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Die Raumwiderstandsanalyse

Keine Lösung ist auch eine Lösung

Südspange für Holzkirchen: (K)ein neuer Vorschlag

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Bis Ende Juli können die Holzkirchner dem Straßenbauamt Trassen für eine Südumgehung vorschlagen. Die Resonanz ist bislang dürftig. Mit einer radikalen Variante warten nun die Grünen auf.

Holzkirchen – Die Karten liegen auf dem Tisch. Genauer gesagt sind es Raumwiderstandskarten. Sie zeigen bekanntlich, wo eine Südumgehung von Holzkirchen sowie die Umfahrungen Kurzenberg und Großhartpenning genehmigungsfähig wären. Auf dieser Datenbasis sind die Holzkirchner, egal ob Privatpersonen, Parteien oder Initiativen, angehalten, Varianten beim Straßenbauamt Rosenheim einzureichen, wo eine Südspange zum Beispiel verlaufen könnte. Doch die Bürgerbeteiligung läuft verhalten an.

Wie Stefan Högenauer, Bereichsleiter Straßenbau, auf Anfrage mitteilt, ist bislang lediglich eine „einstellige Anzahl“ an Vorschlägen eingegangen. Darunter etwa der des Südspangen-Bündnisses aus CSU-Ortsverband und Schutzgemeinschaft gegen Verkehrsbelästigung Holzkirchen (siehe unten). Vom Bündnis 90/Die Grünen liegt keine Variante vor. Und es wird auch keine hinzukommen. Der Holzkirchner Ortsverband will keinen Vorschlag einreichen. Er stellt sich gegen jede Südumfahrungsvariante, wie er in einer Pressemitteilung bekräftigt. „Wir halten den möglichen Nutzen für viel zu gering gegenüber dem Schaden, den sie anrichtet“, sagt Grünen-Ortsvorsitzende Dorothea Deutsch. „Wir plädieren daher sehr eindeutig für die Variante Null.“ Heißt: keine Südspange – egal wo.

Der zentrale Kritikpunkt: Es existiere keine Lösung, bei der die mögliche verkehrliche Entlastung in einem „vernünftigem Verhältnis“ zum finanziellen Aufwand (veranschlagte Kosten: 11 Millionen Euro), zum Flächenverbrauch und zu der damit verbundenen Natur- und Landschaftszerstörung“ stehe. Denn an der tatsächlichen Entlastung, die eine Umfahrung für den Ortskern von Holzkirchen bringen würde, hegen die Grünen Zweifel.

Der Bundesverkehrswegeplan prognostiziert durch den Bau ein 75-prozentiges Minus an Durchgangsverkehr über die Tölzer Straße in Richtung B 318. Ein falsches Versprechen, wie die Grünen finden. Der Ortsverband rechnet lediglich mit einer Entlastung um 37 Prozent und beruft sich dabei auf das Verkehrsgutachten im Mobilitätskonzept der Marktgemeinde. Diese Diskrepanz ziehe einen Rattenschwanz an Gegenargumenten nach sich. Weniger Entlastung bei gleichbleibenden Kosten und gleichbleibendem Flächenverbrauch: eine Kosten-Nutzen-Rechnung – finanzieller wie ökologischer Art –, die die Grünen partout nicht eingehen wollen.

Ergo verzichtet der Ortsverband auf einen Trassenvorschlag. Eine deutliche politische wie ideologische Duftmarke. Und eine Haltung, die die Raumwiderstandsanalyse (RWA) bekräftigt hat, wie Grünen-Fraktionssprecher Robert Wiechmann sagt. Sie führe nochmals vor Augen, welche Zerstörung der wertvollen Fläche im Süden der Marktgemeinde drohe.

Für die RWA per se gibt es Lob aus Reihen der Grünen. Methodik und Durchführung seien zu begrüßen. Und: Sie biete eine rechtskonforme Grundlage für den weiteren Prozess und mögliche Korridore. „30 Jahre lang wurde ins Blaue argumentiert – von Befürwortern und Gegnern“, sagt Wiechmann. „Jetzt muss das Straßenbauamt konkrete Trassenvorschläge liefern.“

Erst wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen, könne man – auch unter Einbezug des gemeindlichen Mobilitätskonzeptes – eine Entscheidung treffen. Eine Entscheidung, bei der das letzte Wort den Bürgern obliege, wie Wiechmann nochmals mit Nachdruck erinnert. Das sei der Gemeinde schließlich mehrfach so zugestanden worden. „Das Straßenbauamt steht hier im Wort“, betont er. In welcher Form, ob Ratsbegehren oder Bürgerentscheid, ließe sich jetzt noch nicht zweifelsfrei sagen. Eines schließt Wiechmann jedoch (beinahe) aus: Dass der Bund die Umfahrung über den Kopf der Bürger und Kommune hinweg durchdrückt. Zwar habe die Südspange im Bundesverkehrswegeplan 2030 vordringlichen Bedarf, „das kann ich mir aber nicht vorstellen“.

Bevor es überhaupt soweit kommt, prüft das Bauamt in Rosenheim erst einmal alle eingegangenen Vorschläge. Bis Ende Juli haben die Holzkirchner noch Zeit, welche einzureichen. Mehr ein lockerer Richtwert als ein scharfer Stichtag: „Wer danach noch was einreicht, bleibt nicht unberücksichtigt“, verspricht Bereichsleiter Högenauer. Auf eine Skizze hat er schon einen Blick geworfen. Ohne detaillierte fachliche Bewertung sei eines auffällig: „Da“, sagt Högenauer, „hat jemand Hirnschmalz reingesteckt.“

Persönlich vorgelegt

Das Südspangen-Allianz aus dem CSU-Ortsverband und der Schutzgemeinschaft gegen Verkehrsbelästigung in Holzkirchen favorisierteine weiträumige Trasse östlich von Kurzenberg und Großhartpenning, die entweder nördlich oder südlich an Sufferloh vorbeilaufen soll. Ihre Trassenvorschläge für eine ortsferne Holzkirchner Südumfahrung haben die Initiatoren nun im Straßenbauamt in Rosenheim an Bereichsleiter Stefan Högenauer übergeben. Die Hintergründe erörterten Simon Drexl  und Christian Hirschberg von der Schutzgemeinschaft sowie CSU-Ortsvorsitzender Sebastian Franz und CSU-Fraktionssprecher Christoph Schmid.

fp

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