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Freut sich über viele junge Sparer: Konrad Buckel, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Holzkirchen-Otterfing, hält ein Sparbuch trotz niedrigem Zins für eine gute Form der Geldanlage.

Interview zum Weltspartag

Banker erklärt, wie sich Sparen trotz Niedrigzins lohnt

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Holzkirchen - Seit dem ersten Weltspartag 1924 hat sich vieles verändert. Der niedrige Zins macht das Sparen unattraktiv. Konrad Buckel (53), Chef der Raiffeisenbank Holzkirchen-Otterfing, sieht das anders.

Das gespannte Warten am Schalter. Das Klimpern, wenn die Münzen aus der Dose fallen. Oder auch das kleine Geschenk, mit dem die Bankmitarbeiter die kleinen Sparer belohnen: Jeder hat andere Erinnerungen an den Weltspartag. Für fast alle war es jedoch einer der ersten Berührungspunkte mit Geld – und meist der Einstieg in einen langfristigen Vermögensaufbau. Seit dem ersten Weltspartag 1924 hat sich vieles verändert. Vor allem der niedrige Zins macht das Sparen zunehmend unattraktiv, möchte man meinen. Konrad Buckel (53), Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Holzkirchen-Otterfing, sieht das anders. Seine Bank hat sogar eine „Sparwoche“ ausgerufen. Im Interview erklärt er, warum Sparen nicht nur mit dem Zins zu tun hat, sondern auch eine Lebenseinstellung sein kann.

Herr Buckel, selten hatte das klassische Sparbuch so ein schlechtes Image wie aktuell. Ist nicht auch der Weltspartag längst überholt?

Buckel: Ganz und gar nicht. Zumindest in unserem Haus kann ich keine Flaute am Kinderschalter erkennen. Der war die ganze Woche über gut frequentiert, und der eigentliche Weltspartag am kommenden Montag wird bestimmt auch heuer wieder ein Renner. Das Sparbuch ist in meinen Augen noch genauso aktuell wie vor zehn Jahren.

Trotz des rekordverdächtigen Zinstiefs?

Buckel: Man darf das Sparen nicht nur mit dem Zins in Verbindung bringen. Vielmehr geht es darum, sich Geld für später auf die hohe Kante zu legen. Ob als Notreserve für unerwartete Investitionen, als Grundkapital für eine Immobilienfinanzierung oder zur Altersvorsorge. Sparen ist für mich auch eine Lebenseinstellung. Das gilt es, beim Weltspartag zu vermitteln.

Klingt fast wie ein pädagogischer Auftrag...

Buckel: Im Grunde geht es ja auch darum. Den richtigen Umgang mit Geld lernt man schon im Kindesalter. Nicht umsonst kommen die Kleinen auch heute noch mit ihrer Spardose an den Schalter.

Trotzdem entscheiden zuerst die Eltern, wo die Kinder ihr Erspartes einzahlen. Empfehlen Sie denen tatsächlich noch ein Sparbuch oder lieber doch einen Aktienfonds mit höheren Renditeaussichten?

Buckel: Das kann man nicht pauschal beantworten. Die Entscheidung für ein Anlageprodukt ist sehr individuell, und unsere Berater gehen dabei natürlich auf die Wünsche der Kunden ein. Generell lässt sich aber sagen, dass ein Sparbuch eine solide und sichere Form der Geldanlage ist. Zwar ist momentan der Zins niedrig, dafür aber auch die Inflationsrate. Eine gute Basis also, die sich durch fondsgebundene Produkte erweitern lässt. Je nach Risikoneigung des Kunden mit unterschiedlich starker Aktienbeimischung.

Und wie begegnen Sie dem Argument, dass man sich sein Geld statt aufs Sparbuch auch gleich unters Kopfkissen legen kann?

Buckel: Das ist ein Einwand, den wir aktuell immer wieder zu hören bekommen – was uns nicht überrascht. Deshalb lassen wir unsere Kunden entscheiden, wofür wir ihr bei uns angelegtes Geld einsetzen. Ob es um die Finanzierung von Wohnungsbauprojekten, Solarparks, jungen Unternehmen oder der Landwirtschaft geht: Das Sparvermögen bleibt nicht nur in der Region, sondern unterstützt diese auch. Ich finde, das ist ein guter Grund, ab und zu das Sparschwein zu leeren.

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