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Für Verkehrsentlastung soll eine Südspange auch am Ortsrand von Holzkirchen gen Hartpenning sorgen.

Südspange im vordringlichen Bedarf

Begeisterung in Fraktionen bleibt aus

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Holzkirchen - Die Nachricht, dass die Holzkirchner Südspange Priorität genießt, ist eine Woche alt. Bald soll sich der Gemeinderat positionieren. So richtig freuen kann sich in den Fraktionen bisher keiner. 

Christoph Schmid fasst es treffend zusammen: „Begeisterungsstürme gibt es keine“, sagt der CSU-Fraktionsvorsitzende. Ähnlich sieht es in den anderen Fraktionen aus. Alle haben die Nachricht, dass die Südspange in greifbare Nähe gerückt ist, noch nicht verdaut. CSU, SPD, FWG und Grüne müssen sich beraten, sammeln. Ein erstes Stimmungsbild fällt verhalten bis wolkig aus. 

Die Südspange hatte die Gemeinde tief gespalten. Manche Bürgerinitiativen wünschten sich eine Umfahrung, andere kämpften gegen sie an. Gemeinderäte waren sich uneins. Der Gemeinderat entschied sich erst zu positionieren, wenn die Trassen Aufnahme im neuen Bundesverkehrswegeplan (BVWP) finden. Genau das ist jetzt passiert. 

Wie berichtet, steht die ortsnahe Südspange im "vordringlichen Bedarf".  Die Umfahrungen für Hartpenning und Kurzenberg reihen sich dahinter im „weiteren Bedarf mit Planungsrecht“ ein. Der BVWP legt fest, welche Projekte in den nächsten 15 Jahren Vorrang haben. Das letzte Wort ist damit nicht gesprochen. Seit Montag können Bürger per Öffentlichkeitsbeteiligung mitdiskutieren. Erst dann wird festgelegt, was gebaut wird. Auch danach sind Projekte von der Finanzlage abhängig. Für die Südspange sind elf Millionen Euro veranschlagt. 

Grünen-Fraktionsvorsitzender Robert Wiechmann betont: „Wir bedauern, dass das Mobilitätskonzept vor der Veröffentlichung nicht fertig war.“ Egal, ob man nun pro oder contra Umgehung sei. „Die nächsten 15 Jahre passiert da eh nichts.“ Um so wichtiger sei es, dass die Gemeinde selbst etwas tut. „Wir müssen das Mobilitätskonzept weiterführen.“ Für die Grünen sei wichtig, dass Bürger das Wort haben, vielleicht in Form eines Bürgerentscheids. Grundsätzlich stehe er persönlich allen Umfahrungen kritisch gegenüber. 

SPD-Fraktionsvorsitzender Elisabeth Dasch hat die Nachricht überrumpelt: „Wir finden es schade, dass der Entwurf vor der Öffentlichkeitsbeteiligung bekannt wurde.“ Diese wirke nun wie eine Alibiveranstaltung. Die SPD hätte auch gern das Mobilitätskonzept fertig gebracht. „Wir dürfen das nicht aus den Augen verlieren.“ Immerhin könne sich die Realisierung der Südspange ziehen. „Wir sind der Meinung, dass wir die Südumgehung nicht benötigen.“ Denn insgesamt dominiere laut den Zählungen des Verkehrsexperten Ralfs Kaulens der hausgemachte Verkehr. Dass Hartpenning und Kurzenberg hinten runterfallen, sei der Tod von Hartpenning. Schließlich locke die Südspange mehr Verkehr an. 

Dieser Punkt bereitet FWG-Fraktionsvorsitzender Birgit Eibl Bauchschmerzen. Es sei unglücklich, wenn nur einzelne Ortsteile profitieren. Genau deshalb sei die alte, vom Tisch gefegte ortsferne Umgehung so interessant gewesen. „Weil alles aus einem Guss war.“ Nachteile für kleine Ortsteile befürchtet gleichermaßen Schmid. „Mir wäre es lieber, wenn alle drei Trassen denselben Planungsstand hätten.“ Genau das hatte Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) vergangene Woche gegenüber unserer Zeitung geäußert. Die CSU wolle sich ebenfalls verstärkt mit der Bürgersicht auseinandersetzen, so Schmid. Ob in Form eines Ratsentscheids – so wie von den Schwarzen mal angedacht – lässt er offen. Auch Schmid hätte es besser gefallen, wenn das Mobilitätskonzept fertig gewesen wäre. Dennoch kann er der Nachricht Positives abringen: „Mich freut es, dass unser Verkehrsproblem im Bund anerkannt worden ist.“ 

Weniger erfreut ist Peter Limmer, Kopf der „Bürgervereinigung gegen die geplante Umgehungsstraße von Holzkirchen“. „Ich bin überrascht, dass es die Südspange so weit nach vorne geschafft hat“, meint er. „Aber wir machen jetzt keine große Panik, immerhin ist es noch ein weiter Weg dorthin.“ Entscheidend sei, viele Vorschläge des Mobilitätskonzepts umzusetzen. Sein Verein werde Stellung zum BVWP beziehen. Christian Weidinger, Kopf der IG Lochham, die gegen eine Umfahrung ist, schüttelt den Kopf: „Das Projekt ist absoluter Wahnsinn.“ Er ist enttäuscht, zweifelt an der Glaubwürdigkeit der Politiker. Sein Verein wird keine Stellungnahme abgeben. Das bringe nichts. 

Wie berichtet, erwägt von Löwis (CSU) eine Sondersitzung zur Südspange. Bis dahin wollen sich die Fraktionen überlegen, ob sie Anträge einreichen.

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