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Spot an für Schall und Rauch: Die Naturwissenschafts-Show der Physikanten in der Aula des staatlichen Gymnasiums in Holzkirchen lockte 500 Zuschauer an – und die machten bei den Experimenten auch mit.

Leuchtende Essiggurke, piepsende Stimme

Show mit Knalleffekt: Physikanten beeindrucken Gymnasium Holzkirchen

Show statt Unterricht: Eine Physikstunde mit Knalleffekt haben die 500 Zuschauer der Physikanten im Holzkirchner Gymnasium erlebt. Langweilig wurde ihnen nicht.

Holzkirchen – Ein Feuerwehrauto vor dem Schultor, in der Aula Metallfässer, Gasflaschen und allerlei technisches Zubehör: Schon allen das ließ auf Action schließen. Einen Tag lang hatte das Holzkirchner Gymnasium die Physikanten zu Gast, die mit einer amüsanten Show ein für viele dröges Thema extrem unterhaltsam auf die Bühne brachten. Nachdem die Gymnasiasten am Vormittag in zwei Durchgängen die etwas andere Physikstunde erleben durften, gab es am Abend eine dritte Show fürs Publikum. 500 Neugierige erlebten in der ausverkauften Veranstaltung einen kurzweiligen Abend mit allerlei Knalleffekten.

Nachdem zuletzt die Wirtschaft oft im Mittelpunkt gestanden habe, habe man gern den Hinweis aufgegriffen, die Naturwissenschaften nicht so stiefmütterlich zu behandeln, schickte Fördervereins-Vorsitzender Thomas Jakob voraus und zitierte: „Chemie ist das, was knallt und stinkt, Physik ist das, was nie gelingt.“ Zumindest ein kleines bisschen sollte sich dieser Spruch aus Jakobs Schülertagen bewahrheiten, was durchaus für Erheiterung bei den Zuschauern sorgte.

Mit Humor nahm’s der leidtragende Arvid, der eine ordentliche Dusche über sich ergehen lassen musste, als ein Luftballon nicht, wie geplant, das Wasser in einem umgedrehten Gefäß zurückhalten konnte. Oder war das nur so etwas wie die Rache der Physik, weil Arvid als Helfer auf der Bühne zuvor ganz frech das Glas vom Bierdeckel gezogen, und so den Physikanten Herrn Volker geduscht hatte? In jedem Fall war es ein mustergültiges Beispiel, wie amüsant sich der Abend gestaltete.

Vor vielen Jahren von zwei jungen Physikern gegründet, die ihrer Disziplin durch die geeigneten Showeffekte aus dem Schattendasein helfen wollten, tourt das Ensemble, das unter anderem bei „Galileo“ oder „Frag doch mal die Maus“ physikalische Ereignisse spektakulär darstellt und anschaulich erklärt, durch alle Welt. In Holzkirchen in der Kombination Professor Dr. Olga Borova – im echten Leben Schauspielerin und Entertainerin Beate Bohr, die durch den Uronkel, Nobelpreisträger Nils Bohr die Naturwissenschaft gewissermaßen im Blut hat – und Volker Büdts alias Herr Volker, der nach dem Bekunden der gestrengen Russin vor ihren Versuchen ein Kosakenpony gewesen sei.

So springt er im geblümten Anzug über die Bühne und spielt den lässigen Gegenpart zur ernsten Wissenschaftlerin. Immer wieder schweift er ab, wird zum „incredible Volki B.“ und appelliert: „Lassen Sie uns das schnöde Gebiet der Physik verlassen, treten wir ein ins Reich der Magie.“ Und immer wieder kommt die Frau Professor – oder wahlweise ein Kind aus dem Publikum – auf eine mehr oder weniger simple physikalische Erklärung.

Da wird aus schmutziger Brühe, „in Schülerkreisen auch Cola genannt“, schlagartig puddingähnliche Masse, wenn sie auf das aus Babywindeln bekannte „Superabsorberpulver trifft, das mit seinen langen Molekülketten keine Flüssigkeit mehr raus lässt“. Umgekehrt zersetzt Nagellackentferner in Sekundenschnelle einen beachtlichen Styroporstab, und eine Essiggurke beginnt innerhalb eines Stromkreises zu leuchten. Mal wabert flüssiger Stickstoff über die Bühne, mal werden Stimmen durch Helium piepsig hoch oder durch Schwefelhexalfluorid dumpf und verzerrt, weil sich durch die Gase die Schallwellen im Rachen entweder sehr schnell oder ganz langsam ausbreiten. Wenn ein Laserstrahl eine E-Gitarre zum Klingen bringt, sich ein Metallfass scheinbar mühelos verbeult und sich die beiden Physikanten am Beispiel von Zündkerzen ein musikalisches Battle liefern, bekommt mancher im Saal doch das Gefühl, dass Physik eigentlich ganz spannend sein kann.

Von Heidi Siefert

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