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Präsentation auf dem Marktplatz: Mitten im Ort fuhren gestern vier der neun Streetscooter der Holzkirchner Post auf. 

Postboten fahren jetzt elektrisch

Achtung: Hier rollt die stille Post an

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Ein leises Surren, mehr nicht: Fast lautlos kommen die Postboten in Holzkirchen neuerdings daher. Seit Kurzem flitzen die Elektroautos des Unternehmens durch den Ort. 

Holzkirchen Stephani Limmer mag ihren Scooter. Als eine von 35 Zustellern des Postbetriebs Holzkirchen fährt sie Briefe und Päckchen in der Haid aus. „Es ist ein sehr ruhiges Fahren“, berichtete Limmer am Montag, als die Post medienwirksam vier Scooter auf dem Marktplatz auffahren ließ. Fast automatisch habe sich der Fahrstil angepasst: „Ich fahre noch umsichtiger, weil mich die Leute kaum noch hören.“

Dass man das Postauto nicht mehr herannahen hört, daran müssen sich manche Kunden erst gewöhnen, weiß Niederlassungsleiter Richard Hirschberger, der von Rosenheim aus für die Region zwischen Königssee und Zugspitze zuständig ist: „Manche haben ihre Postboten gebeten, bitte rechtzeitig zu hupen.“ Wenn der Scooter hält, wird er nicht selten bestaunt. „Die Leute sind neugierig und wollen alles erklärt haben“, sagt Stephani Limmer.

Landkreisweit sind bis dato 15 der gelben Schleicher unterwegs – in Holzkirchen, Otterfing, Waakirchen und in Kreuth. „Ziel ist, in fünf Jahren den ganzen Fuhrpark umgerüstet zu haben“, sagt Hirschberger. Der Scooter mit dem markanten Kastenaufbau schafft bis zu 80 km/h. „Die Reichweite liegt bei rund 70 Kilometern“, sagt die Holzkirchner Betriebsleiterin Ute Brugger. Bei der Entwicklung wurde laut Hirschberger größter Wert auf die Bedienerfreundlichkeit gelegt: Der Laderaum öffnet sich auf Knopfdruck, Pakete können von drei Seiten entnommen werden, die höhere Ladefläche schont den Rücken.

Die Holzkirchner Modelle verfügen über vier Kubik Transportvolumen; es gibt auch eine größere Variante mit sieben Kubik sowie einen Paket-Transporter, der derzeit in München getestet wird. Hirschberger hofft, dass bald auch die Lade-Infrastruktur mitwächst. Denn wenn die gelben Stromer nach dem Dienst alle tanken, muss das Netz die Energie auch liefern können. Bürgermeister Olaf von Löwis weiß um diese Schwachstelle der E-Mobilität. „Wir wollen mit den Gemeindewerken möglichst rasch Ladestationen aufbauen“, sagte er bei der Präsentation auf dem Marktplatz.

Mit dabei waren auch Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner sowie der Bundestags-Abgeordnete Alexander Radwan. „Leider wollte ja kein deutscher Hersteller diese Autos bauen“, stellte Aigner fest, „war wohl eine falsche Einschätzung.“ So baut sich die Post ihre Elektroautos seit 2014 selber, das Werk steht in Aachen. Radwan hofft, dass die deutsche Autoindustrie solche Chancen künftig nicht mehr liegen lässt: „Es war ein Warnschuss. Die Hersteller sehen, wie schnell sie überholt werden können.“

Die Post macht jetzt aus der Not eine Tugend. Der Streetscooter soll zum Verkaufsschlager werden. Basispreis: 32 000 Euro. „Das könnte für Handwerker und Lieferanten interessant sein, die viel in Städten unterwegs sind“, glaubt Aigner. Laut Hirschberger biss bereits ein erster Großkunde an: Die Fastfood-Kette Nordsee orderte 100 Scooter. Mittlerweile gibt es sogar Kipper-Modelle. Der Holzkirchner Bürgermeister steckte ein paar Prospekte ein. „Vielleicht wäre das auch was für unseren Bauhof“, sagte Löwis.

avh

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