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Mehrfach ohne gültiges S-Bahn-Ticket wurde ein 22-jähriger Holzkirchner erwischt.

Ungewöhnliche Verhandlung

Wegen Schwarzfahren: Gericht verurteilt Holzkirchner

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Fünfmal ist ein Holzkirchner (22) beim Schwarzfahren erwischt worden. Dass er sich deshalb vor Gericht verantworten musste, ist trotzdem ungewöhnlich, hat aber seinen Grund.

Holzkirchen - Es kommt immer wieder mal vor, dass jemand beim Schwarzfahren in der S-Bahn erwischt wird. Ungewöhnlich ist jedoch, dass man dafür vor dem Miesbacher Schöffengericht landet – so wie ein 22-jähriger Holzkirchner.

Mitte September 2015 war der Holzkirchner das erste Mal ins Visier der Fahrkarten-Kontrolleure geraten. Bis Mai 2016 lief er ihnen weitere viermal ohne gültiges Ticket in die Arme. Stets hätte er zwischen 5,40 Euro und 8,10 Euro zahlen müssen. Dass er dies nicht tat, brachte ihm nun eine Anklage wegen des „Erschleichens von geringwertigen Leistungen“ ein. Der Holzkirchner versuchte in der Verhandlung, sein Handeln zu rechtfertigen: „Zweimal bin ich kurz vor knapp zur S-Bahn gekommen. Ich hatte keine Zeit mehr, eine Fahrkarte zu kaufen, weil ich pünktlich zur Schule kommen wollte.“ Richter Schmid entgegnete: „Sie sind aber auch einmal um 20:48 Uhr gestoppt worden und einmal um 0:18 Uhr.“ Er mutmaßte: „Da hatten sie wohl einfach kein Geld mehr in der Tasche.“ Der Holzkirchner nahm diesen Hinweis schweigend zur Kenntnis und zuckte mit den Schultern.

Dass sich der junge Mann wegen des vergleichsweise geringen Schadens überhaupt vor dem Schöffengericht verantworten musste, lag an einer langen Liste an Vergehen. Erst im Januar diesen Jahres war ein Verfahren wegen versuchten Diebstahls mit geringem Schaden eingestellt worden. Davor war der Holzkirchner etliche Male wegen des unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln und dem Handel mit Drogen verurteilt worden.

Nach Ansicht der Staatsanwältin spricht aber auch einiges für den Angeklagten. Er sei geständig, einsichtig und habe die Strafgebühr von fünfmal 60 Euro längst bezahlt. Da er zudem seit acht Jahren in einer stabilen Beziehung lebt und seit September 2016 eine Festanstellung hat, sei es aus erzieherischen Gründen ausreichend, mit sozialen Hilfsdiensten zu reagieren. Da eine Reifestörung nicht auszuschließen sei, sei Jugend-Strafrecht anzuwenden.

Glück hatte der junge Mann, dass es mehrere Monate gedauert hat, bis die Schwarzfahrten angezeigt wurden. So war die jüngste Bewährungsstrafe gerade eben erst abgelaufen. „Die Bewährung hätte auch noch offen sein können“, sagte Schmid. „Sie sind da ein erhebliches Risiko eingegangen.“ Der Richter ermahnte den Angeklagten: „Machen’s das nicht mehr. Ab sofort gilt Erwachsenen-Strafrecht. Und da kann es für Schwarzfahren schon mal Geldstrafen und Freiheitsentzug geben.“  

Richter Klaus-Jürgen Schmid verurteilte den Mann wegen eines Gesamtschadens von 35,10 Euro zum Ableisten von 56 Sozialstunden.

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