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Interessieren sich Schüler eigentlich für politische Themen? Das Klischee sagt nein, die Realität sieht anders aus.

Nachgefragt bei einer Sozialkundelehrerin aus Holzkirchen

Langweilig und uncool? Das Politik-Interesse im Klassenzimmer

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Die Bundestagswahl rückt näher. Interessiert das die Schüler eigentlich? Oder steht Politik in der Schule auf dem Abstellgleis? Wir haben eine Sozialkundelehrerin gefragt. Was sie sagt, hat mit Klischees nichts zu tun.

Holzkirchen - Politik: trocken, langweilig und uncool? Klischees über die angebliche Unlust junger Leute, sich mit gesellschaftlichen Themen auseinanderzusetzen, gibt es viele. Im Interview verrät Claudia Untereichmeier (30), Sozialkundelehrerin am Staatlichen Gymnasium Holzkirchen, ob da tatsächlich etwas dran ist.

Frau Untereichmeier, wie schwer ist es heutzutage, Schüler für Politik zu begeistern?

Untereichmeier: Das geht eigentlich ganz leicht, denn sie bringen schon von sich aus ein großes Interesse mit. Ich bin froh, dass wir am Gymnasium Holzkirchen Sozialkunde im Wirtschaftszweig schon ab der neunten Klasse anbieten können. In diesem Alter entwickeln die jungen Leute ihre Normen und Wertvorstellungen. Und da gehören nicht nur Dinge wie Umweltbewusstsein dazu, sondern auch die politische Einstellung.

Politikverdrossenheit im Klassenzimmer kennen Sie also nicht?

Untereichmeier: Ganz und gar nicht. Im Gegenteil: Mich haben sogar schon Fünftklässler zu Themen wie der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten oder zum Rechtsruck in Europa befragt. Die aktuelle Nachrichtenlage befeuert das noch zusätzlich. Und zuhause am Küchentisch werden diese Dinge natürlich auch diskutiert.

Welchen Mehrwert kann dann die Schule überhaupt noch liefern?

Untereichmeier: Der Unterricht leistet einen sehr wichtigen Beitrag. Hier geht es darum, den Schülern das Hintergrundwissen zu vermitteln, damit sie die Nachrichten auch richtig einordnen können. Das fängt bei den Grundzügen der Demokratie an und reicht bis zum Wahlsystem in den USA. Entscheidend ist aber, dass man die Neugier der Schüler nicht erstickt, sondern sie selbst zum kritischen Hinterfragen anregt. Statt ein Parteiprogramm auswendig zu lernen, sollen die Jugendlichen wissen, wie sie Polemik von Fakten unterscheiden.

Apropos Parteiprogramm: Sollte ein Lehrer die Schüler zu politischem Engagement anleiten?

Untereichmeier: Grundsätzlich spricht nichts dagegen. Meist läuft so was aber eher über die Familie oder den Freundeskreis ab. Auf keinen Fall sollte ein Lehrer eine Empfehlung für eine bestimmte Partei geben. Vor extremistischen oder radikalen Gruppen warnen wir die Schüler natürlich.

Wie es um den politischen Nachwuchs im Landkreis steht, erfahren Sie auf unserem Jungpolitiker-Überblick.

sg

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