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Wenn Schüler Probleme haben, ist das oft ein Fall für Sozialpädagogen.

Schulpsychologe reicht schon lange nicht mehr

Schulen rufen um Hilfe: Wir brauchen Sozialpädagogen

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Es ist ein deutlicher Hilfeschrei der Schulen im Landkreis: In der heutigen Zeit brauche jede Einrichtung Sozialpädagogen. Das Thema wurde im Kreistag rege diskutiert.

Landkreis – Trennungs- und Scheidungserfahrungen, Suchtproblematik, Mobbing, Medienmissbrauch, persönliche Krisen – die Liste der Probleme, die den Einsatz eines Sozialpädagogen an Schulen erforderlich machen können, ist lang. Derartige Fachkräfte gibt es – staatlich bezuschusst – bislang nur vereinzelt an den Grund- und Mittelschulen im Landkreis. Die weiterführenden Schulen gingen bislang leer aus. Nun unternahmen die Direktoren beim Landkreis einen gemeinsamen Vorstoß.

„Die Schulen stehen inzwischen mehr als nur für ihren Lehr- und Erziehungsauftrag“, sagte der Leiter der Realschule Holzkirchen, Joachim Fischer, im Kreisausschuss. Allein das Thema Inklusion beanspruche mittlerweile viel Zeit. Dazu auch noch jeden Schüler in einer Krisensituation aufzufangen, sei inzwischen nicht mehr möglich. 87 Fälle hatte an der Realschule Holzkirchen ein probeweise für drei Monate eingesetzter Sozialpädagoge zu bewältigen. „Das ist kein Pappenstiel“, sagte Fischer.

Dass es mit einem Schulpsychologen allein nicht mehr getan sei, bestätigte auch Direktor Rainer Dlugosch vom Gymnasium Miesbach. „Bei fünf Wochenstunden ist diese Kraft voll ausgelastet“, sagte er. Tobias Schreiner von der Realschule Tegernseer Tal berichtete aus der Praxis von Fällen, in denen die Schule gefordert sei, schnell auf Krisen zu reagieren und niederschwellig zu beraten. „Ein Viertel der Schüler hat Trennungs- und Scheidungserfahrung, aber die Familien gehen nicht zur Beratung zum Jugendamt“, wusste er. „Inzwischen beschäftigen wir uns morgens mit den Schülern und abends mit den Eltern.“

Die Kreisräte hörten die Schilderungen der Schulleiter mit Interesse und auch Betroffenheit. Bei allem Verständnis für die Situation der Schulen wurde aber die Frage nach der Finanzierung laut. Gemäß Vorschlag der Verwaltung würde der Landkreis fürs Schuljahr 2018/2019 rund 370 000 Euro bereitstellen. Damit könnte pro weiterführender Schule im Landkreis eine halbe Stelle – insgesamt also dreieinhalb – finanziert werden. Der Landkreis würde den Auftrag an einen Träger im sozialen Bereich erteilen, der die Sozialpädagogen für die Aufgabe stellt und einteilt. „Es ist eine freiwillige Leistung des Landkreises“, bestätigte Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne). „Wir springen hier für den Freistaat in die Bresche.“

Genau das missfiel Josef Lechner (CSU). Der Bedarf an Sozialpädagogen bestehe sicher nicht nur im Landkreis Miesbach. „Ich möchte deshalb gerne verstehen, warum sich die zuständige Stelle im Ministerium bei der Finanzierung verweigert“, sagte er in Richtung der Schulleiter. Die Notwendigkeit der Stellen zweifelte er nicht an, zustimmen konnte er ebenso wie seine Miesbacher Amtskollegin Ingrid Pongratz (CSU) aber trotzdem nicht. „Wir wissen noch nicht, wie der Haushalt aussieht“, argumentierten beide – und lehnten es ab, sich in Unkenntnis der Finanzlage mittels Kreisausschuss-Beschluss auf eine 370 000-Euro-Ausgabe festzulegen.

Kreiskämmerer Gerhard de Biasio versicherte, dass die Finanzmittel darstellbar seien, räumte aber ein, dass sich Mehrausgaben immer auf andere Posten im Haushalt auswirken. „Wo’s wehtut, ist bei anstehenden Baumaßnahmen“, sagte er. „Das eine oder andere ist dann ohne Fremdfinanzierung möglicherweise nicht machbar.“ Die Entscheidung liege zunächst beim Runden Tisch, der traditionell den Haushalt vorberät und ab kommender Woche tagt. „Die Grundsatzentscheidung, ob wir Schulsozialarbeit wollen oder nicht, muss aber schon der Kreisausschuss treffen“, stellte der Landrat klar. „Wenn von hier das politische Zeichen kommt, ist das Geld normalerweise drin im Haushalt.“

Letztlich empfahl das Gremium dem Kreistag mehrheitlich, die erforderlichen Mittel bereitzustellen. „Es wäre falsch, wenn wir jetzt zu zögerlich agieren“, sagte Paul Fertl (SPD). Unabhängig davon wird der Landrat ans Kultusministerium schreiben und um Aufklärung darüber bitten, warum es für Schulsozialarbeit keine Mittel gibt.

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