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Gleicher Jahrgang: Im Bundestagswahlkampf 1980 traf Martin Erhard (r.) Spitzenkandidat Helmut Schmidt.

Er überlebte sogar Helmut Schmidt

SPD-Altstar und Holzkirchner Martin Erhard ist gestorben

Holzkirchen - Er saß zwölf Jahre für die SPD im Maximilianeum und prägte in den 70er und 80er Jahren die SPD-Politik der ganzen Region: Martin Erhard ist mit 98 Jahren gestorben. Ein Nachruf.

Beide waren sie Jahrgang 1918 und beide stehen für eine Zeit, als die SPD auf der politischen Bühne Deutschlands eine Hauptrolle spielte: Helmut Schmidt und Martin Erhard, der eine Kanzler aus Hamburg, der andere Landtagsabgeordneter aus Holzkirchen. Erhard zählt bis heute zu den prominentesten Sozialdemokraten des Landkreises, prägte in den 70er und 80er Jahren die SPD-Politik in der ganzen Region. Die vergangenen zwei Jahre verbrachte Erhard im Holzkirchner Pflegeheim St. Anna. Dort ist er, wie sein Sohn Martin gestern mitteilte, am Donnerstag verstorben – wenige Wochen vor seinem 99. Geburtstag.

Martin Erhard arbeitete zunächst als Bergmann in seinem Geburtsort Peiting. Er lernte Bauschlosser, ehe er in den Krieg ziehen musste. Nach der Rückkehr aus russischer Gefangenschaft folgte ein Studium, das Erhard befähigte, als hauptberuflicher DGB-Kreisvorsitzender im Oberland tätig zu werden. Die Arbeit als Gewerkschaftler führte ihn in die SPD. Seit 1949 hatte der Holzkirchner sein Parteibuch.

Die Karriere nahm in den 70er und 80er Jahren Fahrt auf. Drei Jahrzehnte saß Erhard für die SPD im Kreistag und im Gemeinderat. Schon Mitte der 70er Jahre kämpfte er etwa für ein Gymnasium in Holzkirchen. Gerne wäre er Bürgermeister geworden, erinnert sich SPD-Weggefährte Erich Burgert, „leider hat’s nie geklappt“. Dafür schärfte sich das überregionale Profil. Als SPD-Abgeordneter im Landtag (1970 bis 1982) engagierte sich Erhard insbesondere im Beschwerde-Ausschuss. „Dort konnte ich Menschen helfen, die in die Mühlen der Bürokratie geraten waren“, sagte er selber. Über Parteigrenzen hinweg galt er als „Abgeordneter des kleinen Mannes“.

Mitte der 70er Jahre kreuzte der Holzkirchner die Klinge mit einem aufstrebenden Talent der Konkurrenz: Edmund Stoiber lieferte sich mit Erhard einen Schlagabtausch im Oberbräu-Saal, es ging um ein Direktmandat für den Landtag. Stoiber gewann und zog zum ersten Mal in den Landtag ein. Erhard ließ sich davon nicht beirren. Er stand immer für das „Soziale der SPD“, wie es Hans Pawlovsky einmal formulierte.

Der Kreisverband ernannte Erhard 2008 zum Ehrenkreisvorsitzenden. Zu den vielen Auszeichnungen des Holzkirchners, der zwei Kinder und zwei Enkel hinterlässt, zählen der Bayerische Verdienstorden und das Bundesverdienstkreuz am Bande. „Er hat viel bewegt in seiner Zeit“, sagt Erich Burgert. 

Der Trauergottesdienst findet am Dienstag, 24. Januar, um 14 Uhr in St. Laurentius statt. Anschließend ist Urnenbeisetzung im alten Friedhof.

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