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Blumen für den Preisträger: Der SPD-Kreisvorsitzende Hannes Gräbner (l.) und Ortsvorsitzende Marion Siblewski zeichneten SPD-Landtagsabgeordneten Florian von Brunn mit dem Umweltpreis aus.

SPD-Umweltpreis für Florian von Brunn

„Neue Wege statt neue Straßen“

Holzkirchen – Die Kreis-SPD hat den Landtagsabgeordneten Florian von Brunn mit dem Anton-Bauer-Umweltpreis ausgezeichnet. Die Holzkirchner Südspangen-Debatte nahm dabei breiten Raum ein.

Es war eine Preisverleihung im kleinen Kreis: Vor rund 30 Gästen zeichnete die SPD im Landkreis den SPD-Landtagsabgeordneten Florian von Brunn mit ihrem Umweltpreis aus. Im Neuwirt in Großhartpenning waren dazu auch die bisherigen Preisträger zu Gast: Helmut Schneider, Vorsitzender des Bunds Naturschutz in Holzkirchen, Angela Brogsitter-Fink als Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal, Anneliese Lintzmeyer, die einst an der Spitze des Protests gegen den Bau des McDonald’s am Irschenberg stand, Manfred Wagner als Sprecher der Bürgerstifung Energiewende Oberland und namens der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) deren heutiger Geschäftsführer Bernd Rosenbusch. 

Die Kreis-SPD wolle mit dem Umweltpreis „eine schöne Tradition wieder aufleben lassen“, erklärte Kreisvorsitzender Hannes Gräbner. Als Wegmarke bekam der Preis nun einen Namenspatron: Anton Bauer, 1925 bis 1933 Waakirchner Bürgermeister, 1952 bis zu seinem Tod 1955 erster und einziger SPD-Landrat in Miesbach nach 1945. Der Holzkirchner SPD-Gemeinderat Hans Putzer erinnerte an Bauer als Begründer der Landschaftsschutzverordnungen im Landkreis. 

„Dein Grundsatz ,Finger weg von Schutzgebieten‘ stellt dich als würdigen Nachfolger Anton Bauers heraus“, betonte Gräbner in seiner Laudatio auf von Brunn. Er lobte dessen Einsatz gegen den Ausbau der Beschneiungsanlagen am Sudelfeld und für ein Naturschutzgebiet Rotwand ebenso wie das Engagement für mehr Schienen- statt Straßenausbau. Von Brunn traf sich auch mit Vertretern der Bürgerinitiativen gegen die Holzkirchner Umgehungsstraßen und habe die Staatsregierung zu einer Stellungnahme gezwungen. Gräbner lobte die Hartnäckigkeit des Abgeordneten. „Das ist das Holz, aus dem Volksvertreter geschnitzt sein müssen.“ 

Er empfinde den Preis als Ehre und als Ansporn, in dieser Richtung weiterzukämpfen, betonte der Preisträger in seiner Ansprache. Von Brunn ging dabei vor allem auf die Verkehrspolitik ein – und damit auf die Holzkirchner Südspange, die wie berichtet im Bundesverkehrswegeplan (BVWP) für den vordringlichen Bedarf vorgesehen ist – und die in Waakirchen übrigens auf Zustimmung stößt, um eine dortige Umfahrung zu verhindern. Der neue BVWP sehe zwar mehr Geld für die Schiene vor als bisher. „Aber es reicht nicht“, so von Brunn, „so organisiert man keine Verkehrswende.“ Der BVWP sei eine „Orgie an Umgehungsstraßen“, die aber die Probleme nicht lösen könnten. Das Hauptproblem sei, dass es keine integrierte Verkehrsplanung zwischen Bund, Ländern und Kommunen beziehungsweise Straße und Schiene gebe. Man solle die Mittel lieber in den Ausbau regionaler Schienennetze investieren, etwa das, auf dem die BOB unterwegs ist: in Elektrifizierung oder neue Direktverbindungen. „Was wir brauchen in der Verkehrspolitik, sind neue Wege, nicht neue Straßen.“

Diskussion um Südspange und BOB

Im Rahmen der Preisverleihung diskutierten die Genossen auch mit Gegnern der Holzkirchner Südspange. „Es gibt drei Gutachten, die teuer bezahlt wurden von der Gemeinde, und alle gehen davon aus, dass die Entlastung für die Holzkirchner nicht spürbar ist – und 20 Prozent Entlastung sind nicht spürbar“, kritisierte Hans Pawlovsky, ehemaliger SPD-Kreisvorsitzender und heute aktiv bei der Bürgerinitiative Stopp Südumgehung. 

Peter Limmer, Vorsitzender der seit 1978 aktiven Bürgerinitiative gegen die geplante Umgehungsstraße, hofft auf das Integrierte Mobilitätskonzept, das derzeit erstellt wird. „Ich hoffe, dass der Gemeinderat auch den Mut hat, davon möglichst viel umzusetzen und nicht mehr so viele Leute in Umgehungsstraßen das Allheilmittel sehen.“ Der Holzkirchner SPD-Gemeinderat Hans Putzer erklärte, seine Fraktion stehe geschlossen gegen die Südspange – und bekam dafür Applaus. 

Die Schutzgemeinschaft gegen Verkehrsbelästigung in Holzkirchen, die mit der Aussage „55 Prozent Durchgangsverkehr sind zu viel für Holzkirchen“ für die Südspange wirbt, kritisierte Putzer scharf: „Das ist reine Bürgerverdummung.“ Die Zahl gilt für den Ortseingang Tölzer Straße. Die Entlastung durch eine Südspange sei marginal, so Putzer, dafür ziehe man mit der neuen Trasse zusätzlichen Verkehr an. Und kippe diesen den Hartpenningern vor die Tür, so Pawlovsky, deren Umgehung nur im erweiterten Bedarf vorgesehen ist. 

Christoph Scholz vom Verein Hartpenning muckt auf kündigte auch juristischen Widerstand an. Die Trasse lohne sich nicht, selbst das Straßenbauamt bewerte das Nutzen-Kosten-Verhältnis im Projektdossier mit 3,8 – bei den Umgehungen für Waakirchen seien es über 10 und bei Gmund 6,5. Beim Schienenausbau umfasse der Bundesverkehrswegeplan (BVWP) nur „Prestigeobjekte“, statt etwa das hiesige Gleisnetz zu modernisieren. 

Dass sich Investitionen in den Öffentlichen Nahverkehr lohnen, betonte auch BOB-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch. Der Halbstundentakt beschere der BOB mehr Fahrgäste. „Mobilität ist immer eine Frage von Angebot und Nachfrage“, so Rosenbusch: „Die meisten fahren mit dem Auto, weil sonst nichts kommt.“ Was fehle, seien Busse, die häufig und mit einfach strukturierten Tickets fahren, wie innerhalb des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV). Doch um die Holzkirchner Nachbarn in den MVV zu bekommen, fehle in den Umlandgemeinden der politische Wille, meinte Rosenbusch

Von Katrin Hager

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