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Dem Jungwald hat stets das besondere Augenmerk von Forstdirektor Wolfgang Neuerburg (l.) gegolten (hier im Bild mit Abteilungsleiter Stefan Kramer). Hier hat sich viel getan: Der Wald ist deutlich artenreicher geworden. Und: Der Verbiss durch Rehe und Hirsche ist deutlich zurückgegangen. Neuerburg wird am Dienstag offiziell verabschiedet.

Der scheidende Forstdirektor Wolfgang Neuerburg im Interview

Die große Aufgabe Klimawandel

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Holzkirchen – Der Wald ist seine Domäne: Elfeinhalb Jahr war Wolfgang Neuerburg (65) Forstdirektor am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Jetzt wird er offiziell in den Ruhestand verabschiedet. 

Erinnern Sie sich an Ihre Anfänge? War der Wald ein anderer? 

Neuerburg: Die Wälder haben sich im Laufe meiner Dienstzeit deutlich verändert. Vor allem der Waldnachwuchs, aber auch ältere Wälder sind heute artenreicher wie vor 40 Jahren. In den 1980-er Jahren musste man oft noch die Fichte vor dem Verbiss durch Rehe und Hirsche schützen. Heute wachsen Laubbäume und selbst die Tanne in zahlreichen Jagdrevieren ohne Schutzmaßnahmen bei uns auf. Ich möchte ich aber betonen, dass es noch besser werden könnte und angesichts des Klimawandels auch sollte. 

Was ist eigentlich mit der Waldarbeit? Hat auch diese sich im Laufe der Zeit geändert? 

Neuerburg:    Die Waldarbeit, also die Ernte und Bringung des Holzes, hat sich durch die technische Entwicklung und Mechanisierung grundlegend gewandelt: Vollerntemaschinen, sogenannte Harvester, haben bei der Holzernte teilweise die Arbeit mit der Motorsäge verdrängt. Und dies durchaus zum Vorteil für Waldbesitzer, Waldarbeiter und Wald inklusive Waldboden. Den Bergwald kann man heute unter Zuhilfenahme mobiler Seilkrananlagen selektiv und bodenschonend pflegen. Vorausgesetzt, dass die dafür notwendige Grunderschließung mit Waldwegen besteht. 

Haben Sie den Eindruck, dass sich im öffentlichen Bewusstsein etwas getan hat? Wird der Wald heute anders wahrgenommen? 

Neuerburg: Ja, eindeutig. Die breite Öffentlichkeit nimmt heutzutage den Wald ganz anders wahr als vor dreißig Jahren. Es gibt mehr Freizeit, aber auch mehr beruflichen Stress. Dadurch gewinnt der Wald an Bedeutung für Erholung, Naturerlebnis und sportliche Betätigungen verschiedenster Art. Waldbewirtschaftung wird immer mehr als Störung empfunden. Die Digitalisierung unserer Welt löst bei manchen gleichzeitig ein Schwinden des Wissens über Natur und natürliche Prozesse aus. 

Was ist die größte Aufgabe für die kommende Generation? 

Neuerburg:  Unsere Wälder auf die bereits eingetretenen und noch bevorstehenden Klimaänderungen vorzubereiten, sehe ich mit Abstand als größte Herausforderung für unsere und auch für kommende Generationen. Waldgenerationen bemessen sich in hundert Jahren und mehr. Es muss heute schon wachsen, was in hundert Jahren bestehen soll. 

Eine persönliche Frage noch: Haben Sie denn eigentlich auch so etwas wie einen Lieblingsbaum? Und wenn ja: welchen? 

Neuerburg:  Das ist für mich jetzt gar nicht so einfach zu beantworten. Ich würde da gerne zwei Baumarten nennen: Einmal unsere Tanne: Sie ist widerstandsfähig, witterungsbeständig, vielseitig verwendbar. Eine Zukunftsbaumart im Klimawandel. Als zweites dann unsere Lärche: Die Lärche wächst unter extremen Bedingungen. Sie ist ein ästhetischer Baum: In allen Jahreszeiten, aber besonders im Herbst. Außerdem ist sie ein Gebirgsbaum, der sehr alt werden kann. 

Apropos Gebirge: Sie sind bekanntlich ja ein sehr passionierter Bergwanderer. Wird man Sie denn in Zukunft öfters oberhalb der Baumgrenze sehen? 

Neuerburg: Ich denke schon, dass ich künftig mehr Zeit habe um dorthin zu kommen. Ich bin sehr gerne in den Bergen unterwegs, ganz egal ob zu Fuß, per Ski oder mit dem Fahrrad.

Das Gespräch führte

Volker Ufertinger

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