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Razzia auch im Holzkirchner Rathaus: Neun Stunden lang sicherten Beamte des Landeskriminalamts am Dienstag alle Akten, die den Verkauf des Baywa-Grundstücks an die Sparkasse im Jahr 2010 betreffen.

Sponsoring-Affäre der Sparkasse

Wegen Baywa-Verkauf: Haus von Bürgermeister Höß wird durchsucht

  • Andreas Höger
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Holzkirchen - Die Razzia am Dienstag in Sachen Sponsoring-Affäre erfasste auch das Holzkirchner Rathaus sowie die Wohnung des ehemaligen Bürgermeisters Josef Höß.

Dieser Artikel stammt vom 28. Januar 2015:

Es klingelte gegen 7 Uhr. „Da standen drei Männer, die haben sich ausgewiesen und mir erklärt, worum es geht“, berichtet Höß. Ein überraschender Besuch, sagt der ehemalige Rathauschef, „aber nichts, was mich aus der Ruhe bringt“. Es ist ein Grundstücksgeschäft zwischen Gemeinde und Sparkasse aus dem Jahr 2010, das einen Trupp der großen Ermittlerschar (75 Beamte des Landeskriminalamts und 13 Staatsanwälte) auch nach Holzkirchen führte.

Die Staatsanwaltschaft prüft, ob beim Verkauf des Baywa-Geländes, das derzeit von der Thomas Vilgertshofer GmbH mit Wohnungen und einem Appartement-Hotel bebaut wird, alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Konkret geht es um Spenden der Sparkasse für Projekte der Marktgemeinde, die mit dem Geschäft in Verbindung gebracht werden (wir berichteten) – einer von zwölf Tatkomplexen, die die Strafverfolger im Zusammenhang mit den Aktivitäten der damaligen Sparkassen-Führung unter die Lupe nehmen.

Das Baywa-Areal, ein 8400 Quadratmeter großes Filet-Grundstück im Ortskern, hatte die Gemeinde 2004 erworben. Ab 2006 hegte der Warngauer Peter Schilffarth Pläne, auf dem Gelände barrierefreie Wohnungen zu bauen. Das Geschäft scheiterte, weil sich Schilffahrt und Gemeinde bei der Erbpacht-Frage nicht einig wurden. Gesucht war ein neuer Investor, der nicht nur den rückwärtigen Teil mit lukrativen Wohnungen bebaut, sondern auch vorne am Hochgehweg einen attraktiven Kopfbau hinstellt.

2009 fiel das Auge des damaligen Sparkassen-Chefs Georg Bromme auf das Areal. Ihm schwebte vor, am Hochgehweg eine repräsentative Geschäftsstelle zu errichten, dahinter sollte es bei Wohnungen bleiben. Die Gemeinde verkaufte 2010. „Der Beschluss im Gemeinderat war einstimmig“, erinnert sich Höß. 500 Euro pro Quadratmeter bezahlte die Sparkasse (insgesamt 4,2 Millionen Euro), außerdem 120 000 Euro für die Linksabbiegespur auf der Münchner Straße. Der Preis habe sich am damaligen Bodenrichtwert orientiert, sagt Höß. Vielleicht, so räumt er ein, hätte man im freien Verkauf etwas mehr bekommen. „Aber weiß man, ob dem Investor dann nicht die Luft ausgeht? Wir hatten dort ja schon einmal einen Reinfall erlebt.“ Die Sparkasse sei der Wunschpartner gewesen.

Bei den Gesprächen mit Bromme ging es laut Höß auch um die Zukunft des Fools-Theaters, das sich auf dem Baywa-Gelände etabliert hatte. „Die Zukunft des Fools war unsicher, die Gemeinde wollte es unbedingt erhalten.“ Seitens der Sparkasse habe es daraufhin Signale gegeben, es mit einem Spendenantrag zu versuchen. „Holzkirchen war bis dato von der Sparkasse nicht eben eifrig mit Spenden bedacht worden“, sagt Höß.

So erhielt Bromme aus dem Holzkirchner Rathaus nicht nur den Entwurf des Grundstücks-Kaufvertrags, sondern mit gleicher Post eine Vereinbarung, die eine Spende in Höhe von insgesamt 500 000 Euro an den Markt Holzkirchen vorsah, verteilt auf fünf Jahre. Auf Anraten der Rechnungsprüfer unterzeichnete Bromme die Spendenverpflichtung damals nicht. Die Spenden flossen trotzdem: 400 000 Euro von 2010 bis 2013, ehe Brommes Nachfolger Martin Mihalovits die letzte Rate stoppte – ebenso wie die ambitionierten Baupläne auf dem Baywa-Gelände. 2013 verkaufte die Sparkasse das Areal an die Vilgertshofer GmbH.

Die Spenden seien zweckgebunden verwendet worden, betonte Höß bereits im Mai 2014. Es profitierten das mittlerweile im Kultur im Oberbräu untergekommene Fools, der Skaterplatz am Ladehof und dem Vernehmen nach auch der Verkehrsübungsplatz an der Flinspachstraße. Trotzdem bat die Kreissparkasse die Staatsanwaltschaft ausdrücklich darum, im Zuge der Sponsoring-Affäre auch das Baywa-Geschäft genau zu durchleuchten.

„Bei mir haben die Ermittler nicht viel gefunden“, sagt Höß auf Anfrage. Er habe grundsätzlich kaum Unterlagen mit nach Hause genommen. Mit den Fahndern habe er ein gutes Gespräch geführt. „Sie haben gefragt, wo ich Unterlagen verwahre.“ Nach 90 Minuten zogen sie wieder ab. Ein zweiter, größerer Trupp war gleichzeitig im Rathaus aufgetaucht. Bis 16 Uhr wurden Akten besonders im Bürgermeister-Zimmer durchforstet und etliches beschlagnahmt, berichtet Bürgermeister Olaf von Löwis. „Ein seltsames Gefühl.“

Obwohl Höß offenbar als einer von 16 Beschuldigten geführt wird, hätten ihm die Ermittler bedeutet, „dass ich nicht wegen persönlicher Bereicherung im Visier stehe“. Es gehe um eine Sache der Gemeinde. Er habe vollstes Verständnis, dass die Staatsanwaltschaft in der weitverzweigten „Sponsoring-Affäre“ jeden Stein umdrehe. Die umfangreiche Anklageschrift habe er eingesehen. „Da dreht’s einem schon den Magen um.“ Er persönlich habe sich absolut nichts vorzuwerfen. „Ich kann mich locker zurücklehnen.“

Von Andreas Höger

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