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Bunt gemischt: Der Verein setzt sich für kulturelle Vielfalt und Kommunikation in Holzkirchen ein.

„Wir wollen auf Augenhöhe arbeiten.“

So will ein Holzkirchner Verein Vorurteile gegenüber Flüchtlingen abbauen

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Seit Oktober engagiert sich der Verein Bunt für Migranten und Flüchtlinge. Die Ehrenamtlichen wollen Ängste nehmen, sowohl bei Alteingesessenen als auch bei Zugezogenen aus anderen Nationen.

Holzkirchen – Eines stellt Maria Korell von vornherein klar. „Wir wollen nicht die Deutschen sein, die den Ausländern helfen“, sagt die Vorsitzende des Vereins, der sich Bunt nennt, beim Pressegespräch in Holzkirchen. „Wir wollen auf Augenhöhe arbeiten.“ Dieser Grundgedanke beschreibt gut, welchen Ansatz die Ehrenamtlichen verfolgen. Dieser fußt auf einem Miteinander, bei dem beide Parteien eingebunden sind. Der Verein will Migranten und Flüchtlingen bei Bedarf zur Seite stehen, sodass diese ihren Alltag „selbstbestimmt“ bewältigen können. Diese wiederum sollen sich im Verein mit Ideen einbringen.

Die derzeit neun Mitglieder verstehen sich als Ansprechpartner, nicht so sehr als Nothelfer. Dass das Angebot auf offene Ohren stößt, wissen sie aus ihrer täglichen Arbeit. Korell sowie Uschi Urban und Monika Kamplung sitzen im Vorstand und arbeiten allesamt in der örtlichen Kinderbetreuung. „Wir wissen um die Sorgen, Probleme und Nöte von ausländischen Familien“, sagt Korell. In einer Gemeinde mit etwa zehn Prozent Ausländeranteil sei der Bedarf definitiv da. Vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass viele nur „oberflächlich integriert“ seien, wie Korell sagt: „Wenn ich nach 20 Jahren die Sprache nicht spreche, bin ich nicht gut integriert.“

Genau hier will der Verein ansetzen. Und zwar schon bei den Jüngsten. Denn Integration setzt die Fähigkeit der Kommunikation voraus. Die Kinder würden im Kindergarten oder in der Schule zwar deutsch lernen, zuhause aber überwiegend ihre Muttersprache sprechen. Mit sogenannten Lesepatenschaften möchte Bunt die Kleinen dabei unterstützen, die deutsche Sprache zu vertiefen und den Wortschatz zu erweitern.

Während die Lesepatenschaften und die Unterstützung von Flüchtlingen etwa bei der Wohnungs- und Arbeitssuche zwei Pfeiler sind, fußt der eigentliche Vereinsgedanke auf einem viel tragenderen Fundament: der Austausch zwischen den Kulturen, das Sich-Kennenlernern. Nur so, erklärt Korell, könne man Ängste abbauen. Gerade im Umgang mit Flüchtlingen sei das unabdingbar. Denn auch umgekehrt bestünden Ängste, sagt Kamplung: „Viele sprechen gut deutsch, trauen sich aber nicht, Leute anzusprechen.“

Damit Alteingesessene und Zugezogene aus anderen Nationen Kontakte knüpfen können, will Bunt alle zwei, drei Monate einen Stammtisch veranstalten, den ersten im Januar. „Erst durch den Austausch merkt man, dass Vorurteile nicht berechtigt sind“, sagt Korell. „Den wahren Wert eines Menschen kennenzulernen, das funktioniert nur durch Kommunikation.“

Dass das Miteinander der Kulturen nicht von heute auf morgen reibungslos funktioniert, sei klar, sagt Zweite Vorsitzende Antonia Thamm: „Das passiert Schritt für Schritt.“ Einen ersten Etappensieg feierte der Verein beim Nachbarschaftsfest an der Asylbewerberunterkunft an der Rosenheimer Straße. Während zu Beginn noch je ein Tisch mit Flüchtlingen und einer mit Anwohnern besetzt war, hätten sich die Gruppen bald bunt durchmischt, erzählt Kamplung: „Es ist eine Entwicklung.“ Und in diesem Fall vielleicht ja sogar ein Bild mit Symbolcharakter.

Bunt e.V.

Der Verein zählt aktuell neun aktive Mitglieder und zwei Fördermitglieder. Wer sich auch bei Bunt engagieren möchte, kann Kontakt aufnehmen unter bunt.ev@outlook.com.

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