Die Sprachzentrum Süd GmbH, die erst 2019 hier an die Miesbacher Straße umzog, kämpft im Dauer-Lockdown ums Überleben.
+
Gebeutelt von der Pandemie: Die Sprachzentrum Süd GmbH, die erst 2019 hier an die Miesbacher Straße umzog, kämpft im Dauer-Lockdown ums Überleben. Ende Februar droht die endgültige Pleite.

Sprachzentrum Süd kämpft ums Überleben

Abgewürgt von Corona: 30 Jahre altem Unternehmen droht Insolvenz

  • Andreas Höger
    VonAndreas Höger
    schließen

Corona kam, blieb – und schnürt einem Holzkirchner Traditionsunternehmen langsam die Kehle zu. Das Sprachzentrum Süd, gegründet vor 30 Jahren, hat in den Lockdowns weite Teile seiner Geschäftsgrundlage verloren. Sechs Angestellte bangen und hoffen. Die Aussichten sind düster, Ende Februar droht die Insolvenz.

Holzkirchen – Kein Präsenz-Unterricht, die lukrativen Sommercamps gestrichen: Das Sprachzentrum Süd kämpft ums Überleben. „Bis Corona war alles gut“, sagt Geschäftsführerin Anissa Nasser seufzend. 2019 zog das Unternehmen vom Bahnhofsplatz an die Miesbacher Straße – mit dem Vorsatz, dort durchzustarten. Die Einbrüche des ersten Lockdowns im Frühjahr, so hoffte Nasser, könne man irgendwie überstehen und sich aus eigener Kraft aus dem unverschuldeten Schlamassel ziehen.

Der neuerliche Lockdown ab November machte diese Hoffnungen zunichte. Firmengründerin und alleinige Gesellschafterin Karin Wiebalck-Zahn, die 2016 die Leitung der GmbH an Nasser übertragen hatte, musste am 23. November zur Notbremse greifen und am Amtsgericht Wolfratshausen „vorläufige Insolvenz“ anmelden. „Das war angesichts der Zahlen unvermeidbar“, sagt Nasser.

Bis Ende Februar ist noch Zeit, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen

Seitdem muss die Geschäftsführerin alle Ausgaben und finanzwirksamen Entscheidungen mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Hans-Christian Detzer (Wolfratshausen) abstimmen. Mitarbeiter konnten bei der Agentur für Arbeit „Insolvenzgeld“ als Lohnersatz beantragen. Drei Monate lang ist Zeit, nach Auswegen, neuen Geldgebern oder Käufern zu suchen, um mit frischen Kräften einen Neustart packen zu können. Klappt das nicht, wird der 23. Februar 2021 zum Schlussakkord und über das Sprachzentrum Süd wird das „reguläre“ Insolvenzverfahren eröffnet.

Dass Corona derart schnell und hart auf die Bilanz durchschlug, liegt am Geschäftsmodell: Die vom Holzkirchner Institut organisierten Sommer-Sprachcamps versammelten zuletzt 2019 über 300 Jugendliche aus aller Welt in Josefstal, am Spitzing und in München. „Das macht 70 Prozent unseres Umsatzes aus“, sagt Nasser. Und der fiel 2020 komplett aus. In unsicheren Corona-Zeiten halten sich außerdem Firmen zurück, ihren Mitarbeitern Sprachkurse zu finanzieren. „Damit fehlen weitere zehn Prozent Umsatz“, sagt Nasser.

Internet-Konkurrenz lockt mit Dumping-Angeboten

Natürlich biete man Online-Videokurse an, sagt die Geschäftsführerin: „Aber viele wollen das nicht. Ältere Interessenten haben oft gar keinen Computer.“ Die Motivation, eine Sprache zu lernen, speise sich zudem aus dem persönlichen Kontakt in einer Gruppe. „Online funktioniert das nur bedingt“, erklärt Nasser. Und im Internet konkurriere man mit Dumping-Angeboten. „Wir setzen auf hohe Qualität, die hat aber ihren Preis.“ Schülernachhilfe spielt im Sprachzentrum eine untergeordnete Rolle. „Unser Hauptklientel sind Erwachsene und Firmen“, betont Nasser.

Der Optimismus, nach dem Frühjahrs-Lockdown mit neuem Programm das rettende Ufer zu erreichen, er trog: keine Präsenzkurse seit November. Mit Sonderpreisen bewirbt das Sprachzentrum Angebote ab Sommer – in der Hoffnung, den abwürgenden Lockdown dann überstanden zu haben. Doch dürfen Jugendliche aus dem Ausland dann einreisen? „Wir bräuchten die Aussicht, bis September durchhalten zu können“, sagt Nasser, „das wäre ein langer Weg.“ Die Anmeldezahlen sind bescheiden.

Von Bund und Freistaat gab es 15 000 Euro Corona-Soforthilfen. Zu wenig, um zu überleben. Ein Kredit wurde aufgenommen, den man jetzt kaum bedienen kann. Zu spät habe man erfahren, erklärt Nasser, dass ein Unternehmen während eines Insolvenzverfahrens keine Staatshilfen mehr bekommt. Die Geschäftsführerin gibt sich keinen Illusionen hin: „Es schaut nicht gut aus.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare