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Gefährliche Querung der Nordspange: Wäre hier eine (teure) Fahrradbrücke nötig gewesen?

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Von: Andreas Höger

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Kritischer Übergang: An dieser Stelle (links mündet der Otterfinger Weg ein) quert der Teufelsgraben-Radweg die Nordspange. Holzkirchens Radbeauftragter Stefan Oestreich (v. l.), ADFC-Ortssprecherin Steffi Seiler und Tim Roll (ADFC-Kreisverband) hätten sich einen kreuzungsfreien Übergang durch eine Brücke gewünscht. Die Radler-Passage ist für Autofahrer schlecht einsehbar.
Kritischer Übergang: An dieser Stelle quert der Teufelsgraben-Radweg die Nordspange. Holzkirchens Radbeauftragter Stefan Oestreich (v. l.), ADFC-Ortssprecherin Steffi Seiler und Tim Roll (ADFC-Kreisverband) hätten sich einen kreuzungsfreien Übergang durch eine Brücke gewünscht. © Thomas Plettenberg

Endlich hat heuer der Bau des Teufelsgraben-Radwegs zwischen Otterfing und Holzkirchen begonnen. Die Arbeiten laufen – und es häuft sich Kritik an einer Schwachstelle: Die Querung der Nordspange. Wäre hier eine Fahrradbrücke angeraten gewesen?

Holzkirchen/Otterfing – Hartmut Romanski, bis 2020 Beauftragter für Fuß- und Radverkehr in der Marktgemeinde, hatte die Idee. Als die Planungen für den Teufelsgraben-Radweg entlang der Bahntrasse vor vier Jahren konkret wurden, brachte er eine Fahrradbrücke über die Nordspange ins Gespräch. Das Gelände mit der etwas tiefer liegenden Autostraße hätte sich angeboten, die Brücke hätte den Weg kreuzungsfrei in den Otterfinger Weg Richtung Bahnhof überführt. „Aus Kostengründen wurde die Brücke damals leider abgelehnt“, sagt Stefan Oestreich, der im Vorjahr Romanskis Nachfolge antrat.

„Vorschnell und falsch“ sei diese Entscheidung aus heutiger Sicht wohl gewesen, glaubt Oestreich; angesichts gut gefüllter Fördertöpfe und „fahrradfreundlicher Ziele“ der Verkehrspolitik hätte man die Brücke unter Umständen nicht so schnell ad acta legen dürfen. Andererseits: Die Brücke wäre teuer geworden, räumt Oestreich ein. Nicht ausgeschlossen, dass sich die Baukosten in Höhe von 735 000 Euro verdoppelt hätten. „Und das zusätzliche Bauwerk hätte den Radweg wohl nochmals verzögert“, glaubt Oestreich.

Teufelsgraben-Radweg: Querung ist für Autofahrer schlecht einsehbar

„Von einer solchen Brücke habe ich erst vor ein paar Wochen zum ersten Mal gehört“, sagt Holzkirchens Bürgermeister Christoph Schmid (CSU). Seines Wissens sei die Brücken-Option in den politischen Gremien nie ein Thema gewesen. Die Kritik am gefährlichen Nordspangen-Übergang habe auch erst eingesetzt, nachdem im Sommer mit dem Bau begonnen worden war. „Die Pläne waren nicht geheim, die kannten auch die Otterfinger“, sagt Schmid. Dass es sich um eine kritische Stelle handelt, sei klar gewesen: „Deswegen gab es Ortstermine mit Polizei und Verkehrsbehörden.“

Zur Sicherung des Übergangs ist baulich nicht allzu viel vorgesehen. Von Otterfing kommend bremst die Radler in leichter Abwärtsfahrt zwar eine Linkskurve, die auf die Querungshilfe zuführt. Die Wartezone auf der Insel wurde von zwei auf 2,50 Meter aufgeweitet, damit ein Fahrrad Platz hat. „Aber für ein Lastenfahrrad oder ein Rad mit Anhänger ist es immer noch zu knapp“, stellte Tim Roll vom ADFC-Kreisverband fest, als er jüngst mit ADFC-Kollegin Steffi Seiler (zuständig für Holzkirchen) und Oestreich die Situation in Augenschein nahm.

„Der Übergang liegt wirklich ungünstig“, sagt Oestreich. Aus beiden Richtungen können Autofahrer – dort gilt Tempo 50 – die Passage erst spät sehen. Otterfinger Gemeinderäte, unter anderem Ulrike Stockmeier (FLO), fürchten, dass Otterfinger Jugendliche hier auf ihrem Schulweg einer zu großen Gefahr ausgesetzt sind. Um Autofahrer auf die Querung hinzuweisen, ist eine Beleuchtung vorgesehen. Warnschilder („Radfahrer kreuzen“) und Banner sollen die Aufmerksamkeit erhöhen. Schmid will zudem den Einsatz von Schulweg-Helfern prüfen und verstärkt die Verkehrsüberwachung einsetzen, um Schnellfahrer zu disziplinieren.

Eine Ampel würde Autos behindern - und Radfahrer

„Ich fürchte, das wird nicht reichen“, glaubt Oestreich. Er wünscht sich nach Fertigstellung des Wegs im Frühjahr Verkehrszählungen, um valide Daten des Rad- und Pkw-Aufkommens am Übergang zu bekommen. Von Markierungen hält er nichts: „Das gaukelt eine Sicherheit vor, die es nicht gibt.“ Sollte sich speziell in Sachen Schulweg Handlungsbedarf ergeben, müsse man sich über eine Drückampel Gedanken machen. „Aber das würde sowohl Autos als auch Radler stark behindern“, weiß Oestreich.

Also doch eine teure Brücke bauen? „Vielleicht lässt sich die Brücke nachrüsten“, schlägt Otterfings Bürgermeister Michael Falkenhahn (SPD) vor. Bekanntlich soll die Teufelsgraben-Passage einmal Teil einer großen Radschnellverbindung von München an den Tegernsee werden. Wesentliches Merkmal soll die Durchgängigkeit sein – mit wenig (gefährlichen) Kreuzungspunkten, die einen Halt verursachen. „Vielleicht kann die Brücke wieder Thema werden, wenn das nächste Teilstück ansteht“, sagt Falkenhahn. „Es wäre ein Zeichen, dass Radverkehr so viel wert ist wie Autoverkehr“, sagt Tim Roll.

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