Eine 16-Jährige war am Dienstagabend bei Willingen im Wald vermisst - auch Mantrailer-Hunde suchten nach der Jugendlichen.
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Viele Spuren des Vermissten fanden die Mantrailer-Teams der Rettungshundestaffel Oberland am Dienstag im Wald bei Erlkam, aber nicht die gesuchte Person (Symbolbild).

Hubschrauber, Spürhunde und Feuerwehr im Einsatz

Nach Spurenfund: Suche nach Vermisstem erfolglos - Mann versteckt sich im Wald

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
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Ein Hubschrauber kreiste, Hunde nahmen Witterung auf, Gebäude wurden durchkämmt – alles vergebens: Der 61-Jährige, den die Betreuungseinrichtung Regens Wagner vor zehn Tagen als vermisst meldete, wurde zwar am Dienstag bei Föching gesehen. Finden ließ sich Sebastian M. aber nicht.

Föching – Es gab wohl einen kleinen Streit, Sebastian M. war angefressen. Die schlechte Laune wuchs sich am Vormittag des 30. Mai derart aus, dass M. sein Spezial-Dreirad bestieg und davonstrampelte. Die Hoffnung der Verantwortlichen bei Regens Wagner in Erlkam (Marktgemeinde Holzkirchen), den geistig behinderten Schützling bald wieder zu sehen, sie trog.

Holzkirchen: Fahrrad und Helm von Vermisstem gefunden - Suchaktion ohne Erfolg

Seit zehn Tagen ist der 61-Jährige verschwunden. Die Sorge war groß, dass er in seiner selbst gewählten Selbstständigkeit überfordert ist und ihm etwas zustößt. Tagelang fehlte jedes Lebenszeichen. Trotz öffentlicher Aufrufe: Niemand hatte den groß gewachsenen Mann mit seinem auffälligen Rad gesehen.

Das änderte sich erst am Dienstag (8. Juni). Wie Matthias Büch, Sprecher der Holzkirchner Polizei, auf Anfrage mitteilt, meldete ein Zeuge nachmittags, einen Mann auf dem beschriebenen Dreirad auf einem Feldweg zwischen Erlkam und dem Gehöft Mölgg-Aberg gesichtet zu haben; wenig später, gegen 16.30 Uhr, entdeckte eine Spaziergängerin das Fahrrad samt Helm, versteckt in einem kleinen Wäldchen westlich des Gehöfts – und offensichtlich gezielt deponiert. „Das Rad war abgesperrt“, sagt der Polizeisprecher.

Suche nach Vermisstem: Feuerwehr durchkämmt bei Regens Wagner alle Räume

Schnell organisierte die Polizei eine größere Suchaktion, an der sich auch die Feuerwehr Föching mit 15 Aktiven beteiligte. Die Vermutung lag nahe, dass Sebastian M. mindestens für eine Weile nach Hause wollte. Unterstützt von Polizei und Verantwortlichen von Regens Wagner teilte Föchings Kommandant Martin Fischhaber drei Trupps ein. „Wir haben eine Stunde lang alle Räume nach möglichen Verstecken durchsucht, vom Keller bis zum Speicher“, berichtet Fischhaber, „leider ohne Erfolg.“

Im Gelände nahmen speziell ausgebildete Personen-Spürhunde (Mantrailer) der Rettungshundestaffel der DLRG und des BRK sowie Flächensuchhunde der Johanniter-Unfallhilfe und des BRK Witterung auf. Ihre feinen Nasen fanden prompt die Fährten des Vermissten im angrenzenden Waldgebiet des Teufelsgrabens, im Grenzgebiet zwischen den Gemeinden Holzkirchen und Otterfing. „Die Spuren zogen sich kreuz und quer“, sagt Polizeisprecher Büch, „die Mantrailer-Teams waren verwundert, wie viel Bewegung da feststellbar war.“ Im Einsatz waren zunächst Einsatzkräfte der Roten Kreuzes sowie der DLRG und der Johanniter-Unfall-Hilfe, die Einsatzleitung übernahmen das BRK Miesbach und Johanniter-Unfall-Hilfe. Später stießen nach Angaben von Gerhard Bieber, Pressesprecher der Johanniter-Unfallhilfe, weitere Einsatzkräfte der Feuerwehren Aschheim und Hochbrück sowie die Bergwacht Hausham mit einer Wärmebild-Drohne hinzu. 

Holzkirchen: Vermisster sehr geländekundig - Polizei steht vor Rätsel

Der Vermisste jedoch blieb unentdeckt. Die Polizei geht davon aus, dass der 61-Jährige, der als menschenscheu gilt, das auch will. „Er kennt sich in dem Gebiet sehr gut aus“, sagt Büch, „vermutlich hält er sich dort irgendwo auf.“ Dass Sebastian M. nach einer Knie-Operation noch hinkt, bremst seine Beweglichkeit offenbar kaum.

Bis in die Nachtstunden kreiste ein Polizeihubschrauber über Wiesen und Lichtungen. Dessen Wärmebildkamera dringt aber nicht durch das Walddach. „Die Baumkronen schirmen Objekte darunter ab“, erklärt Büch.

Die Frage, wie sich der Vermisste mit Essen und Trinken versorgt, stellt die Polizei vor ein Rätsel. Hat er fremde Hilfe oder heimlichen Zugang zu Lebensmitteln? Der Zeuge jedenfalls gab an, dass der 61-Jährige wohlauf war, jedenfalls keinen angeschlagenen Eindruck machte. In freier Natur kommt Sebastian M. allem Anschein nach gut zurecht. „Wir gehen davon aus, dass wir ihn bald aufgreifen können“, sagt Büch. Eine Gefahr gehe von dem Vermissten sicher nicht aus: „Der tut niemandem etwas.“

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