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„Wir sind tätlich angegriffen worden“: Zwischen Anwohnern in der Schönlohstraße und Autofahrern herrscht seit der Brückensperrung Krieg. Eigentlich dürfen nur Anlieger in die Spielstraße fahren. 

Eskalation zwischen Anwohnern und Autofahrern

Seit einer Brückensperrung herrscht in dieser Straße Krieg

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Sie ist eine Spielstraße und nur für Anlieger frei: Doch mit der gesperrten Rosenheimer Straße brettern täglich Autokolonnen durch die Schönlohstraße. Die Anwohner reagieren mit Bobbycars...

Holzkirchen – Seit dem Tag der Brückensperrung herrscht Krieg in der Schönlohstraße. „Wir sind von Autofahrern bedroht worden“, berichtet eine Anwohnerin. Einer habe gezischt: „Ich zünd’ Dein Haus an.“ Ihre Nachbarin erzählt: „Wir sind tätlich angegriffen worden.“ Will heißen: Fast angefahren, nachdem sie Fahrer darum baten, langsamer zu fahren. „Die verhalten sich so böse, obwohl sie um Unrecht sind.“ Um Autofahrer auszubremsen, stellten die Schönloher Kinderspielsachen an den Straßenrand: Bobbycars, Fußballtore, Räder. „Räumt Euren Krempel da weg“, meckerten die Autofahrer und kurvten im Slalom drumherum.

Ihre Namen wollen die Anwohner nicht in der Zeitung lesen: „Weil wir Angst haben.“ Schweigen wollen sie aber nicht, obwohl Gott sei Dank noch nichts passiert sei. Daher hat eine Anwohnerin einen Brief an die Gemeinde geschickt, den fast alle Nachbarn unterschrieben haben. Darin schildern sie, dass der Verkehr seit der Brückensperrung in ihrer Straße massiv zugenommen habe – und bitten um Hilfe.

Wie berichtet, ist die Brücke an der Rosenheimer Straße in Holzkirchen gesperrt, weil sie saniert wird. Die Arbeiten haben am 2. Mai begonnen und dauern voraussichtlich bis 8. September an. „Den ganzen Sommer über“, klagt eine Anwohnerin. „Es geht nicht, dass wir bis September Terror haben“, findet ihre Nachbarin. Bauherr ist das Landratsamt, das für die Rosenheimer Straße (Kreisstraße MB 4) zuständig ist. Laut der Behörde wurden an der Brücke starke Schäden festegestellt, was eine Sanierung nötig mache. Fußgänger, Radler und Autos müssen Umleitungen nutzen. Die Schönlohstraße – eine Spielstraße, die für Anlieger beschränkt ist – gehört da eigentlich nicht dazu.

Doch laut Aussagen der Anwohner hat der Verkehr seit der Sperrung massiv zugenommen, besonders viele Autos brettern während der Stoßzeiten durch. Von 6 bis 8.30 Uhr, mittags, dann wieder ab 16 Uhr. „Ein Fenster offen lassen, geht gar nicht“, meint eine Betroffene. Mehr noch: „In Schrittgeschwindigkeit fährt da keiner durch.“ Dabei würden viele Familien mit Kindern dort wohnen. Was sie am meisten schockiert: „Oft haben die Leute selber Kinder hinten drin sitzen.“ Nicht nur Einheimische würden den Schleichweg nutzen. Auch Autos mit Rosenheimer und Tölzer Kennzeichen.

In ihrem Brief ans Rathaus baten die Anwohner darum, die Straße zu sperren. Laut Ordnungsamt geht das aber nicht. Bürgermeister Olaf Löwis erklärt, dass die Gemeinde Bodenwellen für die Schönlohstraße bestellt hat. Die Gemeinde selbst könne keine Blitzgeräte aufstellen, der Zweckverband Kommunale Verkehrsüberwachung habe im Moment keine verfügbar. Beschwerden von Anwohnern aus anderen Straßen sind bislang nicht bei ihm angekommen. „Die Gemeinde ist kooperativ“, lobt die Anwohnerin, die den Brief initiiert hat. Aber: „Ich bin enttäuscht von der Polizei.“ Die seien zwar sehr freundlich gewesen, aber passiert sei bislang nicht viel.

Ernst Größwang, Verkehrsexperte der Polizei, widerspricht. „Wir waren da mehrfach draußen“, sagt er. „Ich habe heute eine Stunde lang Fahrzeuge kontrolliert.“ In der Zeit seien 14 Autos durchgefahren, sechs davon waren Anlieger. Der Rest musste umdrehen. Die Zahlen hält er für moderat. Eine Verwarnung sprach er nicht aus. Er habe gehört, dass die Kommunale Verkehrsüberwachung bald Geschwindigkeitsmessungen durchführt. Dass die Anwohner Spielzeug auf die Straße räumen, missfällt ihm. „Es dürfen keine Hindernisse geschaffen werden.“

Die Schönloher hoffen, dass es durch die Maßnahmen besser wird. Die Bodenwellen seien dennoch nur „ein Tropfen auf dem heißen Stein“, meint eine Anwohnerin. Ihre Befürchtung: Dann bremsen die Leute ab und beschleunigen wieder, was Lärm produziert.

mar

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