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Jedes Jahr ein Magnet: Das Polo-Turnier in Thann zieht regelmäßig Sportler aus allen Teilen Deutschlands und sogar aus dem Ausland an. Wegen Seuchenverdachts bei neun Pferden fällt der Wettbewerb diesmal aber aus.

Mehrere Ställe wurden gesperrt

Wegen Seuchenverdacht: Polo-Turnier in Thann abgesagt

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Hiobsbotschaft für die Veranstalter und Teilnehmer des Polo-Turniers in Thann: Wegen eines Seuchenverdachts bei neun Pferden musste der fürs Wochenende geplante Wettbewerb abgesagt werden. 

Thann – Noch steht nicht fest, ob das Virus überhaupt nach Thann gelangt ist. „Es handelt sich nur um Verdachtsfälle, nicht um einen Ausbruch“, sagt Birger Nemitz, Pressesprecher des Landratsamts. Von neun „Kontakt-Tieren“ spricht die Behörde. Pferde also, die nachgewiesenermaßen Berührungspunkte mit an der Ansteckenden Blutarmut der Einhufer (siehe unten) leidenden Artgenossen hatten. Ob sie tatsächlich an der unheilbaren und tödlich endenden Infektion erkrankt sind, wird derzeit geprüft. Für das von Freitag bis Sonntag in Thann angesetzte Polo-Turnier sind die Auswirkungen fatal. Der Veranstalter, die Pegasus Event Marketing GmbH, hat den sogenannten Bucherer Cup gestern abgesagt.

Die neun Kontaktpferde dürfen laut Nemitz bis auf Weiteres den Stall in Thann nicht verlassen. Nach Auskunft des Amtstierarzts Raimund Hartinger seien sechs von ihnen zuvor auf einem anderen Turnier der Serie in Donauries gewesen. Dort hätten sie Kontakt zu nachweisbar infizierten Polo-Pferden gehabt. In Thann wiederum seien die Tiere dann neben den drei Pferden eines anderen Besitzers gestanden.

Als dem Landratsamt dieser Sachverhalt bekannt wurde, nahm die Behörde unverzüglich Kontakt mit anderen betroffenen Landratsämtern, der Regierung von Oberbayern und dem Bayerischen Umweltministerium auf. Am Mittwochnachmittag seien die Tierärzte dann nach Thann aufgebrochen, um Blutproben von den neun Pferden zu nehmen. Der Bereich nur für Polopferde und zwei angrenzende Ställe seien gesperrt worden.

Grund für die Vorsichtsmaßnahmen ist eine Empfehlung der deutschen Seuchenschutzbehörde. Diese geht davon aus, dass eine Übertragung des Virus im Radius von 100 bis 200 Metern möglich ist. So kann der Erreger nicht nur über Milch, Speichel und Urin, sondern auch durch Stechinsekten wie Bremsen weitergegeben werden.

Ob tatsächlich ein Seuchenausbruch vorliegt und die Quarantänezone deshalb zu einem mindestens ein Kilometer großen Sperrbereich ausgeweitet werden muss, entscheidet sich laut Nemitz am Freitagnachmittag. Dann sollen die Ergebnisse des Schnelltests am Labor des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Schleißheim vorliegen. Vom Sperrbereich betroffene Pferdehalter würden durch das Veterinäramt umgehend über weitere Maßnahmen informiert, so Nemitz. Das endgültige Ergebnis der ersten Tests wird für Mittwoch, 19. Juli, erwartet.

Für die Turnierveranstalter steht hingegen bereits fest, dass sie einen „herben finanziellen Verlust“ einfahren werden, wie es Landrat Wolfgang Rzehak formuliert. Er bedaure die Absage, aber es sei ohne Zweifel die richtige Entscheidung gewesen. Die öffentliche Sicherheit habe klaren Vorrang. „Ich gehe davon aus, dass es auch im Sinne der Pferdebesitzer ist, dass hier kein Risiko eingegangen wurde“, sagt der Landrat.

Laut Nemitz hätte im Fall eines tatsächlichen Ausbruchs die Gefahr einer schleuderartigen Ausbreitung des Virus bestanden. So hätten sich nicht nur Teilnehmer aus ganz Deutschland, sondern auch aus weit entfernten Ländern wie Argentinien zum Polo-Turnier angemeldet. Zum Glück seien die meisten noch nicht angereist gewesen. Der Veranstalter selbst war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Den Besitzern der Kontakttiere, aber auch allen anderen Pferdehaltern in Thann und Umgebung bleibt derweil nichts anderes übrig, als auf die Ergebnisse des Schnelltests zu warten. Reitern mit Pferden empfiehlt Nemitz, sich nach Möglichkeit aus der näheren Umgebung der gesperrten Ställe fernzuhalten. Den Wunsch des Landrats dürften derweil alle teilen: „Hoffentlich sind die Untersuchungsergebnisse negativ.“

Wie gefährlich ist das Virus?

Bei der Ansteckenden Blutarmut der Einhufer (Equine Infektiöse Anämie, kurz EIA) handelt es sich um eine Virusinfektion der Pferde, die mit einer fieberhaften Blutarmut (Anämie) einhergeht und gewöhnlich tödlich endet. Infizierte Tiere bleiben lebenslang Virusträger. Die EIA ist in Deutschland eine anzeigepflichtige Tierseuche, durch die Bekämpfung aber eher selten geworden. Übertragen wird das Virus durch blutsaugende Insekten, aber auch durch ausgeschiedene Körperflüssigkeiten. Die akute Form der EIA endet nach zwei bis vier Wochen tödlich. Bei der chronischen Form können die Tiere über Jahre gesund erscheinen. Wird ein Ausbruch amtlich festgestellt, wird ein Sperrbezirk mit einem Radius von mindestens einem Kilometer eingerichtet. Die erkrankten Tiere werden getötet. Für Menschen besteht grundsätzlich keine Gefahr.

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