auf.

Um die Straßen zu entlasten, soll die Bayerische Oberlandbahn schlagkräftiger werden. Ein Runder Tisch in Holzkirchen zeigte dazu einen Weg auf: ein Infrastruktur-Paket, das auch ohne Elektrifizierung vielversprechend klingt. Doch es sind noch allzu viele Fragen offen.

Beim Runden Tisch „Verkehr im Oberland“ in Holzkirchen klagten viele Bürgermeister aus dem Landkreis über die seit Jahren anhaltende Lähmung aller Ausbau-Bemühungen. Überraschende Erkenntnis der Runde: Die viel beschworene, aber sehr teure Elektrifizierung des BOB-Netzes würde wohl kaum eine spürbare Verbesserung bringen. Vielversprechender ist offenbar ein „kleineres“ Infrastrukturpaket. Frustriert mussten die Bürgermeister indes zur Kenntnis nehmen, dass auch hier kurzfristig keine Taten zu erwarten sind. Zumindest sollen sich die Landräte Wolfgang Rzehak (Miesbach) und Josef Niedermaier (Bad Tölz-Wolfratshausen) um Fördermittel des Freistaats bemühen.

BOB präsentiert Vier-Stufen-Plan

BOB-Geschäftsführer Fabian Amini, zuständig für Betrieb und Material, stellte der Runde einen Vier-Stufen-Plan zur Verbesserung des Schienenverkehrs im Oberland vor. In einer ersten Stufe sieht Amini die BOB in der Pflicht, Fahrzeuge, Tarife und Service nachzubessern. Ein nächster Schritt könne eine bessere Verzahnung mit dem Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) sein. Es gehe um einheitliche Tickets und bessere Busanbindungen. So sei etwa der Bahnhof Wolfratshausen viel besser mit Buslinien verzahnt, die das Umland bedienen, als dies am Holzkirchner Bahnhof der Fall ist. Anders als der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen scheut der Landkreis Miesbach bisher den mit finanziellem Aufwand verbundenen Beitritt zum MVV. „Ich würde mir dazu eine Diskussion im Landkreis Miesbach wünschen“, sagte der Tölzer Landrat Niedermaier.

Die letzten beiden Stufen des von Amini präsentierten Konzepts betreffen den technischen Ausbau des BOB-Netzes. Eine dritte Stufe sieht vor, das Diesel-Konzept mit Kuppeln und Flügeln beizubehalten, aber den 30-Minuten-Takt auszubauen, auch nach Bayrischzell. Dafür nötig seien der Ausbau der Bahnhöfe Fischbachau und Darching als Kreuzungspunkte. Zudem müssten etliche Bahnübergänge, die als Langsamfahrstellen die Züge bremsen, geschlossen werden. Dazu kommen Ertüchtigungen des Bahnhofs in Miesbach und der Stellwerk-Technik, etwa zwischen Schaftlach und Lenggries. Dieses Infrastruktur-Paket sei am besten an die nächste Ausschreibung des Oberland-Netzes zu koppeln, die für die Jahre 2025 bis 2049 greift. „Darauf kann ein neues Fahrzeug-Konzept aufsetzen“, sagte Amini, „die Integrale haben dann nämlich endgültig ausgedient.“

150 Millionen Euro für Elektrifizierung

Die Kosten für eine Voll-Elektrifizierung – Stufe vier des BOB-Konzepts – schätzt Amini grob auf rund 150 Millionen Euro. „Halte ich für zu hoch gegriffen“, wandte Heino Seeger ein, ehedem Gründungs-Geschäftsführer der BOB und aktuell Chef der Tegernsee-Bahn. Allzu viele Spielräume verspricht eine Elektrifizierung aber wohl kaum, wie eine Fahrplan-Simulation der DB Netz für den Bayrischzeller Ast ergab. Laut Amini ist demnach in Richtung Bayrischzell ein Reingewinn von 2,4 Minuten zu erwarten, in Richtung München gar nur 1,7 Minuten. „Kaum nennenswerte Fahrzeitgewinne“, findet Amini. Eine entscheidende Erkenntnis, glaubt Landrat Rzehak (Grüne). Statt auf eine teure Elektrifizierung zu setzen, gelte es, beim Infrastruktur-Paket anzuschieben. „Wir brauchen keine Elektrifizierung, um unser Ziel einer besseren Vertaktung und Anbindung zu erreichen.“

Auch die DB Netz, die der BOB die Infrastruktur zur Verfügung stellt, sieht eine Elektrifizierung nicht als zwingend erforderlich an, um den 30-Minuten-Takt auszubauen. Thomas Engel, Leiter der Regionalnetze Süd, erklärte am Runden Tisch, dass schon viel gewonnen sei, wenn man „einige Bahnübergänge schließt, die Technik aufrüstet und in Fischbachau einen Kreuzungsbahnhof hinbekommt“.

Lechner will nicht länger warten

Leider gehe da aber nichts vorwärts, schimpfte Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner. Seine Gemeinde sei bereit, fünf von neun Übergängen zu schließen und einen sechsstelligen Betrag zu investieren. „Im Gegenzug will ich aber, dass man den 30-Minuten-Takt endlich ernst nimmt und wir wissen, was wir für unsere Bemühungen bekommen.“ Bis 2025 wolle man jedenfalls nicht warten, „da müssen wir früher zu Potte kommen“.

Amini und Engel sehen dafür keine Chance. „Die Finanzierung selbst für das kleine Infrastrukturpaket ist völlig ungeklärt“, betonte Engel. Der Bund zahle hier sicher nicht, weil nur in Transit- oder Güterverkehrstrecken investiert werde. Und der Freistaat habe seine Regionalisierungsmittel in den nächsten Jahren für die Elektrifizierung des Regionalnetzes Lindau reserviert.

Tegernsee-Bahn bietet Hilfe an

Man drehe sich in einem Teufelskreis, seufzte Holzkirchens Bürgermeister und Gastgeber Olaf von Löwis. Man fühle sich verfangen im Wirrwarr der Zuständigkeiten von Bayerischer Eisenbahngesellschaft (BEG), die im Auftrag des Freistaats den Regionalverkehr in Bayern bestellt, der DB Netz als Infrastruktur-Dienstleister, der BOB als Streckenbetreiber und der Politik. „Einer schiebt’s auf den anderen“, stellte Löwis fest. Er appellierte an die beiden Landräte, das Thema BOB-Ausbau gemeinsam bei der großen Politik voranzubringen. „Wir müssen das nach ganz oben spielen“, sagte Lechner.

Dieser Empfehlung schloss sich Heino Seeger an: „Der Freistaat hat bei der Finanzierung des Schienen-Ausbaus Gestaltungs-Spielräume.“ Er könnte sich sogar vorstellen, das Infrastrukturpaket über „seine“ Tegernsee-Bahn zu organisieren. „Wir haben ganz andere Möglichkeiten. Vielleicht lässt sich eine Kooperation mit der DB Netz andenken.“ Den Frust der Bürgermeister könne er verstehen, sagte Seeger. „Aber es gibt keinen Grund, mutlos zu werden.“

avh

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