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Der Max unter den Kritischen: Horst Eberl gab sich als hintersinniger Beobachter des allzu Menschlichen. Sein schräger Humor ergänzte das Spiel seiner Mitstreiter Carmen Jahrstorfer und Tobias Öller.

Launiges „Treffen der Generationen“

Vergnügliche Stiche: „Drei Kritische“ begeistern bei Kabarett im Fools

Wer beim Watten die „Drei Kritischen“ auf der Hand hat, der ist fein raus. Genauso erging es den Besuchern des Kabarettabend im gut besuchten Fools-Theater in Holzkirchen.

Holzkirchen – Wer beim bayerischen Kartenspiel Watten die „Drei Kritischen“ auf der Hand hat, den Max, den Welli und den Spitz, der ist fein raus. Genauso erging es den Besuchern im gut besuchten Fools-Theater des Holzkirchner „Kultur im Oberbräu“. Sie bekamen einen vergnüglichen Kabarettabend geboten, zu dem sich drei höchst verschiedene kritische Charaktere zusammen taten: Carmen Jahrstorfer, Tobias Öller und Horst Eberl.

Das Trio ergänzte sich gut, jeder überzeugte in seinem eigenen Stil. „Treffen der Generationen“ hieß es im Untertitel – und tatsächlich war die altersmäßige Spannweite der drei Protagonisten auffällig.

Bleibt man im Bild des Kartenspiels, gab die junge Carmen Jahrstorfer den Spitz, die dritthöchste Karte – hier in Bezug aufs Alter gemeint und auf die Bühnenerfahrung. In der Altstadt von Passau aufgewachsen, ist sie es gewohnt, dass hier „jedes Jahr das Alte Testament durchgespielt wird, auf dem Schlachtfeld der Elemente mit Hochwasser und Sturm“. Ihre Schauspielausbildung war nicht zu übersehen, gekonnt setzte sie Mimik, Gestik und Sprache. „I war scho moi im Fernsehen“, erklärte sie verschämt, „fürs Reality-TV, fürs Prekariat“, wo sie ein halbseidenes Mädchen gespielt hat, eine „Bitch“, wie man heute sagt. Seit Me-Too wisse sie, was sie bei Castings erwartet. Im Lied dazu drehte sie den Spieß um und sang: „Ich zieh mich erst mal aus und mach mich gleich mal nackig.“ Models („Dafür bin i z’fett“) arbeiten für Jahrstorfer oft „als Lenkdrachen beim Gleitschirmfliegen, weil sie so dünn sind, dass sie der Wind wegweht“.

Lokalmatador Tobias Öller schöpfte aus seinem reichen Füllhorn an Liedern und Texten, präsentierte eine saukomische Milieustudie und seine Erlebnisse mit den Anhängern des Death Metal und des Hip-Hop Anfang der 90er Jahre, überzeugte mit eigenen Liedern und dem Bruce-Springsteen-Cover „Bei mir dahoam“.

Als cooler und rücksichtsloser Immobilienmakler erklärte Öller, der „Welli“ unter den Kritischen, den 58 Bewerbern, warum sie als Mieter nicht so geeignet wären: Etwa Singles, weil sie, wenn sie schon keine Familie ernähren können, wohl auch nicht zum Begleichen der Miete fähig wären. Und so jagte ein bitterböser Gag den anderen.

Der Dritte im Bunde, Horst Eberl aus Pleiskirchen, gab den Herz-König, den Max. Er ist Liedermacher in der Tradition eines Fredl Fesl, mit dem er auch befreundet ist, ohne ihn jedoch zu kopieren. Mit wachem Blick und schrägem Humor schaut er in seinen Liedern dem Volk aufs Maul, nahm alltägliche Problemen und Pannen auf die Schippe, dachte quer und verdreht und hielt dem Publikum den Spiegel vor, in dem sich jeder wiederfinden konnte.

Dabei war Eberl nie verletzend und begleitete seine hintersinnigen Texte mit feinem Gitarrenspiel – und mit einem riesigen Augenzwinkern, etwa in „I raff’s ned, i schaff’s ned“. Er komme halt immer zu spät, sang er jammernd, spekulierte aber immerhin darauf, „dass i mein eigenen Tod aa a wenig versam“,

Die drei Kritischen werden im Fachjargon bekanntlich auch als „Maschin“ bezeichnet. Auch Jahrstorfer, Öller und Eberl ergaben eine gut geschmierte Kabarett-Maschine, die höchst vergnügliche Stiche machten.

Von Reinhold Schmid

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