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Junge und Junggebliebene erfreuten sich an den Modellen beim neunten Dampfmaschinentreffen. Hinten im Bild Erich Schaller (rotes Hemd) vor seinem Schiff. Er ist extra aus Weilheim ins Batusa-Stüberl gekommen.

„Hier wird der alte Mann zum Kind“

Warum das Dampfmaschinen-Virus so ansteckend ist

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Männer lieben Spielzeug. Das hat ein Besuch beim neunten Dampfmaschinentreffen im Holzkirchner Batusa-Stüberl mal wieder gezeigt. Dort, wo alte Herren zu Kindern werden.

Holzkirchen – Der Geruch von Gas liegt in der Luft. Immer wieder pfeift es aus allen Ecken – wie auf einem altertümlichen Bahnhof. Rund 30 Menschen, einige Kinder und vor allem Senioren, tummeln sich um die Tische im Holzkirchner Batusa-Stüberl und staunen über das, was sie dort zu sehen bekommen: Dampfmaschinen. „Hier wird der alte Mann zum Kind“, sagt Erich Schaller. Der 70-Jährige ist extra aus Weilheim angereist. Zum neunten Dampfmaschinentreffen.

Der 70-Jährige ist es auch, der die wohl eindrucksvollste Maschine im Gepäck hat: ein Holz-Boot, rund einen Meter lang, um das sich neugierige Zuschauer scharen. „Das lasse ich immer mal wieder ins Wasser, beispielsweise am Mollsee in München“, erklärt Schaller. Vom Tank im vorderen Drittel des Rumpfes strömt Gas in den Brenner, wo Wasser erhitzt wird. Dabei entsteht Wasserdampf, der wiederum den Zylinder bewegt. Dieser treibt dann die Turbine am Heck an. Eine Zeitlang hat Schaller auch Modellflugzeuge gebaut. „Da sind mir aber einige davon, deswegen baue ich nur noch Schiffe. Die können höchstens absaufen.“

Seit mittlerweile einem Jahrzehnt treffen sich die Dampfmaschinenfreunde jedes Jahr. Ursprünglich im Café Kraml, inzwischen im Batusa-Stüberl. „Außer letztes Jahr“, sagt Initiator Martin Walleitner aus Holzkirchen. „Da ist es ausgefallen, weil einige gestorben sind.“ Seine Begeisterung für Dampfmaschinen hat mehrere Gründe. Zum einen die historische Bedeutung, schließlich war der Dampf die erste echte Antriebskraft. Zum anderen ein unerfüllter Wunsch in der Kindheit. „Als ich klein war, habe ich mir immer eine Dampfmaschine gewünscht, aber keine bekommen“, erinnert sich Walleitner. „Mit 60 habe ich mir dann doch eine gekauft.“

Die hat der Rentner auch dabei. Eine 40 Jahre alte, elektrisch geheizte Dampfmaschine, die inzwischen nicht mehr gebaut wird. Sammlerwert: rund 2000 Euro. Walleitner kann daran verschiedene Module anschließen, die die Maschine dann bewegt. In diesem Fall einen Holzarbeiter, dessen Beil immer wieder auf ein Holzscheit hinabsaust. Der Initiator hat auch selbst Maschinen gebaut. „Die lass’ ma aber lieber daheim“, sagt der 83-Jährige mit einem Lächeln.

Ganz anders hält es der Holzkirchner Jürgen Altmann mit seiner Dampfmaschine, die beinahe vollständig aus Pappe gefertigt ist. Das ist die wohl größte Kuriosität des diesjährigen Treffens, angetrieben wird sie von fünf Teelichtern. „Den Bausatz hat mir meine Tochter zu Weihnachten geschenkt“, sagt der 70-Jährige. „Die weiß, dass ich ein Tüftler bin.“ Seitdem hat das Dampfmaschinen-Virus auch Altmann gepackt. Bis zum nächsten Treffen will er selbst eine bauen, dann aber aus Metall. Mit seiner eigenen Fräsmaschine.

Rund ein Jahr hat der Holzkirchner Zeit, dann feiern die Dampfmaschinenfreunde nämlich Jubiläum. Laut Initiator Walleitner wird es das auch geben, „wenn ma des no dalebn“.

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