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Verleger und Autor Georg Paulus aus Holzkirchen ist überzeugt, dass die Demokratie in der Krise neue Entscheidungswege braucht.

Systemisches Konsensieren: Holzkirchner Verlag will mit Buch die Politik verbessern

Neue Wege für die Demokratie

Was viele wollen, muss doch für die meisten richtig sein - oder? Krisen in der Demokratie werfen die Frage auf, ob das bisherige Mehrheitsprinzip wirklich dazu taugt, abzubilden, was „das Volk“ denn will. Das Systemische Konsensieren zeigt einen anderen Weg auf. Und ein Holzkirchner Verlag will mit einem Buch darüber die Politik verbessern.

Holzkirchen – In der derzeit praktizierten Form der Demokratie setzt sich das durch, was eine Mehrheit auf sich vereinen kann – egal ob mit 51 oder mit 99 Prozent. Je knapper die Mehrheit, desto größer ist aber der Kreis der Verlierer – und damit die Unzufriedenheit. Der Holzkirchner Verleger und Autor Georg Paulus hält dieses Mehrheitsprinzip für veraltet und falsch. Ein echter gemeinsamer Konsens würde schnell und ohne Verlierer zum Erfolg führen. In Paulus’ Danke-Verlag erschien jetzt ein Buch von Autor Siegfried Schrotta mit dem Titel „Lebendige Demokratie“. „Die aktuellen Schwierigkeiten, eine neue Regierung zu bilden, hätte man mit Hilfe des Buches schnell in den Griff bekommen“, sagt Paulus.

„Systemisches Konsensieren“ heißt die Methode, die Schrotta mit seinem Systemanalytiker-Kollegen Erich Visotschnig seit den 70er-Jahren entwickelt hat – und die immer mehr Anhänger in Demokratie-Debatten findet. Gerade für die Politik scheint sie Paulus wie gemacht. „Freilich kann man dieses Prinzip auch in allen anderen Bereichen des Lebens anwenden“, sagt der 64-jährige Holzkirchner. Beim Konsensieren wird nicht der Vorschlag gesucht, der die meisten Zustimmungen erhält – sondern der, der am wenigsten Ablehnungen erfährt. „Das führt dazu, dass es am Ende keine Verlierer gibt und sich jeder besser repräsentiert fühlt“, erklärt Paulus.

In seinem aktuellen Buch „Lebendige Demokratie“ widmet sich der Holzkirchner als Co-Autor vor allem der politischen Praxis. Schließlich sollten politische Entscheidungen dem Gemeinwohl dienen und nicht dem Vorteil weniger Privilegierter. Oft werde beim Lösen von Problemen aber keine Einigung erzielt, sondern ein Konflikt ausgelöst. „Das ist das Grundproblem der Mehrheitsdemokratie“, meint Paulus. Gerade das aktuelle Scheitern der Regierungsbildung zeige, dass das Mehrheitsprinzip versage. „Da gehen wertvolle Monate mit jeder Menge Parteienstreit, Wahlkampf, Koalitionsverhandlungen und Schlammschlachten verloren.“ Ein Großteil der aufgewendeten Energie werde im Gegeneinander verbraucht. „Leider zulasten des Gemeinwohls.“

Der Holzkirchner Verleger hat auch den Holzkirchner Psychologen und Coach Josef Maiwald als Co-Autor hinzugezogen. Ihr Buch haben sie bereits an den hiesigen Gemeinderat verteilt. Paulus würde sogar den Bundestag damit ausstatten, so überzeugt ist er von der Methode. „Das Buch ist aber nicht nur für Politiker gedacht. Auch Familien, die sich nicht einigen können, wo der nächste Urlaub hingehen soll, können mit dieser Methode eine gütliche Einigung finden, mit der alle Familienmitglieder zufrieden sind“, sagt Paulus.

Das Buch „Lebendige Demokratie“ ist für 18,50 Euro im Buchhandel oder auf der Homepage des Verlags erhältlich. Wie das mit dem Konsensieren eigentlich funktioniert, das kann manhier sogar selbst testen.

kasu/ag

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