Stecker und Geld.
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Höhere Stromkosten fallen je nach Bundesland unterschiedlich aus. (Symbolbild)

Bilanz der Gemeindewerke

Stromverbrauch im Coronajahr: Die Ablese-Geräte drehen fast durch

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
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Arbeiten im Homeoffice, Kochen am eigenen Herd, Unterricht via Laptop: Die Corona-Pandemie bekamen die Kunden der Gemeindewerke Holzkirchen auch auf ihren Strom- und Wasserrechnungen zu spüren. Was Privatkunden mehr zahlten, sparten sich die Unternehmen.

Holzkirchen - Die Ablesegeräte der Gemeindewerke Holzkirchen piepten wild wie nie, als sie jüngst den Energieverbrauch der Gemeindebürger erfassten. Der Grund ihrer Nervosität: Corona. „Wir haben die Geräte auf Abweichungen programmiert“, sagt Albert Götz, Geschäftsführer der Gemeindewerke. „Unterscheidet sich beim Ablesen ein Verbrauchswert auffällig vom Wert des Vorjahres, gibt es einen automatischen Alarm.“

Das System ist dazu gedacht, Ablesefehler schnell zu enttarnen oder als Frühwarnsystem für die Gemeindewerke, dass es irgendwo ein Leck geben könnte. Die Auswirkungen der Pandemie überforderten die wackeren Ablesegeräte. Der Strom- und Wasserverbrauch in der Marktgemeinde schlug im ersten Corona-Jahr Purzelbäume, das Piepen nahm kein Ende. „Wir mussten die Abweichungstoleranz zwischendrin deutlich gröber einstellen“, sagt Götz.

Manche Kunden brauchten 30 Prozent mehr Strom

Der Ausschlag in den Privathaushalten ging in der Regel nach oben, besonders beim Stromverbrauch fielen die Nachzahlungen oft happig aus. „Manche Nutzer waren schon erstaunt, wie deutlich man das Homeoffice bei der Stromrechnung spürt.“

Dazu kam, dass viele Gemeindebürger deutlich häufiger den Herd einschalteten. „Die Gastronomie fiel ja einige Wochen aus, man blieb zuhause und kochte wieder mehr selber“, analysiert Götz. Und danach wurde der Computer oder das TV-Gerät hochgefahren, um sich Filme anzuschauen oder das neueste Videospiel zu testen. Wer Schüler zuhause hatte, war auf Strom angewiesen, um wenigstens digitalen Kontakt in die Schulen zu halten.

Götz weiß von einigen Kunden, die im Corona-Jahr 2020 bis zu 30 Prozent mehr Strom zapften. Durchschnittlich stieg der Verbrauch bei den rund 8000 Privathaushalten um gut fünf Prozent. Insgesamt jedoch verkauften die Gemeindewerke nicht mehr Strom. „Einfach zu erklären“, sagt Götz, „was die Leute in den eigenen vier Wände mehr verbrauchten, verbrauchten sie am Arbeitsplatz weniger.“

Privater Wasserverbrauch stieg um zehn Prozent

Beim Strom hielt sich das fast die Waage, beim Wasserverbrauch schlug das Pendel deutlicher aus. Laut Götz drehten die privaten Haushalte die Hähne so häufig auf, dass der Gesamtverbrauch um zehn Prozent stieg. „Einige haben sich im Sommer 2020 kleine Pools zugelegt“, sagt Götz, „das sind Mengen, die schnell auf den Jahresverbrauch durchschlagen.“

Wasser war nicht nur an heißen Sommertagen im Garten nachgefragt: Mehr Kochen am heimischen Herd heißt auch mehr Geschirrspülen, mehr Homeoffice bedingt mehr Besuche in der heimischen Toilette. Und auch beim Wasserverbrauch war laut Götz das Gegenstück bei den Gewerbekunden ablesbar: Toiletten und Küchen in vielen Büros blieben wochenlang trocken, die Mitarbeiter saßen zuhause vor ihren Laptops – und gingen zuhause aufs Klo. Die Folge: Firmen brauchten im Corona-Jahr 2020 deutlich weniger Wasser. Der Gemeindewerke-Chef schätzt den Rückgang hier auf bis zu 15 Prozent.

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