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Die Verkehrsmeldungen im Blick: Nur bei ungestörtem Empfang arbeitet auch das Navigationssystem zuverlässig.

Interview mit Polizei-Verkehrsexperten

Wenn sich der Stau im Navi auflöst - aber immer noch da ist

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„Es liegen keine Verkehrsmeldungen vor.“ Wer diese Meldung in seinem Navigationsgerät angezeigt bekommt oder statt bayerischer nur österreichische Staus, sollte misstrauisch werden.

Landkreis– Das Navi nimmt uns vieles ab, aber manchmal lügt es uns auch dicke an. Denn wenn es heißt: „keine Verkehrsbehinderungen auf dieser Strecke“, hat man nicht automatisch freie Fahrt – sondern vermutlich ein Empfangsproblem. Welchen Grund es dafür gibt, wollten wir von Polizeihauptkommissar Michael Bungert (49), Leiter der Verkehrsmeldestelle Bayern im Polizeipräsidium Oberbayern Süd, wissen. Die Verkehrsmeldestelle ist die Landesmeldestelle für den Verkehrswarndienst des Freistaats und damit einzigartig in ganz Bayern. Im Jahr 2016 wurden in Rosenheim über 600 000 Verkehrsmeldungen für ganz Bayern verarbeitet.

Herr Bungert, kürzlich konnte ich auf meinem Navigationsgerät sehen, dass es in Österreich zwischen Klagenfurt und Villach stockenden Verkehr gegeben hat. Der Stau auf der A 995 bei München wurde nicht angezeigt. Ist mein Navigationsgerät kaputt?

Bungert: Nein, es ist eine Frage des Empfangs. Bei uns in Bayern wird das sogenannte TMC-Signal vom Hörfunk des Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt. Ist der UKW-Empfang schlecht, kommt dieses digitale Signal nicht mehr durch. Dann reicht es vielleicht noch fürs Radiohören, aber nicht mehr für Zusatzdienste.

Das Navigationssystem hat sich also nicht dauerhaft auf den österreichischen Sender eingestellt?

Bungert: Das Navigationsgerät stellt sich automatisch immer auf den stärksten Sender ein, im vorliegenden Fall war es vermutlich Ö3 vom ORF. Sobald das Signal beispielsweise von Bayern 3 wieder stärker wird, sind auch die bayerischen Verkehrsmeldungen wieder zu sehen. Gerade am Alpenrand kann es durch regionale Funklöcher oder aber ungünstige Wetterlagen immer wieder zu Einschränkungen kommen. Manchmal setzt sich dann einfach das österreichische Signal durch. Wir hatten auch schon Fälle, dass der Deutschlandfunk das Signal des Bayerischen Rundfunks überlagert hat und damit nur ein Teil der bayerischen Verkehrsmeldungen angezeigt wurde.

Es reicht also nicht, wenn man zwischendrin mal schnell wieder ein Funksignal aufschnappt?

Bungert: Das Navigationsgerät muss mindestens zwei Mal hintereinander das gleiche TMC-Signal für eine Verkehrsmeldung empfangen, ansonsten erscheint diese nicht. Es kann übrigens auch zu Empfangsproblemen kommen, wenn man mit dem Auto sehr schnell unterwegs ist.

Ist eine Besserung in Sicht?

Bungert: Mit DAB+, dem digitalen Radio, dürfte es besser werden. Wer heute schon einen digitalen Empfänger im Auto hat, wird beim Empfang von Verkehrsmeldungen kaum Probleme haben. Zukünftig wird es mit DAB+ auch möglich sein, örtlich genauere Verkehrsmeldungen zu empfangen, als dies mit TMC bisher möglich war.

Stichwort TMC

Der Traffic Message Channel (TMC) ist ein Teil des Radio Data Systems (RDS), eines digitalen Signals, das über Ultrakurzwelle (UKW) ausgestrahlt wird. RDS zeigt im Display des Radios zum Beispiel den Sender oder auch den Musiktitel an. Das TMC-Signal selbst besteht aus einem 50-stelligen alphanumerischen Code, den ein Navigationsgerät verstehen kann.

Damit das Navigationsgerät die richtige Örtlichkeit anzeigen kann, muss die aktuelle Örtlichkeitenliste, die sogenannte Location Code List, in dem Gerät abgespeichert sein. Deshalb ist es sehr wichtig, regelmäßig Karten-Updates durchzuführen.

sh

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