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Rund 60 Interessierte schauten sich die künftige Asylbewerberunterkunft an der Frühlingstraße an. Bürgermeister Olaf von Löwis (Mitte) beantwortete Fragen. 

Tag der offenen Tür in Asylbewerberunterkunft

Flüchtlingsheim: Bürger stellen viele kritische Fragen

Ehemalige Polizei: Beim Tag der offenen Tür durften Besucher einen Blick in die künftige Asylbewerberunterkunft werfen. Und kritische Fragen stellen. 

Holzkirchen – Der Flur der neuen Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber im ehemaligen Polizeigebäude war gerammelt voll. Mehr als 60 Interessierte kamen zum Tag der offenen Tür und nahmen die neuen Räumlichkeiten unter die Lupe – noch bevor die Bewohner einziehen. Bei den Führungen durch die Wache an der Frühlingsstraße wurden viele Fragen gestellt.

Ein Besucher fragte, ob man die Männer nach Religion und Herkunftsland trenne. „Wenn wir wissen, dass es zu Konflikten zwischen zwei Männern kommt, werden wir diesen freilich nicht in einem Zimmer unterbringen. Darauf achten wir“, erklärte Stefan Köck vom Landratsamt. Bürger Heiner Hahn (77) möchte gerne Asylbewerber persönlich kennenzulernen. „Bis jetzt haben wir nur positive Erfahrungen gemacht. Am Herdergarten sehen wir oft Asylbewerber. Sie verhalten sich ganz normal und sind angenehm“, meinte der Rentner. „Wir hoffen auf eine gute Nachbarschaft und keine Enttäuschung.“ In den Räumen gibt es Stockbetten, dünne Matratzen, einfache Schränke und Tische. „Das ist wahrlich kein Luxus hier, aber es ist funktional“, meinte Marion Siblewski (57). Sie lobte den Standort. „Mitten im Ort, da können sich die Asylbewerber gut integrieren, besser als so abseits wie in der Traglufthalle.“ Außerdem hätten Bewohner mehr Privatsphäre. „Ich habe keine Zweifel, dass Holzkirchen die 35 jungen Männer verträgt. Es geht uns doch allen sehr gut hier, wir sollten wohlwollend sein.“

Bürgermeister Olaf von Löwis betonte, dass die Entscheidung, welche Asylbewerber eines der 35 Betten belegen, in Zusammenarbeit mit Helferkreis und Landratsamt erfolge. „Wir legen großen Wert darauf, dass genau die Flüchtlinge hier einziehen dürfen, die bereits einer Arbeit nachgehen, oder eine Ausbildung absolvieren“, sagte er. „Es sollen Menschen sein, die bereits gut in Holzkirchen integriert sind.“ Leider gebe es nur 35 Plätze, aber 170 Asylbewerber, die in der Traglufthalle leben, die im April wegkommt. „Wir wissen, dass viele von ihnen gerne hier wohnen möchten.“ Löwis hofft, dass bald Klarheit herrscht. „Rund 50 ziehen zurück in den Container, die restlichen 85 werden auf den Landkreis Miesbach und andere Landkreise verteilt.“

Vor dem Tag der offenen Tür fand im Rathaus ein Treffen mit Anwohnern der Frühlingsstraße statt. 15 Personen waren gekommen und haben laut Löwis kaum Bedenken wegen der neuen Nachbarn geäußert. „Da wir diese Unterkunft mit uns bekannten Flüchtlingen belegen, gehen wir davon aus, dass es zu keinen größeren Problemen kommen wird.“ Die Sorge, dass die neue Unterkunft schnell runtergewohnt wird, wie einst die Container, die saniert werden mussten, sei unbegründet. „Wenn etwas kaputt geht, werden die Asylbewerber zur Kasse gebeten. Sollte jemand bewusst etwas demolieren, muss er die Unterkunft verlassen.“

Der Freistaat steckte rund 860 000 Euro in den Umbau der Wache. Noch im Februar sollen die 35 Bewohner, ausschließlich Männer, einziehen. Die Caritas Asylsozialbeauftragten Claire Ruminy und Andrea Schneider werden voraussichtlich an vier Tagen die Woche ihr Büro vor Ort besetzen. Ein Mitarbeiter des Dienstleisters European Homecare ist täglich anwesend.

Kathrin Suda

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