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Johann Brandhuber (r.), Holzkirchner Polizei-Chef, stellt den Sicherheitsbericht vor.

Sicherheitsbericht 2017: Holzkirchner Polizei zwischen Sorge und Erleichterung

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Mehr Einbrüche und Unfälle, dafür weniger Drogen-Delikte und kein einziger Verkehrstoter: Die Polizeiinspektion Holzkirchen hat den Sicherheitsbericht für 2017 vorgelegt. Enthalten ist in der Statistik die ein oder andere Zahl zwischen kurios und alarmierend.

Holzkirchen – Johann Brandhuber steht eine arbeitsintensive Zeit bevor. Das lehrt den Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Holzkirchen die Erfahrung. Das Frühlingsfest, das vom 9. bis 14. Mai in der Marktgemeinde stattfindet, ist für ihn und sein Team immer mit „sehr betriebsamen Wochen“ verbunden, sagt Brandhuber. Die Mischung aus viel Bier, aufgeschaukelter Stimmung und leicht erhitzbaren Gemütern ist eine gefährliche. Aber keine allzu ungewöhnliche. „Leider“, seufzt Brandhuber.

Denn Konflikte mit einem Faustschlag zu beenden, ist offenbar keine Seltenheit mehr. Die Hemmschwelle sinkt, gerade mit genug Alkohol als Katalysator. „Immer öfter nehmen sich die Leute handgreiflich ihr vermeintliches Recht“, sagt der Inspektionsleiter. Ein Blick in den Sicherheitsbericht für 2017 unterstreicht diese Aussage. Neben 142 Sachbeschädigungen erfasst das Zahlenwerk 262 sogenannte Rohheitsdelikte in der Kategorie Gewalt gegen Sachen oder Personen. Im Jahr 2016 waren es noch 219 Vorfälle. „Das“, sagt Brandhuber, „muss man mit Sorge sehen.“

Dennoch stimmt ihn der Sicherheitsbericht grundsätzlich zufrieden. Insgesamt verzeichnete die Dienststelle an der Industriestraße in den fünf Kommunen, für die sie zuständig ist, einen Rückgang der Straftaten auf 1566 Delikte, was einem Minus von 11,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Die Aufklärungsquote stieg dabei auf 63,2 Prozent (2016: 57,2 Prozent). Bayernweit werden rund 66,8 Prozent der Straftaten aufgeklärt.

Einen „bemerkenswerten Rückgang“ gab es demnach bei den Betäubungsmittel-Delikten von 198 im Jahr 2016 auf 131. Allein 90 davon registrierten die Beamten im Gemeindegebiet Holzkirchen, der einwohnerstärksten Kommune im Kreis. Wobei das, so Brandhuber, auch „infrastrukturell geschuldet“ sei.

Denn seine Inspektion hat ob ihrer Zuständigkeit mit Gegebenheiten zu kämpfen, die die Zahl der Straftaten allgemein in die Höhe treiben. Mit Weyarn, Valley und Holzkirchen liegen drei Kommunen an der Autobahn, Letztere hat noch dazu einen Bahnhof, den fünf Linien ansteuern. Viel Durchgangsverkehr, viel Touristen, und jeder Vorfall, der in der Region passiert, schlägt sich in der Holzkirchner Statistik nieder.

Dort verzeichnet sind auch 874 Unfälle und damit 13 Prozent mehr als noch 2016. Eine Steigerung, die sich Brandhuber nicht erklären kann, wo die durchschnittliche Steigung innerhalb des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd doch bei nur 4,7 Prozent liegt. „Da sind wir stärker belastet“, sagt Brandhuber, „warum, kann ich momentan nicht sagen.“

Aufschlüsseln lassen sich die Unfallzahlen in 153 Unfälle mit Personenschaden, 301 schwerere Unfälle durch Geschwindigkeitsübertretungen oder Vorfahrtsvergehen sowie 420 kleine „Park-Rempler“, wie sie Brandhuber nennt, und drei Schulweg-Unfälle. Schwerer verletzt wurden bei den Unfällen 2017 32 Menschen. Die gute Nachricht: Kein Verkehrsteilnehmer wurde getötet. Der Gesamtsachschaden im Vorjahr belief sich auf exakt 2,12 Millionen Euro.

Rückläufig sind derweil die Delikte in der Kategorie Straßenkriminalität, sprich Körperverletzungen oder Sachbeschädigungen im öffentlichen Raum. Die Zahl senkte sich von 246 Vorfällen 2016 auf 173. Ebenso wie die Zahl der Diebstähle (153).

Einen alarmierenden Anstieg (130 Prozent) verzeichnete die Dienststelle bei den Wohnungseinbrüchen. 21 Mal stiegen Täter in Häuser und Wohnungen ein oder versuchten es zumindest. Dazu sei gesagt: 2016 beliefen sich die Einbruchsdelikte auf nur neun Fälle. „Wir kommen also von einem sehr niedrigen Niveau“, relativiert Brandhuber. Die Chancen, die Täter zu ermitteln, seien derweil nicht groß. Das liege daran, dass diese meist nicht aus der Region kommen, sondern dass es sich dabei um bundesweit, wenn nicht europaweit agierende Einbrecher-Banden handle.

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