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Regen zum Nachdenken an: Die Theatergruppe der philippinischen Jugendorganisation AKBAY will mit ihrer Inszenierung auf das Schicksal von Frauen und Kindern in ihrer Heimat aufmerksam machen.

Musicaldrama gastiert in Holzkirchen

Schwere Kost, starke Inszenierung

  • VonHeidi Siefert
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„Lasst uns zusammenstehen und die Welt verändern!“ Nachdem der Schlusssatz des Musicaldramas „Once we had a Dream“ gesprochen war, brach der Applaus im fast ausverkauften Holzkirchner Foolstheater gewaltig los. Zwei Stunden lang hatte das Publikum gebannt ein Stück verfolgt, von dem es im einleitenden Gruß hieß, man könne nicht viel Spaß wünschen aber offene Augen und offene Ohren.

Holzkirchen – Anlässlich seines 25-jährigen Bestehens hatte der Eine-Welt-Verein Holzkirchen die Theatergruppe der philippinischen Jugendorganisation AKBAY eingeladen, die im Rahmen einer Tournee durch Deutschland und Österreich ein berührendes Stück über Kinder- und Menschenrechte zeigte. Zu Beginn dieses Jahrtausends selbst geschrieben und seither in wechselnder Besetzung in der Heimat wie im Ausland aufgeführt, geht es den Jugendlichen darum, die Menschen für die Realität und Probleme im Inselstaat im Pazifik zu sensibilisieren. „Uns ist es wichtig, dass sie die Probleme der Kinder auf den Philippinen verstehen“, erklärte Daryl Jade P. Abaya (30), Psychologe, Sozialarbeiter und Theaterdirektor der Stiftung Preda, die sich für Kinder und Frauen in ihrem Heimatland und die Stärkung von Kinder- und Menschenrechten weltweit engagiert: „Ich bitte sie, helfen sie uns, diesen Kindern zu helfen.“

So schwer die Kost, so stark die Inszenierung. Mit minimalen Mitteln und ohne Kulissen erzählt das sechsköpfige Ensemble die Geschichte über Landflucht, skrupellose Investoren aus dem Ausland, korrupte Beamte, Menschenhändler, Väter, die sich an ihren Kindern vergehen, Mütter, die ihre minderjährigen Töchter ins Ausland schicken und international tätige Sex-Mafia-Clans, die den ärmsten der Armen in hoffnungslosen Lebenssituationen mit falschen Versprechungen einen Ausweg versprechen. Idyllisch beginnt das Stück mit strahlend grünen Reisterrassen im Hintergrund und sechs jungen Menschen in schlichten schwarzen Hosen und T-Shirts, die zu fröhlicher Musik von ihrem Paradies singen; von üppiger Natur, klaren Flüssen und sicheren Orten, um behütet aufzuwachsen. Doch schnell kommen die Dämonen mit grässlichen Fratzen, als die Kinder Drachen steigen lassen und ins Spiel vertieft sind. Man findet sich in der Geschichte über ein Dorf, das nach einem Dammbruch unter einer Schlammlawine versinkt. Den Ingenieur, der vor der Gefahr warnte, haben die Industriellen gefeuert, statt seine Bedenken ernst zu nehmen. Den mutig protestierenden Arbeitern treten sie mit Waffen gegenüber.

Im Stück gibt es ein Happy-End, wenn die Tatort-Kommissare Ballauf und Schenk, die nach Deutschland verschleppten Kinder befreien; sowohl eine Reminiszenz an den nach einer wahren Begebenheit gedrehten Krimi, als auch ein Dank für das seither andauernde Engagement der Schauspieler. Der Abend macht traurig und nachdenklich. Er macht aber auch Mut, wenn man die jungen Schauspieler im Alter von 15 bis 24 Jahren ihr hoffnungsvolles Schlusslied anstimmen hört. 

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