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Wenigstens ein Stück Normalität: Junge Ukrainer bekommen Unterricht in Gymnasium

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Von: Andreas Höger

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Zur Schulfamilie gehören jetzt auch diese beiden ukrainischen Jugendlichen. Hier tauschen sie sich gerade mit Lehrerin Eva Rendle aus.
Zur Schulfamilie gehören jetzt auch diese beiden ukrainischen Jugendlichen. Hier tauschen sie sich gerade mit Lehrerin Eva Rendle aus. © Thomas Plettenberg

Es ist der Versuch, ein Stück Normalität in ein Leben zurückzuholen, das aus den Fugen geraten ist. Und das auf ein fremdes Land angewiesen ist, in dem eine fremde Sprache gesprochen wird. Im Staatlichen Gymnasium Holzkirchen startete am 23. Mai eine „Willkommensgruppe“ für ukrainische Schüler.

Holzkirchen – Wie schon in der Grundschule Otterfing und in der Oberland-Realschule Holzkirchen sollen ukrainische Kinder im Holzkirchner Gymnasium wieder „reguläre“ Unterrichtsstrukturen erleben. Drei Kinder sind es zu Beginn der „Willkommensgruppe“, erklärte stellvertretender Schulleiter Ernst Hollweck auf Anfrage, „ausgelegt ist die Gruppe auf bis zu 20 Kinder“.

Das Schulamt in Miesbach, obwohl nicht zuständig für weiterführende Schulen, tritt hier als Kooperationspartner auf, sammelt die Bewerbungen der ukrainischen Familien und weist die Kinder den Schulen zu. „Unser Angebot ist schulart-übergreifend“, sagt Hollweck. Gedacht ist die Gruppe für Schüler der fünften  bis elften Klasse, sie sind zehn bis 17 Jahre alt.

Aus dem Kollegium meldeten sich etwa zehn Lehrkräfte, die ehrenamtlich das Projekt unterstützen. Hauptsächlich betreut wird die Gruppe von drei ebenfalls geflüchteten ukrainischen Lehrerinnen, die dafür auch vergütet werden. „Der Unterricht findet auf Ukrainisch statt“, sagt Hollweck. Die Kinder selber sprechen noch kaum Deutsch, nur etwas Englisch. Die Lehrerinnen absolvieren aktuell Deutschkurse. „Wir probieren, etwas Deutsch zu vermitteln“, sagt der stellvertretende Schulleiter, der seit Februar als ständiger Vertreter von Axel Kisters fungiert. „Wir tasten uns langsam ran.“

Ukrainer besuchen auch Unterricht der deutschen Schüler

Während der ersten beiden Schulstunden bleibt die Gruppe unter sich, dann verbringen die Kinder zwei Unterrichtseinheiten in Regelklassen des Gymnasiums. „So sehen sie, wie Unterricht bei uns abläuft“, sagt Hollweck. Idealerweise lernen die Ukrainer hier schnell wichtige Begriffe, die sie im Alltag brauchen. „Und natürlich wollen wir, dass sich die Kinder kennenlernen und vielleicht Freundschaft schließen“, hofft Hollweck.

Vorläufig sind erst drei Kinder gemeldet; sie sind elf, 15 und 16 Jahre alt, zwei Mädchen und ein Bub. „Vor drei Wochen hat’s noch anders ausgeschaut“, sagt Hollweck. Doch die Fluktuation ist hoch. Viele Ukrainer ziehen in andere Landkreise um, weil sie dort Arbeit oder Wohnung gefunden haben – oder kehren in die Heimat zurück. „Mittelfristig gehen wir davon aus, dass sich die Gruppe langsam füllt“, sagt Hollweck. Nach den Fluchterfahrungen sollen die Kinder auch in den Schulen ihres Gastlandes Sicherheit spüren und durch neue Erfahrungen etwas abgelenkt werden von der Situation in ihrer Heimat.

Die „Willkommensgruppe“ läuft vorerst bis zum Beginn der Sommerferien. Räumlich ist derzeit Platz, weil die Abiturienten ihre Klassenzimmer geräumt haben. „Wie es im neuen Schuljahr weitergeht, werden wir sehen“, sagt Hollweck.

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