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Gewappnet für den Internet-Dschungel: Greta Werner (m.) und Leonie Lisanik lernen in den Smartcamp-Workshops von Referenten wie Schauspieler Cedric Sprick, der berufsbedingt sehr aktiv ist in den Sozialen Netzwerken.

Interview

„Auf Social Media läuft viel schief“: Tipps zum bewussten Umgang mit Facebook & Co.

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Die neunten Klassen des Gymnasiums Holzkirchen wurden in Workshops im Umgang mit Medien geschult. Wir haben uns mit einem Referenten und Schülerinnen über ihre Erfahrungen unterhalten.

Holzkirchen – Facebook ist out. Zumindest bei Jugendlichen im Alter von Leonie Lisanik (15) und Greta Werner (14). Die beiden Schülerinnen des Gymnasiums Holzkirchen nutzen, wie viele ihrer Klassenkameraden, vor allem Snapchat und Instagram. Beliebte Apps fürs Smartphone, über die die Nutzer Fotos mit bunten Filtern verschicken beziehungsweise posten können. Abwechslungsreich, interaktiv, einfach. Doch genau diese Einfachheit birgt auch Risiken. Im Smartcamp (siehe Kasten) wurden die Neuntklässler nun vier Tage lang in selbstständiger Medienkompetenz geschult. Cedric Sprick (27) ist einer der Referenten. Sein Workshop: Medienknigge. Was hinter diesem Begriff steckt und was Leonie und Greta aus dem Seminar mitnehmen, verraten die Drei im Interview. Ein Gespräch über den Umgang mit Sozialen Medien und den Umgang miteinander auf Whatsapp und Co..

-Herr Sprick, Freiherr von Knigge beschrieb in seinem Buch „Über den Umgang mit Menschen“, wie man sich seinen Nachbarn und seinem Ehepartner gegenüber verhalten soll. Sie erweitern das Spektrum um Medien. Wie passt das zum Benimm-Profi Knigge?

Sprick: Das passt insofern, da es bislang keine Regeln gibt, wie ich mich in den Sozialen Netzwerken verhalten sollte. Diese Regeln werden erst etabliert. Und dadurch, dass Probleme entstehen, muss darüber geredet werden. Rechtlich ist es gar nicht möglich, hinterher zu kommen. Deswegen ist es wichtig, bei den Leuten, die es nutzen, bei ihrem Verhalten und Bewusstsein anzusetzen, damit sie sich sicher fühlen.

-In Ihrem Workshop geht es also nicht nur um den Umgang untereinander, sondern auch darum, wie ich mich selbst im Internet präsentiere?

Sprick: Wichtig ist vor allem: Wie präsentiere ich mich nicht. Das ist entscheidend. Lieber unterpräsentiert sein, als irgendetwas hochzustellen.

-Greta und Leonie, gibt es Sachen, die Ihr niemals ins Internet stellen würdet?

Greta: Logisch. Private Fotos wie Bilder im Bikini würde ich nie hochladen. Ganz schlimm finde ich es auch, wenn jemand Fotos von anderen hochlädt, ohne sie zu fragen. Meistens sind das irgendwelche peinlichen Bilder. Die sind dann im Internet – und man kann sie nicht mehr löschen.

-Abgesehen von Fotos, welche Informationen würdet Ihr nie veröffentlichen?

Leonie: Manche Sachen gehen die anderen einfach nichts an. Wie mein Haustier heißt, auf welche Schule ich gehe oder wo ich wohne. Das hat niemanden zu interessieren.

-Sind das genau die Dinge, die Sie in Ihrem Kurs vermitteln?

Sprick: Genau. Erstmal ist es wichtig, dass jeder für sich schaut, was er preisgeben will und was nicht. Es gibt unterschiedliche Menschen, die unterschiedliche Sachen zeigen wollen. Die Daten sind aber das Entscheidende. Ein Freund von mir, ein Fotograf, wurde ausgeraubt, weil er gepostet hat, dass er in den Urlaub fährt. Sein ganzes Equipment wurde geklaut.

-Welche Richtlinien zum Umgang miteinander geben Sie den Schülern noch mit an die Hand?

Sprick: Dass man selbstverantwortlich vorgeht. Und auch dass man anderen gegenüber ein faires Verhalten zeigt. Wie heißt es so schön: Behandele andere so, wie du selbst gerne behandelt werden willst. Das gilt auch für Social Media. Dort läuft viel schief.

-Haben Sie ein Beispiel?

Sprick: Auf Whatsapp werden Leute in Gruppen gedisst oder dadurch fertiggemacht, dass sie gar nicht in der Gruppe sind. Das ist eine typische Sache.

-Apropos Hass-Kommentare: Der Respekt geht ja gerade in Sozialen Netzwerken schnell verloren. Wie schulen Sie die Schüler?

Sprick: Es geht eigentlich immer ums Bewusstsein. Damit sie mitbekommen, was kann eigentlich passieren. Wenn jemand im Internet gehatet wird, passiert das unter der Oberfläche. In der Schule bemerkt man das vielleicht gar nicht. Deswegen ist es wichtig, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, was es mit den Leuten macht. Selbst wenn der Betroffene den „dummen Kommentar“ in dem Moment weglacht.

-Wie geht man mit solchen verletzenden Kommentaren um?

Sprick: Wichtig ist, dass man Verantwortung übernimmt. Einmal für sich selbst, indem man Nein sagt. Zum Beispiel: Ich möchte auf diesem Foto nicht sein. Aber auch wenn man mitbekommt, dass jemand gehatet wird. Dann sollte man sich beim Opfer erkundigen, wie es ihm geht. Gleichzeitig aber auch denjenigen aktiv ansprechen, der den anderen niedermacht.

-War Euch diese Wirkung bewusst?

Greta:An der Schule oder bei meinen Freunden habe ich noch nichts mitbekommen. Aber auf Youtube schon.

Leonie: Solche Kommentare sind einfach komplett unnötig.

Greta: Vor allem ziehen einen solche Kommentare runter. Aber genau das wollen die Verfasser ja erreichen.

-Im Medienknigge-Workshop habt Ihr vier Goldene Regeln gelernt. Welche sind das?

Greta: Nein ist Nein. Das muss man akzeptieren.

Leonie: Qualität vor Quantität. Alles, was ich poste, sollte eine gewisse Qualität haben, genauso das, was ich mir anschaue.

Greta: Und eben, so wenig Informationen preisgeben wie nur möglich.

Sprick: Nummer vier ist: Lass andere aus dem Spiel. Heißt: Hole andere nicht in deinen Wunsch rein, wie du dich online präsentieren willst.

-Sind das Ratschläge, die sich umsetzen lassen?

Leonie: An sich kann man sie realisieren. Das Problem ist die breite Masse. Wenn wir es aber an der Schule machen, ist das schon mal ein Anfang.

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