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Formen, die Klarheit ausstrahlen: Riccardo Milazzo stellt seine Werke im Gewölbe des Kultur im Oberbräu aus.

Vernissage im Kultur im Oberbräu

Jedes Bild ein eigener Kosmos

Konventionen sind ihm egal, seine Kunstwerke verschenkt er: Mit Riccardo Milazzo präsentiert sich derzeit ein ungewöhnlicher Künstler im Kultur im Oberbräu. Seine Zeichnungen strahlen eine subtile Anziehungskraft aus.       

Holzkirchen – Riccardo Milazzo steht im Gewölbe des Kultur im Oberbräu. Er lässt seinen Blick ein wenig unschlüssig über seine Werke schweifen. „Die Leute hier im Oberbräu haben gesagt, so etwas haben sie noch nicht gesehen.“

Gezeichnet hat er ursprünglich mit Pigment-Tusche-Stift auf Papier. Linie für Linie zog er nebeneinander. Frei Hand. Wie wirken die filigranen DIN-A5-Zeichnungen vergrößert und auf Leinwand?

Das wollte er wissen. Also hat er sie eingescannt und drucken lassen. „Nur ein paar miteingescannte Staubkörner“ habe er retuschiert. Sonst sind die Zeichnungen unbearbeitet. Die klaren Formen fügen sich schön in die Architektur des Gewölbes.

Wie er seinen Stil selbst beschreibt? „Grafisch auf alle Fälle“, springt seine Mutter, Künstlerin Waltraud Milazzo, in die Bresche. Die Frage nach seinem Stil ist eine der Konventionen, um die sich Milazzo nicht schert. Eines steht fest: Seine Zeichnungen üben Anziehungskraft aus.

Allein die Formen. Sie strahlen Klarheit aus. Sind radikal reduziert. Gesichter im Profil, die ein ums andere Mal an afrikanische Masken erinnern und archaisch wirken. In seiner in Blautönen gehaltene Serie „blue relations“ blicken sie stets in entgegengesetzte Richtungen. In sich gekehrt. Und dennoch verbunden. Sie stehen für Komplexes: Beziehungen zwischen Menschen.

In jedem Bild tut sich ein Kosmos auf. Man kommt nicht umhin, über sich nachzudenken. Wie ist meine eigene Rolle in Beziehungen zu meinen Mitmenschen? Welche gesellschaftlichen Zusammenhänge deutet Milazzo an? Relations – also Beziehungen – überschreibt er seine Werkschau. Vieles ist nicht so klar, wie es scheint. Oder wie es Menschen in Schubladen pressen. Ein Mädchen. Rechts daneben ein Junge.

Zartrosa und Baby-Blautöne kommen in beiden Bildern vor. Wie in jedem Menschen eben Weibliches steckt und Männliches. Was auch immer das jeweils ist. Denn in der Natur gibt es kein Schwarz oder Weiß. Alles ist kontinuierlich. Abgestuft. Meint Milazzo vielleicht das?

Er lächelt nur. Keine Antwort. Er möchte, dass sich Betrachter ihre eigene Meinung bilden. Kunst studieren? „Das inspiriert mich nicht“, sagt er. Sein Garten in Rottach umso mehr. Hier denkt er nach. Über Quantenphysik und Philosophie. Und hier fasste er den Entschluss: Er verschenkt die Werke der Holzkirchner Werkschau. Als Statement. „Als Umkehrung zum Kunstmarkt, zu unserem Kaufverhalten.“

Einen Kostenbeitrag möchte er haben. Sonst nichts. Sich Kunst leisten können, das soll nicht vom Geldbeutel abhängen. „Bist du verrückt“, hätten sie gesagt, lacht seine Mutter. Aber er sei eben „ein Künstler“, beschreibt sie ihren Sohn. Unkonventionell. Mit immer neuen Ideen. Einer, der sich traut, seine ganz eigene Sicht der Dinge zu artikulieren.

Er freue sich, wenn sich jeder eines seiner Bilder leisten kann. Er empfinde es als Geschenk, wenn eines seiner Werke bei jemandem an der Wand hängt, versetzt er. Kunst sei so oder so unbezahlbar. „Für eine Mutter ist das Gekritzel ihres Kindes möglicherweise das größte Kunstwerk.“

Und das könne es auch sein, „warum das Gekritzel von Twombly in der Brandhorst Galerie mehrere Millionen kostet.“ Reine Willkür, sagt Milazzo. „Alle Preise beziehen sich nur auf meine Druck- und Unkosten – meine Kunst schenke ich Euch! Abholen zum Ende der Ausstellung.“ Wer sich einen Milazzo sichern möchte, hat bis Ende September Gelegenheit dazu.

Johanna Wieshammer

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