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Prosit Feierabend: Hubert Poschenrieder (l.) und Wolfgang Sappl haben mit Sappl Bräu ihre eigene, kleine Brauerei gegründet. Ihr erstes Produkt ist die „Feiramd Hoibe“, ein Helles.

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Sappl Bräu: Holzkirchen hat eine neue Brauerei

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Wolfgang Sappl (24) und Hubert Poschenrieder (25) haben mit „Sappl Bräu“ in Holzkirchen ihre eigene Brauerei gegründet. Sie wollen die Biervielfalt im Ort ankurbeln. Ein Besuch.

Holzkirchen – Sie sind biernarrsich. Und Bierbrauen ist für sie das Nonplusultra. „Es gibt Leute, die ihren Traumjob finden und sich auch in der Freizeit damit beschäftigen“, sagt Hubert Poschenrieder (25), er lacht und sucht im Sappl-Stadl Schutz vor dem Gewitter. Es donnert. Wolfgang Sappl steht neben ihm und sagt: „Brauer ist nicht mein Beruf, sondern meine Berufung.“ Bier gehöre in Bayern zu jedem Fest, zur Geselligkeit und zum Zusammenhalt, meint Poschenrieder. Nicht umsonst gelte es im Freistaat quasi als Grundnahrungsmittel. Ein bis zwei Feierabendhalbe müssen schon drin sein.

Jetzt produzieren diese beiden Burschen in Lederhosen, die schnell beim „Du“ sind, ihr eigenes Helles. Denn Sappl aus Holzkirchen und Poschenrieder aus Ohlstadt haben mit dem Sappl Bräu eine eigene Brauerei gegründet, die GbR gibt es schon.

Die beiden haben sich 2009 bei ihrer Brauer-Ausbildung im Holzkirchner Oberbräu kennengelernt. Schon damals witzelten sie: „Wir machen eines Tages unser eigenes Bier.“ Dann trafen sich die beiden erneut auf der Meisterschule. „Und jetzt samma wieder da“, sagt Sappl.

Die Vorbereitungszeit dauerte etwa ein Jahr. Ihr Bier brauen die beiden Burschen beim Wildbräu in Grafing im Kreis Ebersberg, sie mieteten sich dort ein. „Bis man das richtige Rezept hat, dauert es“, sagt Sappl. Viele Anläufe waren nötig. Zwischendrin probierten sich die beiden auch an ihren kleinen 50-Liter-Versuchsanlagen zuhause aus.

Irgendwann waren der richtige Punkt erreicht und das erste Helle kreiert. Poschenrieder nennt es so: „Ein Helles in Perfektion, wo man nach jedem Schluck sagt: Ich will mehr.“ Das Helle schmecke sehr süffig, malziger Körper und Hopfen seien schön ausbalanciert. Der erste Sud umfasst 40 Hektoliter.

Ein Helles herstellen, das sei die Königsklasse bei der Bierbrauerei, erklärt Poschenrieder. „Da schmeckt man jeden Fehler raus“, ergänzt sein Kompagnon. Schwierig sei es auch deshalb, weil es bereits viele gute Biere gebe. Schützen könne man das Rezept nicht, meint Sappl. „Aber nachbrauen ist gar nicht so leicht.“

Das erste Helle hat auch einen Spitznamen gekriegt: „Feiramd Hoibe“. Die Idee: „Wir brauen für jede Lebenslage eine Biersorte“, sagt Sappl. So planen die zwei Brauer zum Beispiel eine „Konterhoibe“ und ein „Betthupferl“. In Kürze kommt ihr Weißbier auf den Markt, die „Frühschoppen Hoibe“. Die habe einen fruchtigen Charakter, und die beiden Brauer haben dafür einen Hefe-stamm benutzt, den 95 Prozent der Produzenten nicht verwenden, sagt Poschenrieder. Das Logo war eine knifflige Sache. Man wollte das Traditionelle mit dem Pfiffigen vereinen und einigte sich auf „Sappl“ im Namen und das Wappen der Familie Poschenrieder.

Früher hätten die Fernsehbiere den Markt dominiert, sagt Sappl. Jetzt gebe es einen Trend zur Regionalität. Auf diesen Zug wollen sie aufspringen. Obwohl sie eine kleine, regionale Brauerei sind, definieren sich die Macher nicht als Craft-Bier-Produzenten. „Das sind ja meist Biere außerhalb der Norm“, meint Poschenrieder. Sie setzen eher auf traditionelle Sorten. Später sei geplant, ein paar Spezialbiere zu machen.

Mit dem Sappl Bräu wollen die Burschen die Biervielfalt in Holzkirchen wieder ankurbeln. Ende des 17. Jahrhunderts buhlten fünf Brauhäuser rund um den Marktplatz um Gäste. Heute gibt es nur noch die König Ludwig Brauerei, die 2009 die Oberbräu Holzkirchen übernahm.

Vorerst schauen die zwei, wie ihr Bier ankommt. „Das große Ziel wäre eine eigene Brauerei“, gesteht Poschenrieder, „von der man leben kann“. Mit einem Gebäude am Sappl-Stadl. Es gab mal vor Jahren die Idee seiner Familie, dort ein Gasthaus samt Brauerei und Hotel zu bauen, erinnert sich Sappl. Doch die Pläne zerschlugen sich.

Bis zum Durchbruch fängt Sappl wieder beim Oberbräu an. Poschenrieder arbeitet bei der Firma Roche in Penzberg, die In-vitro-Diagnostik betreibt. Was er da als Braumeister zu tun hat, erklärt er so: In beiden Branchen geht es um Enzyme. Die Enzyme, die man zum Bierbrauen braucht, sind natürlich seine Lieblinge.

Kleine Brauerein, die groß rauskommen wollen, sind durchaus in Mode im Landkreis. Allein in der kleinen Gemeinde Waakirchen haben sich in den letzten Jahren gleich zwei Brauereien gegründet. Das inzwischen bekannte Craft-Bier-Label Hoppe Bräu und das Brauhaus Marienstein.

Eine große Übersicht mit allen aktiven Brauereien im Landkreis gibt es hier.

Beim Biergartenfest

am Samstag, 10. Juni, wird erstmals das Sappl-Bräu-Bier ausgeschenkt. Das Fest findet am Sappl-Stadl am Rudolf-Diesel-Ring statt. Um 10 Uhr beginnt der Frühschoppen mit dem Oimrausch Duo, um 16 Uhr spielen die Sappl Bräu Musikanten auf. Der Eintritt ist frei. Die Veranstaltung findet nur bei guter Witterung statt. Eine Woche später wird die „Feiramd Hoibe“ in Geschäften in der Umgebung verkauft.

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