„Alles nicht ganz koscher“

Security belastet Asylbewerber - Richter nicht überzeugt

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Ein Asylbewerber aus Sierra Leone soll in der Holzkirchner Traglufthalle auf die Security losgegangen sein und saß deshalb nun vor Gericht. In der Aussage zeichnete der ein völlig anderes Bild.

Holzkirchen – Gleich zwei Mal ist ein Asylbewerber aus Sierra Leone, der inzwischen in Fischbachau lebt, in der Holzkirchner Asylunterkunft am Moarhölzl unangenehm aufgefallen. Wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und des Missbrauchs von Notrufen musste sich der 20-Jährige nun vor dem Miesbacher Amtsgericht verantworten. Weil die Beweislage für Staatsanwaltschaft und Richter Klaus-Jürgen Schmid etwas undurchsichtig war, bekam der junge Mann lediglich einen Denkzettel mit auf den Weg.

In einer Nacht im Juli des vergangenen Jahres soll der Angeklagte nach einem Handgemenge mit einem Security-Mitarbeiter nach einem faustgroßen Stein gegriffen haben – möglicherweise mit der Intention, seinen Widerpart zu verletzen. Dem war eine Auseinandersetzung am Eingang zur Halle vorausgegangen. Der Mann war bereits Stunden vorher vom Sicherheitsdienst abgewiesen worden, weil er offenbar zu tief ins Glas geschaut hatte. Zudem wurde dem Asylbewerber in dem verbundenen Verfahren zur Last gelegt, im November einen Feuerlöscher in der Traglufthalle aus der Halterung genommen und herumgeworfen zu haben.

Der Angeklagte schilderte vor Gericht seine Versionen der Vorfälle. Er habe den Feuerlöscher aus Versehen beim Spiel mit zwei Eritreern mit der Schulter berührt, woraufhin dieser zu Boden gefallen sei, übersetzte sein Dolmetscher. „Keine Absicht“, betonte er. Was die andere Angelegenheit angehe, sei er das eigentliche Opfer. Nachdem er abgewiesen worden war, habe er brav vor der Tür gewartet und eine Stunde später ein weiteres Mal um Einlass gebeten. Allein, man habe ihn erneut abgewiesen, obwohl er eigentlich nur zu Bett gehen wollte. Zu dritt seien die Sicherheitsleute schließlich auf ihn losgegangen, hätten ihn zu Boden gedrückt und sogar mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen.

Die Realität sei eine völlig andere, betonten hingegen zwei der Security-Männer, die als Zeugen geladen waren. In Sachen Feuerlöscher habe einer von ihnen sogar beobachtet, wie der Angeklagte das Rettungsgerät durch die Halle geworfen hat und es später eigenhändig wieder an seinen Bestimmungsort gebracht.

Der zweite Sicherheitsmann erinnerte sich nicht lückenlos an den Vorfall im Juli. Auf jeden Fall, so der 21-jährige Student, sei sein Kollege zunächst verbal mit dem „stark alkoholisierten und aggressiven“ Angeklagten aneinandergeraten. Schnell sei die Auseinandersetzung dann aber „körperlich“ geworden. „Er musste ihn dann zu Boden drücken und fixieren, weil der Mann um sich geschlagen hat.“ Der habe dann wiederum rücklings nach besagtem Stein gegriffen. „Für mich sah es so aus, als wollte er meinen Kollegen verletzen.“

Für Staatsanwaltschaft und Richter Schmid war die Sache jedoch nicht so eindeutig. Es gebe widersprüchliche Aussagen im Vernehmungsprotokoll der Polizei und vor Gericht. „Also, ganz koscher ist das nicht. Und die Sache mit dem Feuerlöscher ist auch nicht die Welt“, befand der Richter. Als „sinnvolle Lösung“ und einen „Denkzettel“ erachtete er einen Tag Sozialdienst für den in Freetown geborenen Sierra-Leoner, der sicher „nicht ganz unschuldig“ sei. Außerdem muss der 20-Jährige zwei Beratungsgespräche zum Umgang mit Alkohol wahrnehmen. Schmid: „Alkohol ist eh nicht sehr gesund. Es ist generell besser, nicht so viel zu trinken.“

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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