Unsere Kolumne zum Wochenende

Unser Fotograf weigert sich, Bild von Radlern ohne Helm zu machen - und das ist gut so

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Weil einige von ihnen keinen Helm trugen, weigerte sich unser Fotograf, eine Gruppe Radfahrer abzulichten. Ein korrekte Haltung, findet unser Redakteur Florian Prommer.

Ich erinnere mich noch gut an die Diskussionen mit meinen Eltern. Damals im Alter von zwölf Jahren, vielleicht war ich auch schon dreizehn. In jedem Fall war es in einer Phase meines Lebens, als es darum ging, „cool“ zu sein. Im Freundeskreis, in der Fußballmannschaft, in der Schule. Cool sein war in und verdammt wichtig. Und zum Cool-sein gehörte es definitiv nicht, einen Fahrradhelm zu tragen. Es war das exakte Gegenteil. Mit dem Helm auf dem Kopf ins Training fahren? Uncool!

Also diskutierte ich gegen die bis dato unumstößliche Regel im Hause Prommer an: Wenn du Fahrrad fährst, trägst du einen Helm. Punkt. Sie können sich vorstellen mit welchem Erfolg. Meine Eltern blieben standhaft – wie unser Fotograf Andreas Leder diese Woche. Er ist selbst zweifacher Papa. Seine väterliche Konsequenz vertritt er aber nicht nur am heimischen Esstisch, sie schlug sich nun im Job nieder.

Er sollte ein Foto schießen von der Radel-Gruppe, die überprüfte, wie fahrradfreundlich Holzkirchen ist. Ein Schnappschuss und weiter. Von wegen. Es entspann sich eine Diskussion. Kollege Leder weigerte sich nämlich, die Teilnehmer zu fotografieren, wie sie durch die Gegend radelten, da nicht alle einen Helm trugen. „Wie soll ich das meiner Tochter erklären?“, argumentierte er. Schließlich darf die nur mit Helm in die Schule fahren und tadelt ihn, wenn er bei gemeinsamen Touren keinen trägt. Und am nächsten Morgen sieht sie in der Zeitung helmlose Radler. Ergo: Kein Foto auf dem Fahrrad.

Der soll sich mal nicht so anstellen, mögen einige von Ihnen jetzt denken. Ich finde: Gut so, Andi. Und das trotz meiner Vergangenheit als renitenter Helm-Gegner. Heute weiß ich, dass mir meine Eltern mit ihrer Beharrlichkeit nicht den fragwürdigen Weg zu mehr Coolness verbauen wollten. Sie waren um meine Sicherheit besorgt, weil sie die Gefahren für Radfahrer im Verkehr besser einschätzen konnten als jemand, der ein Auto bis dahin weitestgehend von der Rückbank kannte.

Holzkirchen bewirbt sich um das Prädikat fahrradfreundliche Kommune, nicht um das Prädikat coolste Kommune. Nur ist eine fahrradfreundliche Kommune eben auch eine für Radfahrer sichere Kommune. Und diese Sicherheit fängt auf dem Kopf an. Ja, es gibt in Deutschland keine gesetzliche Helmpflicht, und es geht hier auch gar nicht darum, die Moral-Keule zu schwingen. Aber die Marktgemeinde will in Sachen Radl-Freundlichkeit Vorbild sein für andere Kommunen im Landkreis. Es wäre ein Leichtes gewesen, bei diesem offiziellen Termin in Sachen Helm ein Vorbild zu sein für die Kleinsten im Landkreis.

Die Foto-Debatte endete mit einem Kompromiss. Alle stiegen ab, stellten sich an den Straßenrand, und Kollege Leder drückte auf den Auslöser. Meine Eltern und ich einigten uns damals, wenn auch mit ein paar Jahren Verzögerung, auch auf einen Kompromiss. Auf welchen, muss ich Ihnen leider schuldig bleiben. Ist ein paar Jährchen her. Jedenfalls radelte ich fortan ohne Helm ins Training. Cooler war ich deswegen nicht.

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fp

Rubriklistenbild: © dpa / Lino Mirgeler

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