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„Man unterschätzt ihn, weil man so gegen ihn ist“: US-Präsident Donald Trump.

„Man unterschätzt ihn, weil man so gegen ihn ist“

Wie amerikanische Studenten über Trump reden - und streiten

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Professor William Keel aus Kansas und drei Studenten, die im Moment in Holzkirchen weilen, erzählen, wie sie als Amerikaner ihren Präsidenten sehen. Einer Meinung sind sie nicht.

Holzkirchen– Sein Präsident kommt im Ausland nicht gut an. Bevor William Keel nach Holzkirchen reist, schaut er sich Berlin an. In der Tram umarmt ihn plötzlich ein wildfremder Mann, der mitbekommen hat, dass der 69-Jährige Amerikaner ist. „Mein Beileid“, sagt der Fremde zu ihm. Und bemitleidet ihn wegen eines umstrittenen Mannes: Donald Trump.

Professor William Keel von der Universität in Kansas (Bild links, 2.v.l.) und die Studenten (v.l.) Claire Beach, Anneliese Reinert und Willi Klaveter – die gerade in Holzkirchen weilen – schildern Redakteurin Marlene Kadach, wie sie Trump sehen.

Professor Keel kommt seit 1982 fast jedes Jahr nach Holzkirchen, um die Studenten der Sommerschule zu betreuen. Der Freundeskreis der Universität Kansas kümmert sich um sie. Vergangene Woche reisten 20 Studenten an. Darunter Claire Beach (22), Willi Klaveter (19) und Anneliese Reinert (21). Die drei und Keel erzählen, wie es für sie als Amerikaner ist, dass Trump ins Weiße Haus einzog.

„In den Medien wird nur noch geschrien“

„Seitdem wird in den Medien nur noch geschrien“, sagt Keel. Deshalb schaltet er öfters den Fernseher aus und die Musik ein. Keel selbst ist ein eingefleischter Republikaner. Aber bei Trump schwankt er. Im Bundesstaat Kansas haben über 60 Prozent der Wähler für Trump gestimmt. Wen er gewählt hat, sei „eine geheime Sache“. Immerhin verrät er: „Ich habe nicht für Hillary gestimmt.“ Dass Trump gewinnt, kam für Keel überraschend. Als Trump seine Kandidatur bekannt gab, hätten viele gedacht: „Das ist ein Witz.“ Dann wendete sich das Blatt.

„Wir brauchen eine Veränderung, einen starken Mann.“

Beach ist viel herumgereist. Nach Südamerika, Australien und Asien. Immer wieder begegnete ihr dieselbe Frage: „Warum?“ Sie sagt: „Ich kann den Leuten nicht antworten, warum Trump gewählt wurde.“ Sie versteht es selbst nicht. Klaveter hingegen hat eine Erklärung: Vielen gefalle es, dass Trump auf politische Korrektheit pfeift. „Trump ist ein bisschen radikal rechts.“ Er sei zumindest mal was Neues. „Wir brauchen eine Veränderung.“ Und viele einen „starken Mann“.

„Die Leute haben Angst vor Muslimen.“

Schlecht findet Beach den Einreisestopp für Menschen aus sechs muslimischen Ländern, den Trump anstrebt. Und den der Supreme Court nun teilweise in Kraft gesetzt hat – was Keel erwartete. Immerhin habe ein Präsident das Recht, die Einreise zu kontrollieren. „Das hat nichts mit Religion zu tun.“ 

Reinert schüttelt den Kopf und widerspricht: „Es geht um die Religion. Die Leute haben Angst vor Muslimen.“ Schade, findet die 21-Jährige. Immerhin sei Amerika ein Land der Immigration. Sie selbst hat deutsche Wurzeln. Daher der Vorname Anneliese. Auch die Mauer zu Mexiko, die Trump gerne sähe, missfällt ihr. Klaveter meint: „Die Grenze war schon immer ein Problem.“ Dass die Mexikaner das Bollwerk mitzahlen sollen, sei jedoch Quatsch.

Viele Amerikaner sind traurig über das Ende von Obamacare

Trumps Wahlversprechen war, die Gesundheitsreform Obamacare abzuschaffen. Der Senat hat die Entscheidung erneut verschoben. Für Keel steht fest: „Obamacare stirbt von selbst.“ Nicht finanzierbar. Laut Reinert sind viele Amerikaner traurig darüber. Schätzungen zufolge würden rund 22 Millionen Menschen ihre Krankenversicherung verlieren.

„Ich glaube, Trump ist ein fairer Mensch.“

Peinlich ist es Reinert, dass sich Trump gegenüber anderen Staatsoberhäuptern unfreundlich verhält. Viel Porzellan zertrümmert hatte er kürzlich bei einem Nato-Treffen – er fordert, dass andere Mitgliedstaaten mehr zahlen. Keel findet, dass die Etats steigen müssen. „Ich glaube, Trump ist ein fairer Mensch.“ Einer, der gute Deals machen will. „Man unterschätzt ihn, weil man so gegen ihn ist.“

Klimaschutz? Schon erledigt

Die Differenzen mit der EU beobachtet Beach mit Sorge: Die EU habe eine starke Wirtschaft, die USA sollten mit ihr zusammenarbeiten. Reinert nickt: Auch im Kampf gegen den Terrorismus und den Klimawandel sei dies wichtig. Dass die USA aus dem Pariser Klimaabkommen ausstiegen, wundert Keel nicht. Schließlich habe Amerika die Ziele schon erfüllt, behauptet er. Klimaschützer und andere Staatschefs sehen das anders.

„Was er sagt, ist verwirrend.“ Wie ein Camäleon

Keel stört sich an dem unwirschen Auftreten Trumps. „Er ist kein Diplomat.“ Wie der Präsident zuweilen auf Twitter poltert, missfällt Klaveter. „Was er sagt, ist verwirrend.“ Er beginne einen Satz mit der einen Meinung und beende ihm mit dem Gegenteil, so Keel. Wie ein Chamäleon. Er sei unberechenbar, sorge für Chaos. „Er sollte öfters schweigen.“ Daher sollte Kanzlerin Angela Merkel Anfang Juli beim G20-Gipfel in Hamburg Trump mit einem deutschen Sprichwort belehren, findet Keel: „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.“

mar

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