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Ein Mann und sein (teures) Hobby: Das Fundament für die Sternwarte hat Martin Weiss beim Hausbau gießen lassen. Kuppel, Teleskope und die montierten Kameras folgten. Programmiert hat der Ingenieur alles eingenhändig.

Sternwarte Holzkirchen 

Vom Küchentisch ins All: Zu Besuch in der Holzkirchner Sternwarte

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Wenn Martin Weiss in ferne Galaxien linsen möchte, muss er nur seine Terrassentür aufmachen. In seinen Garten hat er sich eine Sternwarte gebaut. Ein teures Hobby mit divenhaften Zügen.

Holzkirchen – Die weiße Kuppel fällt auf. Keine Frage. Als hätte jemand ein Iglo mitten ins Holzkirchner Grün gebaut. Nur eben nicht aus Eis, sondern aus Metall. Seit Martin Weiss sie vor drei Jahren in seinem Garten hat aufstellen lassen, brodelt die Gerüchteküche in der Nachbarschaft. Was sich darunter wohl versteckt? Ein Whirlpool? Ein Springbrunnen? Oder gar eine Raketenabwehranlage?

„Die Älteren kennen das ja noch aus Kleinhartpenning“, sagt Weiss. Er muss grinsen. Freilich hat er keine Raketenabwehranlage im Garten. Die Realität ist vielleicht weniger spektakulär, aber nicht minder interessant. Weiss, 42 Jahre alt und zweifacher Familienvater, ist Hobby-Astronom. Hinter seinem Haus im Süden der Marktgemeinde hat er sich seine eigene kleine, aber feine Sternwarte eingerichtet.

Im Inneren der Kuppel versteckt sich das Herzstück der Warte. Auf den kräftigen mechanischen Arm sind drei Teleskope montiert. Ein Linsen-, ein Kontroll- und ein fast 50 Kilo schweres Spiegelteleskop. Ausgerichtet ist die Montierung auf den Polarstern. Per Knopfdruck visieren die Teleskope das gewünschte Objekt im All an. Planeten, Sterne oder Galaxien. „Der Motor dreht sich genauso schnell wie die Erde, um deren Bewegung zu folgen“, erklärt Weiss. Anders würden die Aufnahmen, die er von den Weltraum-Motiven macht, verschwimmen.

Was sich eigentlich ganz simpel anhört, ist in Wahrheit hoch kompliziert. Für ein gutes Foto (Belichtungszeit mindestens fünf Minuten) muss alles stimmen. Kein Vollmond, weil zu hell. Der Himmel muss klar sein, sonst erkennt man nichts. Das gewünschte Objekt darf auch nicht zu tief am Firmament stehen. Und sobald Nebel die Sicht verhängt, bleibt die Sternwarte sowieso zu. „Sie ist schon eine kleine Diva“, sagt Weiss schulterzuckend.

Er selbst hat es da leichter. Ist es ihm im Winter draußen zu kalt, setzt er sich drinnen im wohligwarmen Haus auf ein Bankerl in der Küche und steuert seine Teleskope per Mausklick. Über seinen Laptop kann er sie ausrichten und bedienen. Das Programm hat er selbst entwickelt, die Technik draußen im Garten eigenhändig zusammengeschraubt. „Ich bastel aber immer noch viel dran“, erzählt Weiss, der als Ingenieur arbeitet. Mit der Sternwarte sei es wie mit einer Modelleisenbahn: „Wenn sie fertig ist, ist sie langweilig.“

Während Weiss die unendlichen Weiten des Weltraums heute vom Küchentisch aus erkunden kann, musste er zu Schulzeiten, als ihn die Faszination packte, auf den Stadlberg kraxeln, um mit einem portablen Teleskop in die Sterne zu spähen. „Richtig Spaß macht es aber halt erst mit der richtigen Ausrüstung“, sagt Weiss. Er wurde älter, die Ausrüstung immer kostspieliger. Weiss weiß: „Es ist ein teures Hobby.“ Wie teuer? Seine Sternwarte habe den Wert eines Autos. Marke und Modell verrät er nicht. Nur so viel: „Es liegt noch im fünfstelligen Bereich.“

Obwohl er eine sündhaft teure Sternwarte sein Eigen nennt, zieht es ihn hin und wieder auf den Taubenberg. Ganz ohne Ausrüstung. In einer klaren Nacht biete der Gipfel ein Sternenspektakel fürs bloße Auge. Davon haben auch andere Hobby-Astronomen Wind bekommen. „Im Winter, wenn der Himmel klar ist, herrscht da oben Volksfeststimmung“, sagt Weiss.

Auch im Weiss’schen Garten kam es unlängst zu einem Menschenauflauf. Als sich der Mond ob der totalen Finsternis rot färbte, versammelten sich im Laufe des Abends gut 50 Holzkirchner um die Sternwarte. Die einen kamen wegen des Himmelsphänomens. Die anderen, und das würden sie wohl nie zugeben, weil sie endlich wissen wollten, was sich in dem Iglo versteckt.

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Besuch in der Sternwarte

Wer sich die Sternwarte von Martin Weiss anschauen möchte, darf gerne vorbeikommen, sagt er. Einen Termin vereinbaren können Interessierte unter www.stern warte-holzkirchen.de.

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