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Bringen die Frischeküche auf Kurs: die Vorstände Eva-Maria Schmitz und Wolfgang Salewski. Der 73-Jährige rechnet damit, dass die Einrichtung spätestens 2018 profitabel arbeitet.

Schwarze Zahlen bis 2022?

Straffes Sanierungsprogramm für Frischeküche

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Holzkirchen/Landkreis – Nach erheblichen Anlaufschwierigkeiten könnte die Frischeküche von Landkreis und Marktgemeinde ab 2022 schwarze Zahlen schreiben.

Seit zweieinhalb Monaten leitet Wolfgang Salewski zusammen mit Eva-Maria Schmitz die Frischeküche, ist jeden Tag rund zwölf Stunden präsent. Wie berichtet, hatte der Landkreis den früheren Zentralvorstand der Schörghuber-Gruppe, der in Reichersdorf lebt, an Bord geholt, um das Unternehmen von Kreis und Marktgemeinde endlich aus den roten Zahlen zu manövrieren. Salewski hätte kostenlos gearbeitet, doch das wollte der Landkreis nicht. Sein monatliches Gehalt von 450 Euro spendet er deshalb an die Irschenberger First Responder.

Offenbar kommt die Hilfe nicht zu spät

Von Erstrettung kann man bei der Frischeküche zwar nicht mehr sprechen, doch die Hilfe kommt offenbar noch nicht zu spät. Auch wenn Salewski nach eigenen Worten einen in vielen Bereichen „absolut unzureichenden Betrieb“ vorgefunden hat. Diese Analyse beziehe sich ausdrücklich nicht aufs Personal, betonte der 73-Jährige bei seiner Präsentation im Kreistag. „Wir haben sehr, sehr gute Mitarbeiter, mit mit Fleiß und Umsicht die Mängel ausgleichen“, sagte er. „Extrem viel Handarbeit und zeitaufwendige Abläufe sorgen aber für Überlastung, hohe Fluktuation und Fehltage.“

Im Wesentlichen hat Salewski fünf gravierende Schwachpunkte ausgemacht: Technik und Organisation der Küche, Größe und Anordnung der Kühlzellen, Aufbau und Organisation der Spültechnik, eine sehr aufwendige Logistik innen und außen sowie ein fehlendes Warenwirtschaftssystem. Die nächsten Schritte werden deshalb neben einigen baulichen Anpassungen auch die Anschaffung einer vollautomatischen Spülküche und besserer technischer Geräte sein. Die Gesamtkosten beziffert Salewski mit 339 000 Euro. Die Finanzierung erfolgt über die Auflösung eines Bausparvertrags über 322 000 Euro und den Abschluss eines neuen Vertrags zu besseren Zinskonditionen im kommenden Jahr.

„Die Automatisierung bedeutet nicht die Entlassung von Mitarbeitern“

„Die Automatisierung bedeutet nicht die Entlassung von Mitarbeitern“, betonte Salewski. „Wir brauchen das Personal in der Küche und können damit bei gleicher personeller Ausstattung den Umsatz erheblich steigern.“ Er sehe großes Akquisitionspotenzial, im Markt sei viel Bewegung. Den Prognosen des Managers zufolge werde die Frischküche spätestens 2019 profitabel arbeiten, vielleicht sogar schon ein Jahr früher. Ab 2022 dürfe man mit schwarzen Zahlen rechnen. „Bis dahin“, sagte er, „werden uns Gemeinde und Landkreis aber noch etwas helfen müssen.“

Die Kreisräte zeigten sich erleichtert über den neuen Kurs. Anastasia Stadler (CSU) warf allerdings die Frage auf, wer für die Versäumnisse und Fehlplanungen verantwortlich sei. Salewski riet dazu, die Vergangenheit ruhen zu lassen. Man verhandle zwar mit der Versicherung, könne aber nicht darauf warten, bis der oder die Schuldigen gefunden sind. „Dann ist es zu spät für die Frischeküche“, stellte er klar. Irschenbergs Bürgermiester Hans Schönauer (FWG) sah es ähnlich: „Mir müssen unsere Lehren aus der Sache ziehen: dass man die richtigen Leute an der richtigen Stelle braucht und sich die Politik auf ihr Kerngeschäft beschränken sollte.“

sh

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