Drama im Hambacher Forst: Journalist stirbt bei Sturz aus großer Höhe

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Baustelle Geothermie: In der Alten Au haben die Arbeiten für die Fernwärme-Zentrale begonnen.

Projekt im Nachbarlandkreis kolossal gescheitert

Trotz Kosten-Explosion: Holzkirchen will mit Geothermie Millionen machen

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Die Heißwasser-Bohrungen sind geklückt, jetzt beginnen in Holzkirchen schon bald die Bauarbeiten am Geothermie-Kraftwerk. Das wird zwar richtig teuer, verspricht aber hohe Erlöse.

Holzkirchen Der Fehlschlag ist komplett. Das Geothermieprojekt bei Geretsried-Gelting (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) fand auch in einer zweiten Bohrung nicht genug Wasser in der Tiefe. Vor vier Jahren hatte die Firma Enex ein erstes Mal gebohrt. Die Schüttung erwies sich zu dürftig, es floss zu wenig Wasser zu.

Im Mai 2016 folgte ein zweiter Versuch mit einer abgelenkten Bohrung.Finanziell half der Bund, dafür wurden Geologie-Forscher eingebunden. Obwohl gezielt eine Abbruchkante im Malm erbohrt wurde, erwies sich auch diese Stelle als zu trocken. Laut Enex wurde die erhoffte Fördermenge von 50 Litersekunden nicht erreicht. Zum Vergleich: Die Holzkirchner Bohrungen brachten bei der ersten Bohrung über 60 Liter (140 Grad), bei der zweiten rund 50 Litersekunden bei über 150 Grad. Die beteiligten Forscher sollen jetzt ergründen, warum der Malm dort so wenig ergiebig ist.

Albert Götz, Geschäftsführer der Gemeindewerke und Chef des Holzkirchner Geothermieprojekts, hat eine Ahnung, warum Enex scheiterte. Zwar liegt Gelting wie Holzkirchen über dem süddeutschen Molassebecken, das in einer Tiefe von 4000 bis 5000 Metern grundsätzlich Thermalwasser verspricht. „Aber die Geologie unterscheidet sich doch“, sagt Götz. Wichtigster Unterschied: die Temperatur. Unter Gelting ist der Malm so heiß, dass aufgrund chemischer Prozesse die Klüfte im eigentlich porösen Malm verklebten. Im Ergebnis fließt weniger Wasser zu. „Es fehlt die Durchlässigkeit“, glaubt Götz. Bitter für die Investoren. „Wir haben unserem Nachbarprojekt die Daumen gedrückt“, sagt Götz, „leider vergebens.“

In Holzkirchen ist der Untergrund nicht ganz so heiß, das Wasser fließt erfreulich reichlich den Bohrstellen zu. „Das war nicht nur Glück“, betont Götz. Die Erdöl-Funde früherer Jahre in der Region Holzkirchen seien im Vorfeld deutliche Anzeiger dafür gewesen, dass hier der Malm nicht ganz so heißen Temperaturen ausgesetzt ist. „Das wussten wir“, sagt Götz. „Es hat uns bestärkt, das Risiko einzugehen.“

Inzwischen sind in der Alten Au die Bauarbeiten für die Fernwärme-Zentrale angelaufen. „Mit dem Strom-Kraftwerk beginnen wir im Frühjahr, wenn der Frost vorbei ist“, sagt Götz. Den Auftrag bekam der italienische Turbinenhersteller Turboden. Das Unternehmen baut damit nach eigenen Angaben das fünfte Geothermie-Kraftwerk im bayerischen Molassebecken – nach Sauerlach, Dürrnhaar, Kirchstockach und Traunreut.

Die Leistung beträgt 3,4 Megawatt (elektrisch) und soll vor allem im Sommer die Geothermie-Energie verstromen. Im Winter wird die Thermalkraft vordringlich verwendet, um den Holzkirchnern via Fernwärme einzuheizen. Das Kraftwerk mit Luftkühlung baut Turboden zusammen mit der Firma Arens Anlagenbau GmbH aus Niedersachsen. Schlüsselfertig soll der Komplex im ersten Quartal 2019 an die Geothermie Holzkirchen übergeben werden. Schon Ende 2018, so hofft Götz, läuft die Fernwärme-Nutzung an.

Richtig Geld verdient die Geothermie Holzkirchen, sobald die Verstromung anläuft. Götz lächelt: „Im Kraftwerk, da steckt die Musik drin.“ Die auf 20 Jahre garantierte EEG-Vergütung verspricht schöne Renditen. Laut dem Kraftwerks-Hersteller Turboden darf mit jährlichen Erlösen von rund sechs Millionen Euro gerechnet werden.

Allerdings waren die Bohrungen und sind die Kraftwerke auch keine billige Angelegenheit. Die Marktgemeinde stellte elf Millionen Euro Anschubfinanzierung zur Verfügung. Heuer schoss das Rathaus weitere 2,85 Millionen Euro nach. Nächstes Jahr werden noch einmal 2,83 Millionen als Kapitaleinlage überwiesen; zusätzlich kann die Geothermie GmbH ein Darlehen der Gemeinde in Höhe von 2,83 Millionen in Anspruch nehmen. Insgesamt stecken dann knapp 20 Millionen Euro Steuergeld in der Holzkirchner Geothermie.

Weitere Geothermie-Projekte in der Region

Trotz des Rückschlags in Gelting bleibt das Oberland weiterhin Geothermie-Revier. In Icking (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen), unweit der Garmischer Autobahn, soll das derzeit größte Geothermieprojekt Deutschlands entstehen: Die Erdwärme Bayern GmbH will bis zu 30 Megawatt (MW) Strom erzeugen, was dem Verbrauch von 50.000 Haushalten entspricht. Zum Vergleich: Das Holzkirchner Kraftwerk wird auf 3,4 MW ausgelegt. Die Geothermieanlage in Sauerlach erreicht fünf MW, in Weilheim plant die Erdwärme Bayern eine Anlage mit 26 MW. In das Ickinger Mammutprojekt will der finnische Finanzdienstleister Taaleri 160 Millionen Euro stecken. Auch die Stadtwerke München setzen weiter auf Tiefengeothermie. Auf dem Gelände des Heizkraftwerks Süd sind ab Februar 2018 sechs Bohrungen geplant. Die Energie soll für Fernwärme genutzt werden.

avh

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