+
„Ehrenamt verstärkt Integration“: (v.l.) Thomas Nowak, Ute Haury, Abdulkerim Al-Hassabu von der Bürgerstiftung Holzkirchen mit Staatssekretär Johannes Hintersberger und Gudrun Rügemer vom bayerischen Arbeits- und Sozialministerium beim Auftakt des Projekts EVI.

Neues Pilotprojekt in Holzkirchen

So sollen es die Flüchtlinge in den Trachtenverein schaffen

Wer aktiv am Gemeindeleben teilnimmt, integriert sich leichter in die Gesellschaft vor Ort. Ein Projekt will nun Vereine mit Flüchtlingen zusammenbringen.

Holzkirchen – Die Bürgerstiftung Holzkirchen hat ein neues Projekt für die Marktgemeinde an Land gezogen: EVI steht für „Ehrenamt verstärkt Integration“ und soll vor allem Asylbewerbern und Flüchtlingen helfen, sich über Vereine besser zu integrieren. Die Leitung teilen sich Thomas Nowak (56) und Abdulkerim Al-Hassabu (27). Der Startschuss für das Projekt, das von der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligen-Agenturen (Lagfa Bayern) gefördert wird, fiel Anfang April.

Al-Hassabu weiß, wovon er spricht: Er selbst kam vor rund zwei Jahren als Flüchtling aus Eritrea nach Deutschland. Er suchte sich rasch einen Sportverein, um Fußball zu spielen. Mittlerweile ist er ehrenamtlicher Co-Trainer der Fußballjugend der SF Föching. „Sport ist wie eine Sprache. Wer aktiv ist, wird schneller integriert, man kann sich gut kennenlernen“, sagt Al-Hassabu. Der eritreische Flüchtling ist selbst ein Musterbeispiel für gelungene Integration. Er wohnt bei deutschen Freunden in Holzkirchen und ist neben seinem Ehrenamt bei den SF auch Jugendleiter im Holzkirchner Jugendzentrum JuZ.

Nun leitet er mit Nowak das EVI-Projekt. Zusammen befragen sie Asylbewerber nach Freizeit-Vorlieben, sprechen mit Vereinen und Paten. Ihr Ziel ist es, interessierte Flüchtlinge in Vereinen unterzubringen. Immerhin gibt es im Gemeindegebiet rund 120 Vereine. „Wir wissen bereits, dass die meisten der rund 90 Asylbewerber in der Marktgemeinde gerne mehr Sport machen würden“, erklärt Al-Hassabu. Dabei steht Fußball an erster Stelle. Viele wünschen sich aber auch einen Schwimmkurs oder einen Platz im Basketball-, Fitness- oder Radsport-Training. Dabei, da sind sich Nowak und Al-Hassabu einig, sei es eine Win-Win-Situation, denn gerade manchem Traditions-Verein gehe der Nachwuchs aus. Denkbar sei auch, dass etwa eine Volleyball-Gruppe aus Asylbewerbern in einen Sportverein integriert werde. „So könnten die jetzigen Spieler mit Deutschen und Volleyballern anderer Nationen zusammen trainieren“, hofft der 27-jährige Eritreer. Er kann sich auch vorstellen, dass Sportarten wie Kricket, das in Pakistan und Afghanistan sehr populär ist, in Zukunft Einzug ins hiesige Vereinsleben halten könnten. „Es wäre doch interessant, wenn solche interkulturellen Impulse das Vereinsleben beleben“, meint auch Nowak.

EVI möchte auch die Initiative der Flüchtlinge fördern. „Wir erwarten auch einen gewissen Einsatz von den Asylbewerbern. Wir ebnen den Weg in das Vereinsleben, integrieren und organisieren müssen sie sich dann selbst. Aber da sehe ich keine Probleme“, meint Nowak. Begleitet wird das Projekt von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität, die eine Studie zum Thema anfertigt.

Kontakt

können interessierte Vereine per E-Mail an hassabu@bs-hoki.de oder nowak@bs-hoki.de aufnehmen. Auch Spenden für das Projekt sind willkommen.

Kathrin Suda

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Heftiger Streit zwischen Asylbewerberinnen landet vor Gericht
Im Streit um eine Kochstelle in einer Gemeinschaftsunterkunft in Otterfing sind offenbar zwei Asylbewerberinnen heftig aneinandergeraten. Vor Gericht blieb schleierhaft, …
Heftiger Streit zwischen Asylbewerberinnen landet vor Gericht
Managerin entlastet Pfarrer
Die vier katholischen Kitas in Holzkirchen, Otterfing, Warngau und Wall haben eine gemeinsame Verwaltung bekommen. Die Managerin des Verbunds wird im Oktober ihr Büro …
Managerin entlastet Pfarrer
Namensproblem bei AfD-Kandidat: Stimmzettel bleiben gültig
Liegt im Fall um den Namen des AfD-Kandidaten Constantin Prinz von Anhalt ein strafbares Verhalten vor? Vermutlich noch vor der Bundestagswahl soll das geklärt sein. Bis …
Namensproblem bei AfD-Kandidat: Stimmzettel bleiben gültig
Unbekannter reißt Dachrinne ab 
Wo rohe Kräfte sinnlos walten: Ein Unbekannter riss am Holzkirchner Bahnhof in der Nacht zu Mittwoch die Dachrinne eines Buswartehäuschens ab.
Unbekannter reißt Dachrinne ab 

Kommentare