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Den Neubau der St. Josef weihte Kardinal Marx (rote Kappe) gestern ein. Hier segnet er den Taufstein.
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Portalritus: Der Kardinal klopft mit dem Bischofsstab an die Tür und bittet den Kirchenrektor, die Kirche zu öffnen.
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100 Ministranten gehen Kardinal Marx zur Hand, wie hier beim Entzünden der Kerze am Taufbrunnen.
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Der Kardinal hält seine Predigt.
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Mit Chrisam salbt Marx den Altar, der dadurch zum Symbol Jesus, „dem Gesalbten“, wird
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Im Altar werden darin Reliquien des Seligen Otto von Freising und des Heiligen Benno beigesetzt.
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Weihrauch wird an fünf Stellen auf dem Altar verbrannt. Ein Symbol dafür, dass die Gebete der Gläubigen zu Gott aufsteigen – so wie Rauch.
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Weihrauch wird an fünf Stellen auf dem Altar verbrannt. Ein Symbol dafür, dass die Gebete der Gläubigen zu Gott aufsteigen – so wie Rauch.

Gut 700 Gläubige strömten in den Festgottesdienst

Weihe der St.-Josef-Kirche: Der Neuanfang nach dem Exil

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Einen Tag vor dem Patrozinium hat Kardinal Reinhard Marx die neue St.-Josef-Kirche in Holzkirchen geweiht. Für die Kirchengemeinde hat er einen Auftrag: die Kirche mit Leben füllen.

Holzkirchen – Dreimal pocht es am Bronzetor. Ganz dumpf und dennoch ist es im ganzen Raum hörbar. „Jetzt soll aus diesem Gebäude eine Kirche werden“, dröhnt es aus den Lautsprechern. Dann öffnen sich die beiden Flügeltüren. Die Blicke der Gläubigen wandern rasch zum Portal. Im Türrahmen steht Kardinal Reinhard Marx. Er trägt ein goldenes Gewand, seine Mitra auf dem Kopf und hält den silberverzierten Bischofsstab in der rechten Hand, mit dem er soeben an das Portal geklopft hat. Mit dem Klopfen bittet der Kardinal Pfarrer Gottfried Doll als Kirchenrektor, die Kirche symbolisch für ihn zu öffnen, um das neue Gotteshaus weihen zu können.

Dieser sogenannte Portalritus ist eines von vielen rituellen Elementen im Festgottesdienst zur Weihe von St. Josef. Eine seltene Feierlichkeit. Im Erzbistum München und Freising ist die Holzkirche zu Holzkirchen die erste neugeweihte seit zehn Jahren. Für die örtliche Kirchengemeinde markiert die Weihe zudem den Schlusspunkt einer kräftezehrenden Wartezeit. Vor sechs Jahren war die alte St. Josef wegen statischer Mängel abgerissen worden. Wie sehr die Gemeinde auf „ihre“ neue Kirche hingefiebert hat, zeigt sich am großen Andrang an diesem so bedeutenden Tag.

Bereits über eine Stunde vor dem Gottesdienst bildet sich eine lange Schlange auf dem Vorplatz der Kirche. Die Wartenden lassen sich vom eisigen Wind nicht abschrecken. Belohnt werden sie mit Sitzplätzen in den Bankreihen in der Hauptkirche, die innerhalb weniger Minuten allesamt besetzt sind, nachdem die Türen geöffnet wurden. Gut 500 Gläubige finden Platz im ausladenden Weit der Kirche, darunter zahlreiche Vereinsvertreter und Vertreter der politischen Gemeinde. Bürgermeister Olaf von Löwis sitzt mit Landrat Wolfgang Rzehak, dem Bundestagsabgeordneten Alexander Radwan und der stellvertretenden Ministerpräsidentin Ilse Aigner in der ersten Reihe. Diejenigen, die keinen Sitzplatz mehr ergattert haben und während des gut zweistündigen Gottesdienstes wie viele andere nicht im hinteren Bereich der Kirche stehen wollen, können die Zeremonie per Live-Stream in der Werktagskapelle verfolgen.

Von dort aus beobachten sie, wie Kardinal Marx, angeführt von Fahnenträgern der örtlichen Vereine und 100 Ministranten, in die Kirche einzieht. Der Projektchor unter der Leitung von Kirchenmusiker Dirk Weil begleitet den Einzug mit dem Stück „Ihr Tore hebt eure Häupter“. Zunächst segnet Marx den Taufstein, der wie Altar, Tabernakel und Orgel aus der alten Kirche übernommen wurden, und besprengt den Raum mit Weihwasser. Ein Ritual, das an die Taufe angelehnt ist.

Bevor der Bischof – im Anschluss an Predigt und Evangelium – den Altar mit Chrisam salbt, werden darin Reliquien des Seligen Otto von Freising und des Heiligen Benno beigesetzt. Währenddessen klettern die Blicke in den Bankreihen immer wieder die Holzkonstruktion empor in Richtung Oberlicht, das den Raum in sanftes Weiß taucht. Der Bischof selbst muss tatsächlich klettern. Um die zwölf Stellen zu salben, an denen die Apostelleuchter montiert sind, steigt Marx auf einen kleinen Schemel. Die Salbung soll daran erinnern, dass die Gründung der Kirche von den Aposteln ausging.

Der Bau als solcher, verdeutlicht der Kardinal in seiner Predigt, soll den Gläubigen die Präsenz Gottes in Erinnerung rufen. Ihn gelte es nun mit Leben zu füllen. Um das zu ermöglichen, hat die gesamte Pfarrgemeinde viel Anstrengung investiert. Ihr dankt Marx ausdrücklich. „Die Situation hier in der Gemeinde ist zwar nicht vergleichbar mit dem babylonischen Exil “, sagt Marx. „Aber auch ihr habt ein bisschen Exil erlebt.“ Sechs Jahre mussten die Holzkirchner ohne ihre Heimat, ihre St. Josef, auskommen. Die Weihe markiere nun den „Neuanfang nach dem Exil“, sagt Marx. „Doch diese Kirche in Empfang zu nehmen, ist auch ein Auftrag an euch: Macht was draus.“

fp

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