Und gemeinsam darin leben

Verrückte Idee: Gruppe von Holzkirchnern will Wohnraum für 70 Menschen bauen

  • schließen

Vom Stammtisch zur Baugenossenschaft: Aus einem Treffen in einer Wirtschaft und einer losen Idee hat sich in Holzkirchen eine Initiative mit handfesten Zielen entwickelt. Ein Interview.

Holzkirchen – „Gemeinsam anders wohnen“ strebt ein Baugenossenschaftsmodell an, in dem soziale Werte und das gegenseitige Einanderhelfen großgeschrieben werden. 

Und darum geht es: Statt wie bislang als Initiative will sich „Gemeinsam anders wohnen“ künftig als Genossenschaft organisieren, erklärt Oppermann: „So ist sichergestellt, dass das Gewinninteresse hinten ansteht.“ Zwar steckt die Initiative noch in den Kinderschuhen, im vorläufigen Konzept, das Oppermann und seine Mitstreiter ausgearbeitet haben, sind aber konkrete Zahlen hinterlegt. Geplant ist ein Bau mit 35 Wohneinheiten (30 bis 140 Quadratmeter) für rund 70 Personen. Im Haus untergebracht werden sollen auch ein Waschraum mit Waschmaschinen und Trocknern, ein Kinderspielzimmer sowie eine möblierte Gäste-Wohnung, in der Bewohner ihren Besuch gegen geringe Miete einquartieren können. Infos: gemeinsamanderswohnen@gmx.de.

Im Interview erklärt Sprecher Sebastian Oppermann, worauf es in der Gemeinschaft ankommt, wieso ein Mitglieder-Casting deswegen durchaus hilfreich wäre und wie Jung und Alt vom Konzept profitieren können.

Herr Oppermann, warum braucht Holzkirchen eine zweite Baugenossenschaft?

Oppermann: In Holzkirchen sind Wohnungen knapp. Vor allem die für Leute, die keine Superverdiener sind. Da hat die Baugenossenschaft Holzkirchen schon Großartiges geleistet. Aber es ist ja so, dass sie sich in den vergangenen Jahren auf die Instandhaltung des Bestandes konzentriert hat. Da ist verständlicherweise das Bauen ins Hintertreffen geraten.

Sie wollen also weniger als Konkurrent auftreten, sondern eher in die Bresche springen?

Oppermann: Ich sehe es generell nicht als Konkurrenz, weil das genossenschaftliche Modell ein Miteinander ist. Da ist Konkurrenzdenken fehl am Platz. Wenn man sich den Wohnungsmarkt anschaut, kann es gar nicht genug Genossenschaften geben.

Viele Genossenschaften beschränken sich auf die reine Bautätigkeit. Ihre Vision geht ein gutes Stück weiter. Es soll eine Gemeinschaft entstehen und geformt werden.

Oppermann: Richtig, das spiegelt sich ja in unserem Namen wider. Nicht nur nebeneinander her, sondern miteinander wohnen. Das Miteinander ist ein ganz zentrales Ziel. Dass man sich gegenseitig unterstützt, dass man Synergieeffekte nutzt.

Wie soll das funktionieren?

Oppermann: Der eine ist handwerklich begabter als der andere, dafür hat jemand anderes einen grünen Daumen. So kann man sich mit seinem Wissen und Fähigkeiten unterstützen. Was auch dazu führt, dass ältere Menschen möglichst lange in der Wohnung leben können. Und nicht, nur weil die Person nicht mehr einkaufen gehen können, in ein Altenheim müssen. Das Einkaufen kann von einem Nachbarn übernommen werden.

Diese Struktur – jung und alt bunt gemischt – soll über die Größe der Wohnungen geregelt werden. Gibt es Beispiele, wo das funktioniert?

Oppermann: Das, was wir uns für Holzkirchen wünschen, gibt es andernorts schon. Die Wogeno in München testet sogenannte Cluster-Einheiten, die man früher salopp als WG bezeichnet hat. Das ist immer mehr im Kommen, und das gibt es auch für Senioren. Innerhalb der Cluster können sich die Bewohner aber in ihre eigenen vier Wände zurückziehen.

