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Die Vorbereitungen laufen: Auf dem Rasenplatz kicken künftig auch Freizeitsportler.

Rasenplatz an der Probst-Sigl-Straße 

Sportanlage in Holzkirchen: Sorgen um Nachbarn mit Stoppuhr

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Die Marktgemeinde öffnet den Rasenplatz an der Probst-Sigl-Straße für Freizeitsportler. Künftig darf auch außerhalb der Schulzeiten gekickt werden. Sorgen gibt‘s, ob die Anwohner mitspielen.

Holzkirchen – Die Sportanlage an der Probst-Sigl Straße ist eine echtes Schmuckstück, das alles bereithält, was das Sportlerherz begehrt. Einen Fußballplatz, ein Beachvolleyball-Feld und einen Hartplatz. Alles in bestem Zustand, weil kaum genutzt. Denn für alle sportbegeisterten Holzkirchner hieß es bislang: Nur anschauen, nicht nutzen. Lediglich die Schüler der Grund- und Realschule dürfen sich auf der Anlage austoben. So wurde es vor gut 15 Jahren geregelt, als die Schulen gebaut wurden.

Damit soll jetzt Schluss sein. Die Marktgemeinde will die Sportanlage künftig auch für Freizeitsportler öffnen. In einem schalltechnischen Gutachten hat die Gemeinde prüfen lassen, von wem und in welchem Umfang die teure Sportanlage künftig genutzt werden kann. Drei Varianten hat der Gutachter untersucht. Wie zu erwarten war, fiel die Entscheidung letztlich auf die abgespeckte Variante: Nicht die ganze Anlage, sondern nur der Rasenplatz werden freigegeben. Und zwar für den Freizeitsport, vorerst aber nicht für den Vereinssport.

Gekoppelt ist die Freigabe jedoch an eine Handvoll Vorgaben und Parameter, die den einstimmigen Beschluss des Marktgemeinderats, auf juristisch sichere Beine stellen. „Die Lärmschutzwand im Süden müssen wir in jedem Fall bauen“, sagte Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU). „Das hätte schon seinerzeit passieren müssen, als die Schulen gebaut wurden.“ Damals habe man – in Absprache mit den Anwohner – auf den Bau jedoch verzichtet. Das wird nun nachgeholt. Die Kosten für die 3,5 Meter Hohe Lärmschutzwand entlang der Marxbauerstraße in Höhe von 180 000 Euro teilen sich Landkreis und Gemeinde. Für die Nachbarn soll die Lärmbelastung durch das Mehr an Sportlern so so gering wie nur irgendmöglich gehalten werden.

Denn die größte Sorge – das eigentlich Kernstück des langwierigen Abwägens, ob freigeben oder nicht, und wenn ja, für wen – waren etwaige Beschwerden oder gar Klagen der Anwohner. Denn bislang ist die Nutzung aus rechtlicher Sicht den Schulen vorbehalten. Einige Nachbarn stehen einer außerschulische Sportnutzung äußerst skeptisch gegenüber. Auch wenn, wie Löwis anmerkte, sich „eine erhebliche Mehrheit mittlerweile aufgeschlossen zeigt“. Was wiederrum auch daran liege, dass die Nutzungszeiten begrenzt sind (siehe unten).

Beim Thema Anwohner-Beschwerden platze Herbert Gegenfurtner der Kragen. „Das ist gotteserbärmlich“, polterte der CSU-Marktgemeinderat. „Da will man eine Wiese für Kinder zum Kicken aufmachen und braucht eine Armada an Gutachten.“ Sein eindringlicher Appell an die Nachbarn: „Seid tolerant!“ Selbst wenn mal ein paar Minuten länger gespielt werde. Was er auf keinen Fall sehen will: „Anwohner, die mit der Stoppuhr auf dem Balkon stehen.“

In das gleiche Horn stieß Zweite Bürgermeisterin Elisabeth Dasch (SPD), nur wählte sie ruhigeren Ton. Auch sie appellierte an die Toleranz der skeptischen Anlieger und versprach: „Wir tun alles dafür, dass die ermittelten Zeiten eingehalten werden.“ Rathauschef Löwis regte in diesem Zusammenhang einen Betreuungsdienst an, der die Öffnungszeiten, auch die der neuen Jugendmeile Am Ladehof, im Auge behalten könnte.

Die Marktgemeinde kann sich in jedem Fall der Unterstützung der Landratsamtes, das für die Realschule zuständig ist, sicher sein, wie ein Mitarbeiter verdeutlichte: „Das Landratsamt steht hinter diesem Konzept.“ Unter einer Voraussetzung: „Für die Schulen muss der Sportplatz uneingeschränkt nutzbar sein .“ Auf Nachfrage von Thomas Hünerfauth (SPD) versicherte der Landratsamt-Mitarbeiter, dass die Freigabe juristisch sattelfest sei. Das gelockerte Gesetz für den Lärmschutz rund um Sportanlagen und das Gutachten, zählte er auf: „Ich sehe uns auf der sicheren Seite.“

Nun liegt der Ball bei der Gemeinde. Sie muss beim Landratsamt eine Änderung der Baugenehmigung beantragen. Sind alle Formalia erledigt, erklärt Löwis auf Nachfrage, könne im Frühjahr mit dem Bau begonnen werden. Im frühen Sommer, so die Hoffnung des Rathauschefs, können dann auch Hobbykicker das sportliche Schmuckstück nutzen. Bestenfalls, ohne lärmgeplagte Nachbarn mit Stoppuhren.


Öffnungszeiten

In seinem Lärmschutz-Report hat der Gutachter Öffnungszeiten für den Rasenplatz vorgeschlagen, die so eingehalten werden sollen. Darin ist geregelt, wie viele Minuten auf dem Platz gesportelt werden darf. Montags bis donnerstags darf die Anlage im Zeitraum 17 bis 20 Uhr 130 Minuten genutzt werden, am Freitag 250 Minuten in der Zeit von 13 bis 20 Uhr und am Samstag sowie an Werktagen in den Ferien sieben Stunden in der Zeit von 8 bis 20 Uhr. An Sonn- und Feiertagen sind es insgesamt sechs Stunden in der Zeit von 9 bis 13 Uhr und von 15 bis 20 Uhr. Weil künftig externe Sportler die Anlage nutzen und die die Schul-WCs nicht nutzen sollen, muss die Gemeinde ein Toilettenhäuschen errichten. Kostenpunkt: 120 000 Euro.

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