Justizia mit Waage und Augenbinde
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Vor Gericht stritten die Nachbarn weiter (Symbolbild)

Einstweilige Verfügung

Wasser nicht bezahlt – Leitung abgedreht: Nachbarschaftsstreit landet vor Gericht

Weil der eine über Jahre keine Wasserkosten bezahlte, drehte ihm der Nachbar die Leitung ab. Vor Gericht stritten die Parteien nun wegen einer einstweiligen Verfügung.

Holzkirchen – Richter Reiner König machte gleich zu Beginn deutlich, worum es ihm in der mündlichen Verhandlung vor dem Zivilgericht am Amtsgericht Miesbach ging: „Ich möchte den Sachverhalt darstellen, weil der unklar ist.“

Wie berichtet, hatte ein Holzkirchner (62) Anfang März eine einstweilige Verfügung gegen den 53-jährigen Eigentümer des Nachbargrundstücks in Holzkirchen erwirkt. Dieses hatte der Feldafinger im Jahre 2010 von dem Holzkirchner erworben. Gegenstand der einstweiligen Verfügung war die Wasserversorgung. Der 62-Jährige besitzt ein Leitungsrecht und bezieht daher Wasser über das Nachbarhaus. Ein eigener Zähler für die Abrechnung des Wasserverbrauchs ist indes nicht installiert. Weil der Holzkirchner knapp elf Jahre lang keine Wasserkosten beglichen hatte, drehte ihm sein Nachbar Anfang März das Wasser ab. Dagegen war der 62-Jährige mit einer einstweiligen Verfügung vorgegangen. Diese war nun Thema der Verhandlung.

Naturgemäß hatten die Parteien vor Gericht unterschiedliche Auffassungen darüber, wer einen Fehler begangen hatte. Der 62-Jährige gab an, dass er jahrelang auf eine Kostenabrechnung gewartet habe. Sein Kontrahent aus Feldafing gab zu Protokoll, dass er davon ausgegangen war, es sei ein eigener Zähler vorhanden. Was beim Verkauf des Grundstücks vor elf Jahren besprochen wurde, wollte Richter König wissen. Man habe damals mit dem Architekten alles begutachtet, so der Holzkirchner. „Schon immer“ habe man das Wasser von vorne bezogen, das sei seinem Kontrahenten auch bewusst gewesen. Dieser wiederum sprach seinem Nachbarn das Leitungsrecht nicht ab, verteidigte aber die Kappung der Wasserversorgung. Als er Kenntnis davon erlangte, dass der Nachbar kein Wasser zahle, habe er eine Abschlagszahlung gefordert. Weil dieser aber nichts zahlen wollte, habe der 53-Jährige das Wasser abgestellt. „Wenn man seinen Strom nicht zahlt, liefern die Stadtwerke auch keinen mehr“, gab dessen Anwalt Fardad Shirvani zu bedenken.

Unklar blieb, ob der Schließung des Wasseranschlusses ein Gespräch vorausging. Auch hier gaben die beiden Kontrahenten unterschiedliche Angaben zu Protokoll. Während der Holzkirchner seinem Gegner vorwarf, er führe sich als „König von Bayern“ auf und mache, was er wolle, trug dieser vor, er habe vorab das Gespräch gesucht. Das sei von beiden Seiten nicht optimal gelaufen, urteilte König. In Richtung des 62-Jährigen fragte er: „Sie wissen schon, dass man sein Wasser bezahlen muss?“ Zugleich hätte der Feldafinger vor der Kappung der Wasserversorgung eine Frist setzen können, so der Richter.

Sein Versuch, eine gütliche Einigung anzuregen, scheiterte indes. Gerne einige man sich gütlich, aber nicht heute, gab der Holzkirchner an, der mit Anwältin Marina Bichler gekommen war. Er wolle die Frage nach den Wasserzahlungen in einer eigenen Verhandlung klären. Ob die einstweilige Verfügung bestehen bleibt, wie der Holzkirchner beantragte, oder zurückgewiesen wird, so der Antrag des Feldafingers, darüber wird König Anfang April entscheiden.

Von Andreas Wolkenstein

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