Am besten nicht stören und Abstand halten: Hornissennester dürfen nicht einfach beseitigt werden. Im Landkreis gibt es spezielle Berater, die Tipps geben, wie ein Zusammenleben unter einem Dach funktionieren kann.
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Am besten nicht stören und Abstand halten: Hornissennester dürfen nicht einfach beseitigt werden. Im Landkreis gibt es spezielle Berater, die Tipps geben, wie ein Zusammenleben unter einem Dach funktionieren kann.

Experte untersucht Nest in Heignkam

Hornissen im Haus: Zwei Dinge sollte man vermeiden

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
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Hornissen verspeisen lästige Insekten, stechen selten, haben aber ein Image-Problem: Sie wirken bedrohlich. Wer die „sanften Riesen“ zu Hause entdeckt, sollte zwei Dinge nicht tun: In Panik geraten und die Feuerwehr rufen. Ansprechpartner sind vielmehr ausgebildete Hornissenberater.

Holzkirchen – Im Holzkirchner Ortsteil Heignkam fühlte sich Mitte September eine Frau von einem Hornissen-Volk bedroht. Die Rettungsleitstelle vermutete akute Gefahr und alarmierte die Feuerwehr. Ein Trupp der Holzkirchner Wehr rückte aus, um vor Ort aber festzustellen, dass keine unmittelbare Gefahr bestand. „Deswegen haben wir nichts weiter unternommen“, sagt Holzkirchens Kommandant Ludwig Würmseer.

Schließlich übernahm ein Profi: Ein Mitarbeiter der Naturschutzbehörde im Landratsamt besah sich das Nest. „Es kann wohl umgesiedelt werden“, sagt Sophie Stadler, Pressesprecherin des Landratsamts.

Feuerwehr ist nicht mehr zuständig

Die Feuerwehr als schneller Beseitiger von Wespen- oder Hornissennestern – diese Zeiten sind vorbei. „Schon seit einigen Jahren machen wir das grundsätzlich nicht mehr“, betont Kreisbrandrat Anton Riblinger, „es sind geschützte Arten, da dürfen wir gar nicht mehr aktiv werden.“ Die Landkreis-Wehren verfügen deswegen auch weder über die nötige Ausbildung, noch über die passende Ausrüstung.

Geht es um Wespen oder Hornissen, steht im Landkreis mittlerweile eine ehrenamtliche Spezialtruppe zur Verfügung: 21 geschulte und zertifizierte Berater greifen ein, wenn die gelb-schwarzen Hautflügler ihr Nest allzu nah an Menschen bauen. „Wer ein Nest zu Hause oder im Garten entdeckt, kann sich an einen der Berater oder direkt an die Untere Naturschutzbehörde bei uns im Haus wenden“, sagt die Landratsamtssprecherin.

Hornissen sind sehr selten geworden und deswegen sogar stärker geschützt als Wespen. Bewohnte Nester dürfen nicht vernichtet werden. Anders als Wespen gieren deren größere Verwandte – alle gehören zur Familie der „sozialen Faltenwespen“ – nicht nach Zucker und umschwirren deswegen nicht nervös das Marmeladenbrot und den Zwetschgendatschi, sondern jagen Fliegen, Bremsen und Mücken – übrigens auch bei Dunkelheit. Ein Hornissen-Volk erlegt täglich etwa ein halbes Kilo Insekten.

Für eine Umsiedlung braucht es eine Sondergenehmigung

Trotzdem: Die friedlichen Insektenjäger beeindrucken durch bloße Größe. „Die Berater nehmen oft die Angst vor den Insekten“, sagt Stadler. In den meisten Fällen gelinge es, mit einfachen Handgriffen das Zusammenleben Mensch-Hornisse entspannt zu gestalten. Manchmal ist eine Umsiedlung nötig, für die es aber eine Ausnahmegenehmigung der Naturschutzbehörde braucht. Die Tiere werden dann betäubt und umgesiedelt – so wie es jetzt in Heignkam geplant ist. Gibt es vor Ort „zumutbare Lösungen“, erteilt die Behörde in der Regel keine Evakuierungserlaubnis. Ein Beispiel für eine zumutbare Lösung wäre, wenn durch Fliegengitter die Flugrichtung geändert werden kann.

Der Aufwand sei groß, aber gerechtfertigt, findet Stadler: „Gerade beim Artenschutz-Volksbegehren haben zuletzt viele Menschen den Wunsch geäußert, Insekten stärker schützen zu wollen.“ Dieser gesellschaftlichen Entwicklung trage der Gesetzgeber Rechnung.

Gefährlich sind Hornissen nicht wirklich, sie gelten als friedfertig. Aggressiv werden sie nur, wenn man Einfluglöcher ins Nest verstopft. Die gern kolportierte Legende, dass drei Stiche einen Menschen töten und sieben Stiche ein Pferd, ist Unsinn. Experten betonen sogar, dass ein Hornissen-Stich zwar schmerzhaft ist, aber weit weniger Gift in den Körper jagt, als wenn eine Honigbiene ihren Widerhaken in der Haut versenkt.

Hornissen-Berater: Eine Liste mit Hornissen-Beratern gibt es unter www.landkreis-miesbach. de unter Bürgerservice / Information / Formulare und Merkblätter / Artenschutz

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