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Im Erlebnisgarten können sich die Kinder des Kinderhauses austoben. Hier mit Hausleiterin Christine Schaal (l.) und Heilpädagogischer Leiterin Heidi Bechtold.

Kinderhaus in Föching feiert Geburtstag

Vom Sektenverdacht zum Erfolgsmodell: Montessori wird 30

Anfangs wurde das Konzept schief beäugt, jetzt feiert das Montessori Kinderhaus Holzkirchen sein 30-jähriges Bestehen. Am Samstag, 22. Juli, steigt das große Jubiläumsfest.

Föching– Lautes Lachen hallt durch den Flur, kleine Füße tippeln über den Holzboden, ein Kinderlied erklingt. Voller Leben präsentiert sich das Montessori Kinderhaus mit seinen rund 50 Kindern im Herzen Föchings. Doch es war nicht immer ganz einfach. Der Montessori-Pädagogik wurde vor 30 Jahren eine Sektenzugehörigkeit nachgesagt. Die Gemeinde und der damalige Holzkirchner Bürgermeister Albert Seiler mussten von der Gründerin, Bärbel Klaukien, zur Gründung überredet werden. „Es wurde gemunkelt, dass Montessori etwas mit den Zeugen Jehovas oder Scientology zu hat. Das hat sich aber schnell in Wohlgefallen aufgelöst“, erinnert sich der damalige Kämmerer Hans Jennerwein. Fortan stand Klaukien nichts mehr im Weg, und sie begann die ersten Kinder – wegen fehlender Räumlichkeiten – in ihrem Wohnzimmer zu betreuen. Heute ist der Kindergarten gar nicht mehr aus der Gemeinde wegzudenken. Jetzt feiert die Einrichtung an der Schulstraße 4 in Föching ihr 30-jähriges Bestehen.

23 Jahre lang fand der Kindergarten zunächst eine Heimat an der Tölzer Straße in Holzkirchen, vor sieben Jahren zog er nach Föching. Viel geändert habe sich in den 30 Jahren am pädagogischen Konzept nicht. „Die Kinder entscheiden selbst, in welchem Tempo sie etwas lernen wollen“, erklärt Hausleiterin Christine Schaal (42). „Es ist immer wieder erstaunlich, wie wissbegierig die Kleinen sind, wenn sie dürfen und nicht müssen.“

Durch die hohe Anzahl von 15 Integrationskindern konnte das pädagogische Personal aufgestockt werden. Es gebe drei Kindergarten-Gruppen, die von je drei bis vier Personen betreut werden, weiß Heidi Bechtold, Heilpädagogische Leiterin. „Wir haben viel Zeit und spielen mit den Kindern, so können wir sie individuell fördern.“ Was sich verändert hat, sei der Umgang der Eltern. „Bei uns wird viel nachgehakt. Wir sind sehr stark im Kontakt mit den Eltern, das war früher anders“, sagt Schaal.

Mittlerweile sei es völlig normal, dass sich viele Mütter gegen ein Leben als Vollzeitmutter entscheiden und lieber arbeiten. „Wir sehen das sehr entspannt und wissen, das Wichtigste ist, dass das Familiensystem gut funktioniert, egal ob beide Elternteile arbeiten oder nur einer“, erklärt Bechtold. Deswegen habe man die Betreuungszeiten angepasst und verlängert. Für Bürgermeister Olaf von Löwis ist der Kindergarten eine Bereicherung für die Marktgemeinde. „Das Montessori Kinderhaus vervollständigt das umfangreiche Betreuungsangebot und komplettiert die Vielfalt.“ Immerhin gebe es in Holzkirchen 15 Kitas, in denen rund 1000 Kinder betreut werden.

Platz zum Entfalten der kleinen Persönlichkeiten steht zur Verfügung. Drei große Gruppenräume mit jeweils 70 Quadratmetern Fläche laden zum Spielen und Erforschen ein. Zusätzlich wurde gerade der Garten zu einem Erlebnispark umgearbeitet. „Wir haben jetzt einen Wasserlauf, eine Lehmecke, Holzbausteine, eine Rutsche, eine Schaukel und zwei Baumhäuser“, sagt Bechtold. Vor ein paar Jahren noch gab es Ambitionen, eine Montessori-Schule in Holzkirchen zu gründen. „Leider hat sich das alles zerschlagen. Die Pläne liegen brach“, sagt Schaal.

Katrin Suda

Das Jubiläumsfest

findet am Samstag, 22. Juli, von 14 bis 17.30 Uhr statt. Es kommen auch ehemalige Kindergartenkinder, die mittlerweile erwachsen sind und selbst Nachwuchs haben. Auf dem Programm stehen Theater- und Tanzaufführungen der Kindergartenkinder, Kinderschminken, ein Besuch vom Kasperl und ein Bilderbuchkino. Für das leibliche Wohl ist ebenfalls gesorgt.

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