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Südspange in Holzkirchen: Kommt das Bürgervotum im Herbst?

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Podium Holzkirchen
Auf dem Podium: (v.l.) der Projektverantwortliche Matthias Kreuz vom Staatlichen Bauamt Rosenheim, Bürgermeister Christoph Schmid, Andreas Dorsch vom gleichnamigen Ingenieurbüro und Natascha Neuhaus, beim Staatlichen Bauamt zuständig für den Umweltschutz. Zwei Varianten kommen infrage Finanzierungsplan erst später Bevölkerung soll mitentscheiden © Thomas Plettenberg

Vorschläge für eine Trassenführung der Holzkirchner Südumfahrung gab und gibt es viele. Letztlich kommen nur zwei Varianten infrage. So lautet das Fazit einer Gemeinderatssitzung.

Holzkirchen - Ernüchternd sei der Abend gewesen, sagte Stefan Scheel, Anwohner der Tölzer Straße in Holzkirchen. Zuversichtlich gab sich indes Christian Hirschberg von der Schutzgemeinschaft gegen Verkehrsbelästigung in Holzkirchen. Schon der Blick auf die Interpretation der Diskussionsveranstaltung im Oberbräu-Saal zur Südumfahrung zeigte: Von Einigkeit kann nicht die Rede sein. Das liegt in der Natur der Sache. Tierschutz muss gegen Lärmschutz abgewogen werden, und ob es überhaupt einer Umfahrung bedarf, scheint vielen aus Sicht der Nachhaltigkeit fraglich. Viel Konfliktpotenzial also.

Obwohl seit Januar 2021 klar ist, dass eine ortsferne Umfahrung, die südlich von Holzkirchen, Großhartpenning und Kurzenberg verläuft, aus Gründen des Artenschutzrechts nicht gebaut werden darf, hat sich mit der sogenannten Variante 3.2 eine neue Option ergeben. Diese führt im Süden an Großhartpenning vorbei und tangiert Kurzenberg – im Gegensatz zur bisherigen Variante 3 – im Norden. Wie Andreas Dorsch vom gleichnamigen Ingenieurbüro in seiner faunistischen Analyse präsentierte, stehen jedoch auch dieser Trasse naturschutzrechtliche Bedenken entgegen. Er nannte Hage sowie Wohnräume von Insekten, Vögeln und Fledermäusen. Sein Fazit: „Man kann diese Trasse naturschutzrechtlich nicht bauen, da es anderswo ohne Schäden machbar ist.“

Zwei Varianten kommen infrage

Anderswo – so wurde in der Sitzung deutlich – heißt: Infrage kommen die Varian-ten 4 und 5. Variante 4 führt zwischen Klein- und Großhartpenning entlang, Variante 5 verbindet die B 13 und die B 318 im Süden Holzkirchens.

Dritter Bürgermeister Albert Kraml (CSU) brachte seine Enttäuschung über die Ergebnisse von Dorschs Analyse zum Ausdruck: „Sind denn Fledermäuse mehr wert als Menschen?“, fragte er. Seiner Berechnung nach gebe es lediglich auf einer Strecke von nur 140 Metern ein sehr hohes Konfliktpotenzial mit dem Naturschutzrecht. Es ärgere ihn, erklärte Kraml, dass man die von seiner Fraktion befürworteten Varianten wegen dieser 140 Meter nicht weiterverfolge. Fraktionssprecher Sebastian Franz sprach gar von einem „schweren Tag für alle Holzkirchner“.

Wolfgang Huber (SPD) und Torsten Hensel (FWG) forderten eine eigene faunistische Analyse für die Varianten 4 und 5. Im Süden gebe es nichts Neues, fasste Hensel die bisherigen Ergebnisse einer südlichen Umfahrung Kurzenbergs zusammen. Die Holzkirchner hätten es aber verdient, bei den nun übrig gebliebenen Trassen genauer hinzusehen. Robert Wiechmann (Grüne) betonte, dass es bei den Raumwiderstandsanalysen von Dorsch nicht nur um technische Aspekte gehe, sondern um „Recht und Gesetz“. Nun gelte: „Wer Südumfahrung sagt, sagt Variante 4 und 5.“

Finanzierungsplan erst später

Bekanntermaßen steht seine Fraktion einer Südumfahrung ablehnend gegenüber. Von Holzkirchner Bürgern, die im Saal anwesend oder per Livestream zugeschaltet waren, wurden die Kosten angesprochen. Derzeit werden für die beiden Trassen 4 und 5 zusammen rund 85,5 Millionen Euro veranschlagt. Laut Matthias Kreuz vom Staatlichen Bauamt Rosenheim, das für das Projekt zuständig ist, werde ein detaillierter Finanzierungsplan aber erst im weiteren Prozess entstehen. Teurere Projekte, wie etwa eine von Josef Sappl senior (CSU) ins Spiel gebrachte Tunnelvariante, würden indes vom Bund nicht bezahlt.

Die im Gespräch mit unserer Zeitung von Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) gemachte Äußerung, wonach der Bund die Variante 5 auch dann bauen könnte, wenn die Holzkirchner diese Variante ablehnen – sie steht im Bundesverkehrswegeplan als „vordringlicher Bedarf“ –, wurde von Kreuz so nicht bestätigt. Der Bund habe festgestellt, er werde die Umfahrung nicht realisieren, wenn die Gemeinde sie ablehnt, sagte Kreuz.

Vonseiten des Bund Naturschutz kam die Frage, ob die Holzkirchner Umgehung im Rahmen eines voraussichtlich 2030 neu gefassten Bundesverkehrswegeplans kassiert werden könnte. Weder Kreuz noch Schmid wussten hierauf eine Antwort. „Ich bin fern davon, mich an einer Spekulation zu beteiligen“, sagte Schmid.

Bevölkerung soll mitentscheiden

Die Argumente aus der Bürgerschaft und aus dem Gemeinderat sind alle nicht neu. Welchen Einfluss sie haben, wird sich möglicherweise noch im Laufe dieses Jahres zeigen. Geht es nach Bürgermeister Schmid, darf die Bevölkerung im Herbst über die Varianten 4 und 5 abstimmen. Es sei ihm wichtig, betonte der Rathauschef abschließend, dass viele Menschen mitentscheiden. Voraussetzung freilich ist ein entsprechender Gemeinderatsbeschluss. Von Andreas Wolkenstein

Die Südspange wird bereits seit Jahren diskutiert. Schon im Jahr 2020 gab es Befürworter und Gegner.

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