In Ihrem Konzept sind bereits erste Zahlen verankert. Lose Anfragen oder handfeste Interessenten?

Oppermann: Wir haben im Moment 40 Unterstützer, von denen die Hälfte konkret Wohnraum sucht. Die Erfahrung, auch von anderen Genossenschaften, hat gezeigt: Wenn man so einen Gemeinschaftsgedanken hat, wird dieser umso einfacher zu leben, umso mehr Personen auf dem Areal wohnen. So hängt man nicht aufeinander, und es treten seltener Konflikte auf.

Viele Bewohner, viele Charaktere treffen dort aufeinander. Einig müssten die sich vor allem in einem sein, damit das Zusammenleben funktioniert: die Überzeugung, sich einbringen zu wollen. Braucht es dafür ein Casting?

Oppermann: Klar, wir werden an dem Konzept noch arbeiten. Grundvoraussetzung ist am Ende aber, dass man sich damit identifiziert. Wenn das nicht der Fall ist, dann passt man eben nicht zusammen. Einen sozialen Charakter sollte man mitbringen, sonst ist die Idee der Nachbarschaftshilfe obsolet. Andernfalls wird die Person in diesem Konstrukt nicht glücklich – und alle anderen auch nicht. Wenn Sie das Casting nennen wollen, bitte (lacht).

Was Sie beschreiben, geht weit über eine Zweck-Genossenschaft hinaus. Ist Ihr Ansatz eher eine Genossenschaft mit Herz?

Oppermann: Definitiv. Eben ein genossenschaftliches Modell, das dem Menschen zugutekommt – und nicht dem Objekt. Dafür müssen wir das Rad nicht neu erfinden. Es gibt überall Projekte, die auf diese Weise funktionieren. Allein hier in Holzkirchen das Repair-Café. Daraus ist der Gedanke entstanden, einen Werkraum einzurichten. Da kann ich hingehen, wenn mein Fahrrad kaputt ist, ich aber zwei linke Hände habe.

Was muss man mitbringen, um Mitglied zu werden?

Oppermann: Wir sind ja noch eine Initiative, daher können Sie noch nicht Mitglied werden. Aber wir sind um jede Person dankbar, die unsere Vision mitträgt und Tatkraft einbringt, um unsere Vision Wirklichkeit werden zu lassen.

Wie konkret ist diese Vision denn? Haben Sie etwa schon ein bestimmtes Grundstück ins Auge gefasst?

Oppermann: Wir haben schon mit verschiedenen Baugenossenschaften in der Region Gespräche geführt und abgetastet, was machbar ist und was nicht. Auch bei der Gemeinde haben wir angefragt. Aber noch ist alles offen.

Rubriklistenbild: © Anemone123/Pixabay

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Toyota übersehen, Unfall verursacht - und einfach weggefahren
Als er ein geparktes Auto überholte, drängt ein Holzkirchner den entgegenkommenden Toyota in einen Ford. Anhalten wollte er deswegen nicht.
Toyota übersehen, Unfall verursacht - und einfach weggefahren
Fahrraddiebstahl in Darching - Polizei sucht Zeugen
Der Valleyer (37) sperrte sein Radl mit einem Zahlenschloss am Freitagmorgen am Valleyer Bahnhof ab und fuhr in die Arbeit. Am Abend war das Rad weg. Die Polizei …
Fahrraddiebstahl in Darching - Polizei sucht Zeugen
Zwei Kunststücke und acht Elefanten
Platznot, das war einmal. Die Otterfinger Schule hat im neuen Anbau Raum für die Zukunft gewonnen. Am Freitag wurde die Erweiterung festlich eingeweiht, im Beisein der …
Zwei Kunststücke und acht Elefanten
Wer macht denn sowas? Radl an der Grundschule aufgeschlitzt
Dieser Schultag nahm kein gutes Ende für mindestens vier Kindern oder Lehrer der Grundschule Holzkirchen. An ihren Fahrrädern haben sich unbekannte Rowdys vergangen.
Wer macht denn sowas? Radl an der Grundschule aufgeschlitzt

Kommentare