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Leer gefegt ist momentan der Bohrplatz in der Alten Au.

Die letzten zehn Jahre war das richtig viel

So teuer kommt den Holzkirchnern die Geothermie

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Die Geothermie kommt die Gemeinde teuer zu stehen: Das geht aus dem Haushalt 2017 hervor. Trotzdem ist in der Kasse noch Platz für andere Projekte.

Holzkirchen – Im März schlug die freudige Nachricht ein: Das Geothermieprojekt ist erfolgreich, die Energieausbeute besser als gedacht. Deswegen kann das Kraftwerk größer dimensioniert werden – was dazu führt, dass auf die Gemeinde höhere Ausgaben zukommen.

Diese Kosten lagen dem Gemeinderat nun in seiner Sitzung schwarz auf weiß vor, als es um den Haushalt 2017 ging. Laut Kämmerer Dominik Wendlinger ist die Geothermie auf zwei Jahre verteilt der größte Ausgabeposten. Für 2017 sind 2,85 Millionen Euro eingestellt, für 2018 weitere 2,83 Millionen Euro als Darlehen und 2,83 Millionen Euro als Kapitaleinlage. Insgesamt also rund 8,5 Millionen Euro. Zusammen mit der ursprünglichen Anschubfinanzierung (11 Millionen) müsse die Gemeinde am Ende rund 20 Millionen Euro für das Geothermieprojekt bezahlen, erinnerte Birgit Eibl (FWG). 

Die Ausgaben seien damit höher als vorgesehen. „Es gefällt mir nicht, dass diese Mehrkosten durch den Verkauf von gemeindlichen Grundstücken getragen werden.“ Wendlinger meinte: „Es gibt bessere, nachhaltigere Haushalte.“ Aber: „Wir leben über unseren Haushalt aufgrund der Vielfalt der Aufgaben.“ Die Grundstücksverkäufe erzeugten einen Gegenwert. Wolfgang Buntz-Jennerwein (FWG) missfiel es, dass die Erlöse für den Verkauf der Grundstücke im Bereich Maitz-Inselkam (gesamt 4,8 Millionen Euro) aufgeführt sind, obwohl ein Normenkontrollverfahren ausstehe (wir berichteten). Aus Wendlingers Sicht ist das aber möglich.

Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) verteidigte die Geothermie: Nach zehn Jahren Planung habe sich ein Erfolg eingestellt. „Mit der Entscheidung pro Geothermie haben wir eine Priorität gesetzt“, sagte er. „Uns war bewusst, dass wir den Gürtel enger schnallen müssen.“ Trotzdem werde der Haushalt von dem Projekt nicht spürbar beeinträchtigt. „Die Geothermie ist eine Investition, die sich auszahlen wird.“ Elisabeth Dasch (SPD), die einst gegen die Geothermie gestimmt hatte, meinte: „Ich hätte mir nie zu träumen gewagt, dass es trotzdem so viele Projekte in den Haushalt schaffen.“ Christoph Schmid (CSU) nannte den Haushalt „ein solides Machwerk, das neben den Pflichtaufgaben Spielraum für Investitionen lässt.“

Tatsächlich stehen einige wichtige Projekte im Investitionsprogramm drin. Für die Planung der Sanierung der Mittelschule sind 2017 250 000 Euro eingestellt. Die Bauausführung startet laut Wendlinger im Jahr drauf, 2018 sind 1,8 Millionen Euro vorgemerkt, 2019 2,9 Millionen Euro, 2020 3 Millionen Euro. Die Planung zur Rathauserweiterung lässt sich die Gemeinde heuer 5400 Euro kosten, hinzu kommen 10 000 Euro für Elektroladestationen. Richtig teuer wird es die kommenden Jahre: 2018 sind 200 000 Euro für den Rathausanbau geplant, 2019 2,5 Millionen Euro und 2020 2,6 Millionen Euro. Ebenfalls in der Planungsphase steckt der neue Bauhof, für den 200 000 Euro bereit gestellt werden. 2018 ist Baubeginn, bis 2020 sind dann 2,7 Millionen einkalkuliert.

Heuer losgehen soll der Bau der beiden Mehrfamilienhäuser, die die Gemeinde in Neuerlkam errichtet. Heuer sind 585 000 Euro reserviert. 2018 fallen 2,6 Millionen Euro an. Wichtig: Die geplante Kreditaufnahme (2,09 Millionen Euro) im Haushalt 2017 dient diesem Neubauprojekt. Die Erweiterung des neuen Friedhofs – die eventuell 2017 startet – schlägt heuer mit 127 200 Euro zu Buche, 1,3 Millionen Euro fallen 2018 an, vor allem für die Aussegnungshalle, 2019 705 000 Euro. Für Sofortmaßnahmen im Mobilitätskonzept steht heuer ein Budget von 200 000 Euro zur Verfügung. Für Straßenbeleuchtung im Mobilitätskonzept gibt es 25 000 Euro.

Löwis sprach von „einem gelungenen Haushalt“. Die Mehrheit stimmte für den Entwurf, Eibl und Buntz-Jennerwein dagegen.

Holzkirchens Haushalt 2017: Die wichtigsten Eckdaten

Verwaltungshaushalt 39, 92 Millionen Euro; Vermögenshaushalt 11, 88 Millionen Euro;

Der Höchstbetrag der Kassenkredite: 4 Millionen Euro.

Wichtigste Einnahmen: Gewerbesteuer 11 Millionen Euro; Einkommenssteuerbeteiligung 12,65 Millionen Euro; Umsatzsteuerbeteiligung 1,5 Millionen Euro; Grundsteuer A 61 600 Euro; Grundsteuer B 2,1 Millionen Euro; Hundesteuer 32 500 Euro.

Wichtigste Ausgaben: Kreisumlage 12,9 Millionen Euro; Personalausgaben 8,5 Millionen Euro; Sachaufwand 5,6 Millionen Euro; Gewerbesteuerumlage 2,5 Millionen Euro;

Kosten gemeindliche Einrichtungen: Schulen 1, 4 Millionen Euro (plus Schülerbeförderung 300 500 Euro und Schulverband 671 200 Euro); Kindertagesstätten 7,72 Millionen Euro; Feuerwehren 739 600 Euro; Bücherei 182 400 Euro; Gemeindestraßen 1,16 Millionen Euro; Straßenbeleuchtung 1,35 Millionen Euro; Bauhof/Fuhrpark 2,5 Millionen Euro.

Wirtschaftliche Einrichtungen: Geothermie Einlage 2,85 Millionen Euro; Gemeindewerke Einnahmen (Konzessionsabgabe) 590 000 Euro, Ausgaben Eisstadion 200 000 Euro, Ortsbus 130 000 Euro; Frischeküche Ausgaben 150 000 Euro; Kultur- und Bürgerhaus Ausgaben 507 000 Euro;

Zuführung zum Vermögenshaushalt: 721 800 Euro; Rücklagen: Stand Anfang 2017 7,75 Millionen Euro, bis Ende des Jahres 5 Millionen Euro (Entnahme 3,25 Millionen Euro, Zuführung 500 000 Euro); Schulden: Stand Anfang 2017 13,32 Millionen Euro, bis Ende des Jahres 14,45 Millionen Euro (Tilgung gesamt 965 500 Euro), Kreditaufnahme 2,09 Millionen Euro.

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